Goldrausch im Yukon .. und auf Regen folgt Sonne

.. ja, das Wetter war uns nicht immer wohl gesonnen und wir haben gefühlt einen guten Teil des Jahresniederschlages im Yukon miterleben „dürfen“. Die positive Nachricht ist die, daß es uns in den Städten „erwischt“ hat und so konnten wir sowohl Dawson City als auch Whitehorse etwas länger erkunden, als das vorgesehen war. Aber dazu unten mehr. Der Bericht erreicht Euch aus Bellingham in strahlender Sonne bei Temperaturen weit über 20°. Wir haben den einsamen Norden gerade hinter uns gelassen und mit der Fährfahrt – wir sagen „kleine Kreuzfahrt“ dazu – von Skagway nach Bellingham in der Nähe von Seattle einen „kleinen“ Sprung gemacht. Über 2000 km stehen bereits auf unserem Tacho und wir freuen uns nach dem Nichtstun auf der Fähre jetzt wieder darauf, Kilometer zu machen. Der längere Abstand zwischen diesem und dem letzten Bericht ist dem Umstand zuzuschreiben, dass wir einfach ziemlich im Niemandsland waren. Der Yukon in Kanada ist einfach am Ende der Welt. Dafür gibt es jetzt etwas mehr zu erzählen. Einen Auszug unserer Bilder findet Ihr in der neuen Galerie hier.

Unsere Position konnten wir leider aus gleichem Grund auch nicht so verfolgbar machen, wie wir es gern getan hätten. Das wird sich hoffentlich ab jetzt zumindest für die kommenden beiden Monate ändern, wenn wir an der Westküste der USA unterwegs sind. Dieser Artikel erzählt natürlich von uns und unserer Reise – soll Euch aber mit einem kleinen Ausflug in die Geschichte des Goldrausches auch ein bisschen daran teilhaben lassen, was uns vom geschichtlichen Hintergrund die letzten Wochen begleitet hat. Mit der etwa 750 km langen Etappe von Dawson City nach Skagway folgten wir entlang dem Klondike River und dem Klondike Loop Highway den Spuren des großen Goldrausch von 1896/97 – nur in umgekehrter Richtung. Dawson City war für die Zehntausenden Goldsuchern der vorletzte Jahrhundertwende der Zielort ihrer großen Erwartungen und Hoffnungen. Skagway – genauer der damalige Nachbarort Dyea – war der Hafenort, an dem die Goldsucher anlandeten und ihre Reise in den Yukon begannen. Heute ist Skagway ein betriebsamer Kreuzfahrthafen und Anlaufpunkt des Alaska Marine Highway, der Fährverbindung, die uns von Alaska in die Nähe von Seattle bringen soll. Unsere erste Abkürzung also – wir kennen die Region in British Columbia aus unserer Reise von 2006. Die Spuren der Goldsucher – der „Stampeders“ – sind noch heute an der Strecke sichtbar und werden vielfach dargestellt und eindrucksvoll erklärt. Die Geschichte des Goldrausches, die für uns bislang aus Jack London Romantik bestand, wurde auf dieser Etappe sehr lebendig und greifbar.  Deshalb ein kleiner Ausflug in diese Zeit : Gold am Klondike …. Die ersten Goldfunde  erfolgten in der Regel zufällig durch Menschen, die bereits in der Region lebten. Fallensteller, Mitglieder der First Nations, also der Ureinwohner der Region oder auch Missionare und „Prospectors“, also Erforscher der Region. Diese Funde spielten sich offenbar tatsächlich so ab, dass diese wenigen Glücklichen die zufällig gefundenen Nuggets von der Größe von Walnüssen wie Kieselsteine aus dem Flussbett sammeln konnten. Sie waren zufällig in so genannten „pockets“ im Fluss nach oben gespült worden und ohne Werkzeuge oder größeren Aufwand zugänglich. Funde wie diese verbreiteten sich in Zeiten einer wirtschaftlichen Rezession um die Jahrhundertwende wie ein Lauffeuer und brachten Tausende dazu, alles stehen und liegen zu lassen und dem Ruf des Goldes zu folgen. So suchten zum Beispiel beim Klondike Goldrausch um 1896 etwa 100.000 Abenteurer aus der der ganzen Welt ihr Glück im Norden. Die meisten kamen mit völlig falschen Vorstellungen über das, was sie erwartet, schlecht ausgerüstet und mit mehr Träumen als Fähigkeiten in die Region. Allein die Reise per Schiff an einen der Orte, der Zugang zum Yukon erlaubte, dauerte Monate. Im Gebiet des Yukon angelangt, wurden die Goldsucher von den kanadischen Mounties mit der Forderung konfrontiert, 2000 pounds – also etwa 900 kg – Ausrüstung und Verpflegung vorweisen zu müssen, um die Reise zu den Goldregionen überhaupt antreten zu dürfen. Für diejenigen, die diese Hürde trotz skrupelloser Geschäftemacher vor Ort, die Ausrüstung verkauften oder beschafften, nehmen konnten, begann der Fussmarsch über den tief verschneiten und vereisten Chilkoot Trail oder den White Pass. Die meisten Stampeders kamen im Oktober an und wurden mit Frost und Blizzards konfrontiert. Angesicht der 2000 pounds Ausrüstung musste der Pass gleich vielfach überwunden werden. Tausende schafften diesen Teil nicht, gaben auf oder starben. Andere, die das erforderliche Geld hatten, heuerten Träger an – meist Mitglieder der Stämme der First Nation vor Ort. Am Yukon angekommen begann für diejenigen, die es geschafft hatten, der nächste Teil. Schwimmende Untersätze mussten gebaut werden, um sich und die Ausrüstung flussabwärts zu transportieren. Die Stampeders holzten ganze Wälder ab und bauten Flösse und so etwas ähnliches wie Boote. Provisorische und fragile Untersätze von denen viele die Fahrt durch die Stromschnellen des Yukons – insbesondere durch die Five Finger Rapids – nicht überstanden.  Etwa 1750 dieser „Boote“ begannen wie eine Armada die Fahrt auf dem Yukon.

