Schnee im Juni …. und die Klondike Kate

Die Ankündigung von Schnee im Juni hielten wir für eine gut gemeinte, aber letztlich doch etwas übertriebene Wetterwarnung, die uns zwar in diversen Beschreibungen zu Alaska begegnete, die wir aber nicht wirklich ernst genommen haben. Bis zu dem Zeitpunkt, als wir in den vergangenen Tagen selbst diese Erfahrung machen „durften“. Aber dazu später mehr ..

Auf dem Plan der letzten Woche stand die Etappe von Delta Junction – Marys Campingplatz – nach Tok und dann über den „Top of the World Highway“ nach Dawson City. Der „Top of the World Highway“ hat so etwas wie Kultstatus bei Radfahrern und insbesondere auch bei Motorradfahrern, verbindet er doch auf einer Schotterstrasse Alaska mit dem Gebiet des Yukon in Kanada. Nach dem  Anstieg von ca. 200 km bis an der kanadischen Grenze auf ca. 1400 m Höhe windet er sich über ca. 100 km in endlosen Kurven über endlose Hügel bis er schließlich Dawson City erreicht. Dawson ist schlicht DIE Hauptstadt des Goldrausches und trägt noch heute sehr viele Züge aus dieser Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Wohlfühlatmosphäre auf dem Campingplatz bei Mary in Delta Junction verließen wir ein bißchen schweren Herzens angesichts der vielen netten Begegnungen dort und der großen Fürsorge, die uns Mary entgegenbrachte (s. vorheriger Bericht).

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Am 15.06. verließen wir gemeinsam mit Bala, der die letzten beiden Tage mit uns in der kleinen Biker Kommune bei Mary verbrachte, Delta Junction bei besten Wetter und Rückenwind. Bala stammt ursprünglich aus Chennai in Indien, und ist ein Biochemiker aus England. Sein Ziel ist wie unseres auch Ushuaia in Argentinien, er wird sich allerdings zwei Jahre Zeit lassen.
Sein ganzes „setup“ ist etwas anders als unseres, Bala reist per Rennrad, dem er einen Anhänger verpasst hat. Was sich ein  bisschen abenteuerlich anhört, ist eine durchaus übliche Alternative bei Reiseradlern, das Für und Wider für unsere und Balas Variante füllt ganze Foren. Bala war uns mit seinem Specialized Rennrad an diesem Tag hoch willkommen, denn er machte mit seinem Racer die pace für uns. Und so rollte unser Dreierpack mit einem Schnitt von 26 km/h über die ersten 60 km unserer Tagesetappe entlang des Alaska Highway.
Konnte man vor Delta Junction noch von Verkehr sprechen, war das was uns ab jetzt begegnete nur noch sporadische Begegnung mit anderen Autos. Wir rollten einen großen Teil der Strecke auf dem Highway – wobei der Begriff Highway keinesfalls mehr mit „Autobahn“ zu übersetzen ist. Ich nenne es mal „Landstraße“ wobei diese Straßen natürlich nach wie vor die Lebensadern Alaskas sind. Aber der Autoverkehr ist zu vernachlässigen und es war eine wundervolle Stille. Auch bürgerte es sich ab hier ein, dass jeder jeden auf der Straße grüßt. Die Landschaft verwandelte sich langsam, wir kamen den Bergen wieder nähe und damit sank auch unser Schnitt etwas. Die Aussichten belohnten uns aber reichlich.

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Nach 100 km erreichten wir Dot Lake – ein Nichts im Niemandsland. Aber die ersten Häuser seit Delta Junction. Unsere Zelte stellten wir in der Ortsmitte auf, um Wasser zu bekommen, klopften wir an etwas, das nicht nur aussah wie eine bewohnte Kirche, sondern tatsächlich genau das war. Kirchenbänke gleich neben der Spüle und ein Ornamentfenster im Wohnzimmer. Es war skurril – und während wir den sehr netten Bewohnern ein bisschen von unserer Geschichte erzählten, schweifte der Blick immer wieder in diese höchst ungewöhnliche Unterkunft.