Die Five Finger Rapids - Endstation für viele Schiffe und Flösse auf dem Yukon

Die Five Finger Rapids – Endstation für viele Schiffe und Flösse auf dem Yukon

Etwa 30.000 Stampeders schafften es schließlich bis nach Dawson City und überrollten das damals verschlafene Dorf. Dort angekommen wurde schnell klar, dass der größte Teil der viel versprechenden Claims bereits vergeben war. Für die Neuankömmlinge blieb nur die Wahl, für einen der Claimbesitzer für geringen Lohn zu arbeiten, oder die Heimreise anzutreten. Im Museum von Dawson City sind eindrucksvoll vielfach Briefe und Karten der verzweifelten Stampeders an Ihre Familien ausgestellt. Wer nun Gold finden wollte, musste nun sehr viel mehr Aufwand betreiben, als die ersten Finder. Das Gold war nun unter dem Flussbett – bzw. dem ehemaligen Flussbett zu finden. Meterweise Gestein musste abgetragen werden, bis die Gold führende Schicht zugänglich war. Die verbreiteste Methode war es, im Winter bei fast dauernder Dunkelheit den gefrorenen Boden bis in eine Tiefe von 5 – 10 Meter mittels Feuer in wochenlanger Arbeit schichtweise zu erwärmen, bis die Gold führende Schicht erreicht war. Das per Hacke aus dem Permafrostboden herausgebrochene Gestein wurde per Winde und Eimer nach oben befördert, um im kommenden Sommer mühsam Schaufel für Schaufel nach Gold durchsucht zu werden. Die Techniken und Werkzeuge sind ebenfalls in Dawson zu bestaunen. Auch in dieser Zeit wurden dennoch noch etwa 100 Leute zumindest vorübergehend reich. Nach dem ersten Weltkrieg begann dann die industrielle Förderung von Gold mittels großer Maschinen – so genannter „Dredges“ (vergleichbar Kohlebaggern) – die bis heute anhält. In dieser Zeit begann auch die Ära der Schaufelraddampfer, die als Symbol des Yukon bekannt sind und die erst abgelöst wurden, als in den 60er Jahren ganzjährig befahrbare Straßen gebaut wurden. Mit dem Verlassen von Dawson merkten wir sehr schnell, dass wir uns nun in einem Gebiet bewegen würden, das noch deutlich dünner besiedelt ist, als Alaska. Der Yukon ist mit ca. 500.000 km**2 in etwa so groß wie Deutschland, hat dabei  aber ganze 36.000 Einwohner. Die Stadt Peine hat also beinahe so viel Einwohner wie der gesamte Yukon …  Von diesen 36.000 leben auch noch ca. 80% – etwa 28.000 – in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon. Dementsprechend dünn ist die Infrastruktur im Yukon. Kein Telefonnetz. Kein Internetzugang. Die Versorgungspunkte – also Tankstellen oder kleine „roadhouses“ mit angeschlossenem kleinen Lebensmittelangebot und Zugang zu kontrolliertem Wasser liegen 100 km oder mehr auseinander. Campingplätze haben etwa die gleichen Abstände, bieten aber in diesem Gebiet in Kanada noch weniger als in Alaska, wo zumindest in der Regel sauberes Trinkwasser verfügbar war. In Kanada musste es noch behandelt werden. Trinkwasser wurde für uns zum Thema, wir mussten angesichts der Distanzen im Yukon immer einen Vorrat mit uns führen. An manchem Anstieg hörte sich das Schwappen des schweren Trinkwassers im Gepäck ein bisschen wie Gelächter an. Zum Thema Trinkwasser: Wasser ist natürlich in einem Land wie Kanada keine Mangelware. Dennoch muss man sich von der Vorstellung lösen, dass die Landschaft von glasklaren Gebirgsbächen durchzogen ist, aus denen man direkt trinken kann. Bäche bestehen meist aus Öberflächenwasser, dessen Färbung so ist, wie das Land, dass sie durchflossen haben. Meist also eher so etwas wie ein leckeres Rostbraun. Der Geschmack ist ein bisschen wie Eisen.. Es wird immer dazu geraten, es zu behandeln, wenn man es aus der Natur nimmt. Dazu eignen sich dann entweder Wasserfilter (.. beste Option – sie entfernen auch Schwebstoffe) oder chemische Zusätze, die entweder per Tabletten- oder Tropfenform (.. unsere Option) dem Wasser zugesetzt werden können. Nachdem uns der Regen also in Dawson länger festgehalten hat, als geplant, waren wir froh, wieder auf der Straße zu sein. Der Plan besagte, den nächsten Punkt mit minimaler Infrastruktur – den etwa 160 km entfernten Campingplatz am Moose Creek – innerhalb von zwei Tagen zu erreichen. Am Moose Creek lockte nicht nur der Campingplatz, sondern laut Karte auch eine „Lodge“, was immerhin zumindest eine gekühlte Cola (..unser Doping ..) verhieß. Am Tag unserer Abfahrt entschädigte uns das Wetter dann aber mit Rückenwind, Sonne und auch sonst guten Bedingungen für den Regen. So reifte im Laufe des Tages die Entscheidung, die gesamte Strecke von 160 km an einem Tag in Angriff zu nehmen.

fast 160 km - unsere bislnag längste Etappe

fast 160 km – unsere bislnag längste Etappe

Man sieht also – wir sind weiter voll motiviert und die Form stimmt auch J. Auch wenn es fast bis 22:00 dauerte und am letzten Hügel die wirklich letzten Kraftreserven kostete – wir haben es geschafft. Und nicht nur das: an besagter Lodge angekommen trafen wir dort am Lagerfeuer auf eine Runde Schweizer, die bei bester Laune gerade die letzten Reste Ihres Barbecue verzehrten und uns in Nullkommanichts dazu einluden. Statt Cola wurde es dann an diesem Abend Bier, Moose Steaks und eine Runde von Erzählungen. Auch auf den offenbar von Mosquitos schwer heimgesuchten Campingplatz mussten wir nicht mehr zurückgreifen. Ella, die Schweizerin, die vor Jahren aus Bern hierhin ausgewandert ist, lud uns ein, in einer ihrer Hütten zu übernachten. Es war wieder einer dieser Ereignisse, bei denen uns die Gastfreundschaft und der völlig unkomplizierte Kontakt zu den Menschen hier fast schon überwältigte.