Gegen 22:00 – es war natürlich noch immer taghell – fuhr ein roter Pickup neben unseren Zelten vor, dessen Fahrer sich als der örtliche Bärenbeauftragte vorstellte. Jaaa, so etwas gibt es hier… Er ließ uns wissen, dass sich ein Schwarzbär im Ort herumtreibt und da wir ja in Zelten liegen, sollte wir „vorsichtig“ sein. Auf die Frage, was wir tun sollten, wenn der Schwarze vorbeikommt, meinte er, wir sollten ihn einfach anrufen und gab uns seine Nummer. Die naive Frage, ob der Bär denn gefährlich sei verleitete ihn dann zu einer ziemlich sarkastischen Tirade darüber, dass uns der Bär, wenn er uns denn zu fassen bekommt, höchstwahrscheinlich an Ort und Stelle in handliche Brocken zerlegt, um diese dann in seine Futterdepots im Wald zu bringen. Vielleicht würden wir noch leben, wenn er – der Bärenbeauftrage und seine Jungs – uns denn findet, aber es würde nicht mehr reichen, um uns zu retten. Sprach’s, setzte sich in seinen roten pickup und verschwand. Unsere Nacht war unruhig … Zumal sich um 01:08 (… ich erinnere mich sehr gut an die Uhrzeit … ) etwas schnüffelnd um unser Zeit bewegte und gegen die Zeltwand stieß, so dass eine Tasche umfiel.  Silke meint, das wäre ein Hund. Ich wünsche mir auch dass es so war ..

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Am Morgen nach de Bärenalarm

Der nächste Tag war sonnig und die verbleibenden 75 km bis Tok waren ein Bewundern der Landschaft- Schneebedeckte Gipfel, grüne Hänge und Wiesen , die bis dahin fast ausschließlich waldige Landschaft machte immer wieder einer Tundra Platz, die weite Einblicke in die Landschaft erlaubt. Immer wieder wird die Landschaft unterbrochen von weiten Flächen, auf denen riesige Waldbrände wüteten. Ein Phänomen, das hier sehr weit verbreitet ist und jede Sommer Tausende Hektar Wald vernichtet. Die abgebrannte Fläche erholt sich aber schnell und oft ist der Waldbrand ein Mittel der Regeneration für die Landschaft. Im Sommer nach solchen Bränden tritt ein Phänomen auf, das ganze Heerscharen von Wanderarbeitern hinter den Bränden herziehen lässt: Eine besondere Sorte von Pilzen, die sehr begehrt und sehr teuer ist,  wächst in genau diesem einen Jahr auf den verbrannten Flächen.

Eine solche Kolonne fanden wir auch bei Christine am Cathedral Creek, ca. 25 km vor Tok. Christine stammt vom Bodensee und ist vor 32 Jahren als Anhalterin in Tok hängen geblieben. Mary hatte uns von ihr berichtet und so schauten wir auf eine Cola bei ihr vorbei.  Ihr Bed & Breakfast am Cathedral Creek, das sie jetzt in der traumhaften Landschaft betreibt, war für uns ein toller Ort, in dem wir uns angesichts der Ordnung und „Heimeligkeit“ fast wie zuhause gefühlt haben. Nach zwei Stunden netten Erzählens in Christines schönem Garten über das Für und Wider zwischen Deutschland und Alaska und den Lebensumständen an einem Ort, an dem man auch 20 m vom Highway entfernt schon mal eine Woche komplett einschneien kann, ging es für uns weiter nach Tok.

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Ganz nebenbei passierten wir ungefähr bei Christine unsere ersten 1000 km der Reise. Also – 1/16 geschafft.

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Kurz vor Tok trafen wir auf den Ort, an dem das Raumschiff des Weihnachtsmannes stationiert ist ..

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Das „Mukluk Land“ ist ein skurriler, liebevoll gemachtes Mini-Freizeitpark in der Tundra.