Unser Domizil in der Moose Creek Lodge - Luxus !

Unser Domizil in der Moose Creek Lodge – Luxus !

Moose Creek Lod

Moose Creek Lodge

Die Lodge besteht aus einem Cafe, einer Reihe von Cabins und Nebengebäuden – alles sehr nett gemacht. So hatten wir unerwartet ein Dach über dem Kopf, eine komfortable Küche und dazu einen netten Abend. Lodges wie diese – im Niemandsland – leben im Wesentlichen von Bustouren, die für einen kurzen Stop anhalten, gewisse Orte aufsuchen, den obligatorischen Giftshop und je nach Paket auch noch verpflegt werden. Amerikaner sind sowieso Bustouristen. Weiter ging es am nächsten Tag mit dem Ziel, den nächsten Etappenort auf dem Weg nach Whitehorse zu erreichen. Pelly Crossing. Auch dieser Tag verwöhnte uns mit Sonne und gutem Wind, so dass diese annähernd 100 km gut verliefen. Auf etwa halber Strecke sahen wir auf einem Hügel weitere Radler. Als wir näher kamen, trauten wir zunächst unseren Augen kaum, denn hinter einem Fahrrad hing ein Kinderanhänger. Und tatsächlich – Karl, Marie und Kayla aus Quebec sind per Rad als kleine Familie unterwegs – und zwar bis nach Feuerland. Kayla ist 14 Monate alt und quicklebendig. Unserem Treffen auf der Straße folgten zwei gemeinsame Campingabende in Pelly Crossing und später auch noch einmal in Carmacks. Es ist klar, dass das Reisen mit Kind angesichts der Herausforderungen bezüglich Lebensmittel, Wasserversorgung, Campingplätzen usw. noch einmal eine Nummer schwieriger ist, als das, was wir machen. Die Distanzen, die die Drei zurücklegen können, sind einfach viel kürzer – dementsprechend mehr Vorräte müssen sie mitführen. Dennoch sind diese Drei beileibe nicht die Einzigen, die als Familie per Fahrrad unterwegs sind. Über andere Radfahrer haben wir von einigen weiteren Familien „auf der Straße“ gehört.

Karl, Marie & Kayla - eine kleine Familie aus Quebec. S.a. www.enfant-a-board.com

Karl, Marie & Kayla – eine kleine Familie aus Quebec. S.a. http://www.enfant-a-board.com

Karl, Marie & Kayla - eine kleine Familie aus Quebec. S.a. www.enfant-a-board.com

Karl, Marie & Kayla – eine kleine Familie aus Quebec. S.a. http://www.enfant-a-board.com

Unsere weiteren Stationen nach Whitehorse verliefen über Carmacks und den Fox Lake. Carmacks – selbst ernannter „Hub of the Yukon“ (Knotenpunkt des Yukon ..) – zählt mit etwa 500 Einwohnern zu den größeren Orten im Yukon. Immerhin – es gibt einen Campingplatz (.. mit Imbiss !), eine Tankstelle, einen ganz gut sortierten Einkaufsladen und ein kleines Hotel. Was einen „Hub of the Yukon“ eben so ausmacht …

Coalmine Campground - unser Domizil in Carmacks. Mit den angeblich besten Burgern der Welt

Coalmine Campground – unser Domizil in Carmacks. Mit den angeblich besten Burgern der Welt

Anhalter in Carmacks - wer Erfolg haben will, muss kreativ sein ..

Anhalter in Carmacks – wer Erfolg haben will, muss kreativ sein ..