In Tok treffen sich der Alaska Highway, der Glenn Highway aus Richtung Anchorage und  der Taylor Highway in Richtung Dawson. Der Ort – wenn man ihn angesichts von geschätzt ca. 50 Häusern so nennen will – strahlt etwas mehr Atmosphäre aus, als Delta Junction und bot für uns alles, was der Radler braucht. Balas Weg führt weiter über den Alaska Highway, während wir uns über den Taylor Highway in Richtung kanadische Grenze und Dawson City aufmachen wollten. Hier trennten wir uns also von Bala – aber ich bin sicher, wir treffen uns wieder.

Unser Weg sollte uns über den Taylor Highway über ca. 180 Meilen (~ 290 km) nach Dawson City in Kanada führen. Auf dieser Strecke sollten wir also die kanadische Grenze und den „Top of the World Highway“, der zu den 10 Traumstraßen der Welt gezählt wird, passieren.

Die ersten 65 Meilen bis zu einem kleinen Goldgräberort namens „Chicken“ sind asphaltiert, ab dort bis Dawson dann nur noch Schotter (gravel). Chicken ist aber auch schon das einzige Stück Zivilisation zwischen Tok und Dawson. Der Ort ist eines der Überbleibsel aus der Zeit des Gold Rush und noch heute wird dort – wie an vielen anderen Stellen nach Gold geschürft. Angeblich werden heute noch ca. 400 kleinere und größere claims betrieben. Einige per Hand – andere mit maschineller Unterstützung. Und auch heute kann immer noch jeder „seinen“ claim in einer gewissen Größe für 150 $ pro Jahr abstecken und ist berechtigt, alle Gewinne daraus zu behalten. Voraussetzung ist, dass der Claim bewirtschaftet wird. Goldsucher dieser Art trafen wir mit Bill und Carol auf dem Walker Fork Campground. Ein Wort zu den Campgrounds hier: In den Regionen, in denen wir uns bewegen, gibt es ganz überwiegend staatliche Campgrounds. Sie bestehen aus Plätzen, die meist recht nett angelegt im Wald liegen, mit einer Bank und einer Feuerstelle ausgestattet sind, sonst aber kaum Infrastruktur bieten. Plumpsklo, Wasserstelle und wenn man Glück hat ein Unterstand für Zelter – das ist es. Es gibt keinen „Laden“ oder sonstige Infrastruktur. Die Registrierung erfolgt durch das Ausfüllen eines Zettels und Einwurf von 10$ in einen Schlitz. Meist gibt es Behälter, in denen das Essen bärensicher aufbewahrt wird, da Bären die Plätze als Quelle von Futter kennengelernt haben. Für uns heißt das, dass wir unsere Etappen immer wieder gut planen müssen, um Lebensmittel und Wasser ausreichend „an Bord“ zu haben. Und wenn die Plätze mal 150 km auseinender liegen – dann heißt es „ab in die Wildnis“. Was aber kein großer Unterschied zu oben beschriebenen Plätzen ist ..

das Notfallpaket von Silkes Kollegen - lecker ..

das Notfallpaket von Silkes Kollegen – lecker ..

.. man muss das hier extra betonen ..

.. man muss das hier extra betonen ..

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… unser Frhüstück auf der extra grossen Terrasse

Zurück zu Bill und Carol: Die beiden sind etwas älter als wir und verbringen ihre Sommer seit Jahren in Alaska und schürfen Gold. Mit der Hand. Sie sind „retired“ – also im Ruhestand –  haben ihr Vermögen nach eigenen Angaben mit dem Renovieren und Verkauf von Häusern in Indiana gemacht und tun seit 10 Jahren, wozu sie Lust haben. Dazu gehören auch sehr lange Radtouren und eben das Gold schürfen. Die Radtouren waren für uns natürlich sofort Gesprächsthema und so fachsimpelten wir lange Stunden bei den beiden am Feuer und ließen uns von den beiden die Ausbeute ihrer Schürfarbeit zeigen. Nuggets in der Größe von Weizenkörnern, meist aber Staub. Gut, dass die beiden davon nicht leben müssen. Die Geschichte der beiden von den Goldsuchern in der Region und auch von ihren Radtouren war für uns richtig spannende Unterhaltung.

Carol beim Gold waschen - es soll sich lohnen ..

Carol beim Gold waschen – es soll sich lohnen ..

Aber nun zurück nach Tok, dem Ausgangsort der Etappe nach Dawson. Die Strecke ist anspruchsvoll, insgesamt sind auf dem 290 km zwischen Tok und Dawson an die 6000 hm zu bewältigen. Dazu kamen immer wieder Warnungen über den Straßenzustand, angesichts einer 13 Meilen langen Baustelle kurz vor der kanadischen Grenze. Die erste Etappe sollte uns von Tok mindestens 50 km weit den Taylor Highway hinauf bringen, dabei waren ca. 1000 hm geplant. Die Wettervorhersage war mittelmäßig – 20% Regenwahrscheinlichkeit für diesen Tag und 60% für die folgenden beiden Tage. Dazu ein Temperaturabfall. Wir sind dennoch gestartet. Das Regenzeug haben wir 10 Meilen hinter Tok angezogen. Im Regenzeug kämpften wir uns die Kräfte zehrenden Hügel des Taylor Highway hinauf. Ich liebe Serpentinen.. da sieht man wenigstens nicht, was noch kommt. Hier kann man die sich leicht windende Straße kilometerweit auf der Hügelkette mit all ihren Anstiegen verfolgen. Der Regen wurde stärker und stärker und schließlich beschlossen wir nach immerhin 55 km und ca. 850 hm unser Zelt gegen 16:00 geradewegs an einer Art Haltebucht an der Straße aufzuschlagen, wo wir eben gerade tropfnass standen. Wir schafften es tatsächlich, Schlafsack und Iso Matte  halbwegs trocken einzurichten, und atmeten erst einmal durch als wir im Zelt lagen. Abwarten – der Regen wird schon irgendwann aufhören. Spätestens morgen früh. Tat er aber nicht. Stattdessen kam Wind dazu, der heftig an unserem Zelt zerrte. Und es wurde kälter.. viel kälter. Das Prasseln des Regens auf der Zeltmembran wurde leiser und leiser und als ich am Morgen aus dem Zelt schaute, wusste ich warum – es hatte geschneit. Schneeregen in unserer Höhe, aber die Gipfel um uns herum waren weiß.

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Trotz Kälte im Zelt – die Moral stimmt noch ..

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Schnee im Juni .. es war noch ungemütlicher als es aussieht.

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Für uns war die Entscheidung schnell klar – wir konnten nicht weiter – vor uns lagen nur höhere Regionen und hunderte Kilometer ohne Infrastruktur. Also zurück nach Tok. Aber wie ? Wir waren durchgefroren und es war keineswegs eine glatte Abfahrt nach Tok, sondern hätte noch viele Kilometer und viele Steigungen bedeutet. Also per Anhalter. Per Anhalter mit zwei Fahrrädern und 45 kg Gepäck. Würde das klappen? Egal, wir mussten es versuchen. Das Abbauen war angesichts von Kälte und Nässe schnell geschafft und so standen wir tropfend an der Straße. Das dritte Auto hielt, war aber nicht dazu ausgelegt, mehr als eine Person aufzunehmen. Das vierte Auto war das Wohnmobil von Ole, Lisa und Mike Beymer. Geplant war, dass sie Silke und unser Gepäck mit nach Tok nehmen sollten, ich wollte versuchen, ein weiteres Auto mit der Möglichkeit für zwei Fahrräder zu erwischen. Aber darauf ließen sie sich nicht ein. Ole parkte das Mobil kurzerhand an der Straße und lud uns beide in das WoMo ein. Lisa fragte, ob wir Kaffee oder heiße Schokolade wollen und ehe wir es uns versahen, waren wir beide, das Gepäck und beide Schmutz triefenden Räder (!) im WoMo verstaut. Wir müssen wohl sehr Mitleid erregend ausgesehen haben. Die Beymers kümmerten sich toll um uns.  Unsere Lebensgeister kehrten zurück und wir standen sicher eine Stunde an der Straße und erzählten und redeten, bevor Ole das Gefährt in Richtung Tok startete. Es wurde wieder eine dieser sehr netten und sehr intensiven Begegnungen, in denen wir viel über unser Gegenüber erfuhren und ganz dicht dran waren an den Menschen und ihre Geschichten. Mark, Ole’s Sohn war Software Entwickler, bis ihn im Alter von 45 ein Schlaganfall außer Gefecht setzte. Angesichts des Sozialsystems in den USA keine gute Situation. Das Thema zwischen uns war schnell gefunden. Ole fertigt tolle Holzarbeiten an, von denen ihr einige in unserer Galerie bewundern könnt. In Tok angekommen lud Ole uns sogar noch auf ein Essen ein.