DAS Event des Jahres ist der Tag, an dem der Yukon River Quest Station in Carmacks macht. Der Yukon River Quest ist ein Paddelrennen auf dem Yukon, das in Whitehorse startet und in Dawson endet und damit die Strecke nachempfindet, die damals die „Stampeders“ mit ihren selbst gebauten Booten auf dem Yukon genommen haben. Statt wie die Stampeders in einigen Wochen schaffen die schnellsten Paddler die 750 km lange Strecke in etwa 48 Stunden. Das Rennen war gerade einige Tage vorbei und wir trafen noch eine Reihe von Teilnehmern. Nun wurde der Ort von Pilzsammlern beherrscht, die ebenfalls im Goldfieber zu sein schienen. Über das Phänomen  der Pilze, die ein Jahr nach Waldbränden gesammelt werden können, habe ich bereits im letzten Bericht ein bisschen erzählt. Was sich allerdings in Carmacks abspielte, stellte das bisher erlebt in den Schatten. Wir wunderten uns über die vielen Hubschrauber in der Luft und fragten uns, ob wohl eine ganze Schulklasse vermisst werden würde. Später wurde uns berichtet, dass diese Hubschrauber Pilzsammler absetzen. Der Platz im Hubschrauber kostet 1000 $ , was die Sammler sich angesichts der zu erwartenden Einnahmen für die Pilze gern leisten. Beim Abschied aus Carmacks gerieten wir noch in die kleine Parade, die anlässlichlich des Canada Day am 01.07. – dem Nationalfeiertag Kanadas – abgehalten wurde. Wir fühlten uns zumindest ein klein wenig in den Umzug zum Volksfest zuhause versetzt. Vielleicht ist ja die eine oder andere Idee für Wagen in den kommenden Jahren dabei.

Canada Day am 01.07. - der Umzug in Carmacks

Canada Day am 01.07. – der Umzug in Carmacks

Canada Day am 01.07. - der Umzug in Carmacks

Canada Day am 01.07. – der Umzug in Carmacks

Whitehorse

Zur Hauptstadt des Yukon: Whitehorse wird von Condor direkt aus Frankfurt angeflogen und so wird die Stadt von vielen Deutschen als Startpunkt für Wohnmobil- oder Wandertouren genutzt. Man spricht Deutsch .. Wahrzeichen der Stadt ist die „Klondike“, ein Original Schaufelraddampfer (Stirnwheeler), der am Ufer des Yukon auf Land liegt und besichtigt werden kann. Er vermittelt einen guten Eindruck in die Art, wie die Menschen bis in die 60er Jahre hinein in die Region reisten.

Die Klondike - Wahrzeichen von Whitehorse - Ladung von damals

Die Klondike – Wahrzeichen von Whitehorse – Ladung von damals

Die Klondike - Wahrzeichen von Whitehorse

Die Klondike – Wahrzeichen von Whitehorse

Whitehorse - Hauptstadt des Yukon

Whitehorse – Hauptstadt des Yukon

Unser Aufenthalt verlängerte sich angesichts heftiger Regenfälle ungewollt um einen Tag. Wir dachten, wir hätten in Dawson bereits Dauerregen kennengelernt, aber das hier war noch einmal eine Nummer härter. Der 36 stündige Dauerregen brachte auch unser Hilleberg Zelt an seine Grenzen. Es wurde ein feuchtes Erwachen .. Immerhin kam die Erkenntnis, dass wir unsere Reise nach Skagway sowieso nicht hätten fortsetzen können – der intensive Regen hatte auf der einzigen Strasse nach Skagway – unserem Fährhafen – für Erdrutsche gesorgt, die die Strasse für unbestimmte Zeit blockierten.

kleiner Schreck - ein Erdrutsch versperrt die Strasse nach Skagway

kleiner Schreck – ein Erdrutsch versperrt die Strasse nach Skagway

Wir hatten zwar keine Fähre fest gebucht, aber die Aussicht darauf, in Whitehorse festzusitzen, war nicht gerade verlockend. Den Tag des Wartens verkürzten wir uns mit dem einen oder anderen Produkt aus der Region.

Ein Yukon Bier - auch gut für den Regen. In Whitehorse wird Bier gebraut.

Ein Yukon Bier – auch gut für den Regen. In Whitehorse wird Bier gebraut.

Wir pokerten etwas und machten uns dennoch auf den Weg. Das hat sich gelohnt, wr konnten die Strasse im Pilot Car passieren, wurden also auf einen pickup verladen und konnten dabei die Aufräumarbeiten bewundern.