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Die Beymers – unsere „Retter“ nach der Schneenacht

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eines der Kunstwerke von Ole

Da waren wir also wieder in Tok. Dieses Mal checkten wir im Motel ein, trockneten unsere Sachen  und genossen den Luxus um uns herum. Am kommenden Tag sah die Welt schon wieder anders aus und wir starteten erneut von Tok aus. Eigentlich war das Thema „Top of the World Highway“ angesichts des kleinen Traumas für uns erledigt. Als aber der Abzweig näher kam, nagte der Wunsch, doch wieder rauf zu fahren. Schließlich war es doch eines der Highlights in Alaska… Und so kam es an der Tetlin Junction zu einer kurzen Diskussion und der Entscheidung – ja, wir versuchen es ein zweites Mal.

Gesagt, getan – und so gingen wir die Strecke wieder an. Es wurden vier Tage mit tollen Aussichten, großen Anstrengungen und der Erkenntnis, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Insbesondere der Gegenwind auf der fast baumlosen Strecke auf dem „Top of the World Highway“, das sehr anstrengende Profil und die Temperaturen zwischen 12° und 15° zehrten doch an uns.

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.. endlose Hügel und Windungen .. der Top of the World Highway

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der Top of the World Highway - endlose Kurven und Steigungen auf "gravel"

der Top of the World Highway – endlose Kurven und Steigungen auf „gravel“

Willkommen in Kanada - das Gebiet des Yukon

Willkommen in Kanada – das Gebiet des Yukon

der Top of the World Highway - endlose Kurven und Steigungen auf "gravel"

der Top of the World Highway – endlose Kurven und Steigungen auf „gravel“

In Dawson City angekommen genießen wir zunächst ein bisschen die Zivilisation. Ach wenn der Ort doch sehr touristisch ist, spürt und erlebt man den Charme des Goldrausches noch immer an vielen Ecken. Das Ganze ist wild romantisch.

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… Wow, Sonne um Mitternacht auf dem Yukon … Untergang oder Aufgang ? Beides – die Sonne bleibt ständig

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Wir haben uns einstweilen auf den touristischen Teil eingelassen und besuchen das Casino, die can-Can Show und einiges andere.

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Im Downtown Motel verteilt ein „Commissioner“ Urkunden an die, die sich trauen, den hundet Jahre alten amputierten Zeh eines Goldsuchers im Glas zu behalten, während sie trinken. „Drink it fast or drink it slow – but your lips must touch the toe“.

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Can – Can bei Diaand Tooth Gertie .. nette show

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Denkmal für die Goldsucher

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  • Begegnungen

Auch in der letzten Woche hatten wir wieder eine ganze Reihe von interessanten und sehr netten Begegnungen, von denen ich einige hier nennen will:

  • Bala

Über unseren „pace maker“ aus UK habe ich oben bereits berichtet. Bala ist auch dem Weg nach Ushuaia. Seine Website ist www.freebuffalo.co.uk.

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  • Sue & Scott

Ein Paar Mitte Dreißig. Die beiden sind per Rad unterwegs auf dem „Continental Divide“, der gedachten Linie, die die USA so teil, dass östlich der Linie das Wasser in den Atlantik fließt und westlich davon in den Pazifik. Wir haben den „Top of the World Highway“ gemeinsam befahren und eine Nacht an einem einsamen Werbeschild in der Pampa übernachtet. Die beiden folgen einer Philosophie, die wir jetzt schon mehrfach hier gehört haben: Sie folgen zwar einer Route, aber ohne festes Ziel. Ihre Reise ist zu Ende, wenn das Konto leer ist. Auch ein (typisch amerikanischer ..) Weg …

Unser PLatz für die Nacht - mit Sue und Scott

Unser PLatz für die Nacht – mit Sue und Scott

  • Bill & Carol

Die beiden Goldschürfer und passionierten Radler waren oben schon Thema.

Bill und Carol - sehr nette Radfahrenthusiasten, Weltenbummler, Goldwäscher und Gastgeber

Bill und Carol – sehr nette Radfahrenthusiasten, Weltenbummler, Goldwäscher und Gastgeber

  • Detlev

Der einzige Radler, der uns bislang entgegen gekommen ist. Er stammt aus dem Saale – Unstrut Tal und fährt für einige Wochen eine Schleife von Whitehorse nach Whitehorse. Er warnte uns sehr vor dem Anstieg zu kanadischen Grenze, der letztlich für uns sehr viel leichter war, als befürchtet.

Detlev aus dem Saale-Unstrut Tal. Er kam uns entgegen

Detlev aus dem Saale-Unstrut Tal. Er kam uns entgegen

  • Michael Fritz

Michael begegnete uns, als wir unser Zelt schon am „Top of the World Highway“ aufgeschlagen hatten. Er ist mit einem E-Bike unterwegs und überlegte kurz, ebenfalls bei uns Station zu machen. Im Nachhinein hätte er das besser gemacht, denn sein Akku trug ihn gerade noch den nächsten Hügel hinauf, danach ist er dann ohne zusätzliche Power die verbleibenden 70 Kilometer und 1000 hm bis 02:00 nachts nach Dawson geradelt. Sein Rad wiegt 23 kg .. Dazu Gepäck. Respekt! Michael hat mit seinem Motorrad schon die ganze Welt bereist – seine Erzählungen von den Episoden in den diversen Ländern sind Film reif und spannend. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in der „Drunken Goat“ und im „Downtown Hotel“  in Dawson und hoffen, ihn vielleicht in Juneau wieder zu sehen. Sein Ziel ist San Diego.

Michael lebt seinen Traum. Er ist mit dem Reisevirus geboren und reist seit seinem 16. Lebensjahr um die Welt. Sein Berufsleben – er ist Kunstschmied und hat mit seinem Betrieb im kleinen Walsertal Dutzende Hotels und Häuser in Deutschland und auch im Harz bestückt – erlaubte ihm einen Rhythmus von vier Monaten Reisen und acht Monaten Arbeit. In seinem Fall ist es offenbar gelungen, Familie, Beruf und diesen Traum unter einen Hut zu bringen.

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  • Familie Klement

Familie Klement aus Friedrichshafen waren unsere großzügigen Gastgeber und Gesprächspartner an einem Campingabend auf dem Walker Fork Campground. Bier, Brownies und andere Köstlichkeiten sind für Radler etwas ganz besonderes. Die beiden kennen Alaska und Kanada und viele andere Ecken der Welt aus dem ff  und so hatten wir einen sehr netten Abend.

Familie Klement vom Bodensee - eine unerwartete und sehr nette Versorgung mit Bier und dunklem Brot  :-)

Familie Klement vom Bodensee – eine unerwartete und sehr nette Versorgung mit Bier und dunklem Brot :-)

Tim

Tim ist Geographie Lehrer aus Dallas, Texas. Sein texanischer Charme und sein interessantes Rad waren für uns und Bala Gesprächsstoff am Dot Lake. Tim `s Ziel ist Montana – speziell Glacier/USA.

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Es bleibt also dabei – jeder Tag ist anders, jeder Tag bringt neue Erlebnisse, Bekanntschaften und Eindrücke.

Ach … da war noch etwas. zum Thema „Jägermeister Hype“:

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Moose = Elch .. also .. Jäger-Elcher .. ?

Dietmar, vielleicht könntest Du mal fragen, ob das mit Eurer Marketing-Abtleilung abgestimmt ist? Witzig ist es in jedem Fall. Genau wie das hier …

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Meals on Wheels .. nicht mit uns ..

Obwohl und bei der Erkenntnis, dass wir „Meals on Wheels“, also für die Bären „Essen auf Rädern“ darstellen sollen, eher etwas mulmig ist. Noch haben wir aber keinen Bären auf der Straße gesehen.

Unsere nächste Etappe führt uns südlich nach Whitehorse und weiter zurück nach Alaska nach Juneau. Zuhause ist Volksfest und wir denken ganz sicher mit etwas Wehmut auch daran.

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8 Gedanken zu “Schnee im Juni …. und die Klondike Kate

  1. Schön, dass wir wieder ein Stück „mitfahren“ durften. Tolle Abenteuer und Begegnungen!
    Denkt dran: Immer auch das bekleckerte T-Shirt zu den Lebensmitteln in die Bärenbox packen!

  2. Holger und Silke, herzlichen Dank für Eure ausgiebigen Berichte. Man fühlt sich fast wie „mittendrin“, nur ohne Bären! ;)

    Alles Gute weiterhin!

  3. Wow
    Ihr seid ja lange „off“ gewesen! Toller Bericht, Ihr macht mich so langsam echt neidisch, trotz der Strapazen! Viel Erfolg weiterhin, und ja das Volksfest ist da! Momentan will nur das Wetter nicht so richtig, was den Wagenbauern naturlich nicht so gut schmeckt!
    Gruss Christoph

  4. Noch etwas. Das „Hello Tracks“ funktioniert leider nicht so toll, da sind sehr wenige Eintraege drin, der Letzte vom 14.06. ! Deswegen auch meine Anmerkung bzgl. der langen offtime!
    Gruss Christoph

  5. Was für eine schöne Überraschung – heute Morgen ein Lebenszeichen von Holger in der Mail!
    Es freut mich, dass es euch so gut geht und ihr so viele tolle Begegnungen habt und neue Eindrücke bekommt. Und es ist interessant, dass man einige Touren auch mit dem Motorrad machen könnte … ;-)
    Weiterhin gute Reise und viele Grüße
    Miriam

  6. Danke Euch Beiden, von heftigstem Fernweh gepackt verschlinge ich Eure wunderbaren Berichte. Weiterhin viel Spaß und Power! Genießt die tollen Begegnungen. Derweil trinken wir das eine oder andere Bierchen auf Euer Wohl. Ihr seid in Gedanken dabei, viele Grüße auch von Timpes :-)

  7. Gib hier Deinen Kommentar ein …Silke und Holger, verfolge eure Tour und bin begeistert. Heute war Volksfest bei uns – wettermäßig habt ihr nichts verpasst. Weiterhin viel Glück

  8. Wow ,bin aus meinem Alltagstrubel nach der großartigen Fußball-WM eingetaucht in euer wildes, anstrengendes, gefährliches Alaskaabenteuer. Was ich bisher von euch erfahren habe beeindruckt mich mächtig. Ist ja spannender als Hochleistungsfußball. Eure Erlebnisse und diese intensiven Begegnungen mit der Natur und diesen hilfsbereiten Menschen berühren mich sehr. Ich freue mich euch virtuell begleiten zu dürfen. Weiterhin gute Unterstützung auf allen Ebenen für euch und eure Reise.

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