Aufräumen nach den Erdrutsch entlang der Strasse nach Skagway

Aufräumen nach den Erdrutsch entlang der Strasse nach Skagway

Der Weg nach Skagway führte uns über Carcross , ein Ort, der im Wesentlichen von Kreuzfahrttouristen lebt, die aus Skagway per Bus hierhin transportiert werden und ein wenig über die Geschichte der First Nation informiert werden …. Und natürlich die gift shops und das Cafe besichtigen sollen.

Carcross

Carcross

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Carcross

Carcross

Ein Wort zu den Kreuzfahrten: Ohne den Tourismus, den Carnival und Holland und wie die Veranstalter alle heissen, in Städte wie Skagway oder Ketchikan bringen, würden die Orte quasi nicht existieren. Nichts gegen Kreuzfahrten, aber die Art und Weise, wie diesen Touristen das Geld aus der Tasche gezogen wird, treibt schon seltsame Blüten. Kurz vor der Abfahrt nach Skagway, die uns von ca. 1000 m Höhe auf Meereshöhe bringen sollte – eine 20 km lange Abfahrt – trafen wir Erin auf dem Fahrrad. Erin ist ein bike guide. Ihr Job ist es, Touristen samt Rädern auf einem Anhänger auf diese Höhe zu verfrachten und dann die Abfahrt in Angriff zu nehmen. Sie rollt also mit ihren zahlenden Kreuzfahrttouristen 20 km lang zu Tal. Die „Glücklichen“ sind mit 100$ pro Nase dabei .. Jede Gruppe hat etwa 20 Teilnehmer und die Tour findet vier Mal pro Tag statt. Wenn das kein Geschäft ist .. Wir „durften“ umsonst herunter rollen. Wer schon einmal eine lange Abfahrt auf dem Rad gefahren ist, weiß auch, daß das Rollen auf einer Abfahrt bei 50 km/h nicht unbedingt nur Spaß ist. Kalte Finger und Hände, tränende Augen und dabei ständige Aufmerksamkeit. Der Weg nach Skagway zählte zu den schönsten Abschnitten unserer bisherigen Tour – eine traumhafte, durch Gletscher gestaltete Landschaft. Seen und Wasserfälle, Hochebenen, weisse Gipfel. Die Strecke ist wirklich traumhaft schön. Mehrfach haben wir einfach angehalten und mit offenem Mund einfach die Landschaft bestaunt.

Yukon - 06/07 2014

Yukon – 06/07 2014

Traumhafte Aussicht auf einen Wasserfall oberhalb von Skagway

Traumhafte Aussicht auf einen Wasserfall oberhalb von Skagway

Blauer Himmel - weisse Berge. Die Strasse nach Skagway

Blauer Himmel – weisse Berge. Die Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway

entlang der Strasse nach Skagway - am Windy Arm

entlang der Strasse nach Skagway – am Windy Arm

Skagway ist ein freundlicher, hübscher Ort, der von Februar bis Oktober im Rhythmus der anlegenden Kreuzfahrtschiffe lebt. Kaum legt eines der Riesenschiffe an, schwärmen Busse und LKWs aus, um die Touristen irgendwo hin zu bringen oder das Schiff zu versorgen. Die Schiffe bleiben nicht über Nacht und so ist Skagway ab 19:00 quasi tot. Unser Weg führt uns weiter über den so genannten Alaska Marine Highway – sprich die Fähre – nach Bellingham. Damit verlassen wir also Alaska und den  Yukon und beenden die erste Etappe unserer Reise. Über 2000 km – also etwa 1/8 unserer geplanten Strecke – stehen mittlerweile schon auf dem Tacho. Trotz des nicht immer tollen Wetters haben wir etwa eine Woche Vorsprung vor unserem Zeitplan. Die weitaus meisten Nächte haben wir im Zelt verbracht und wir lieben es  Auch auf der Fähre gibt es zwei Zeltplätze im Heck auf den oberen Ebenen.

Unser Zeltlager auf der Fähre

Unser Zeltlager auf der Fähre

Unser erster Versuch das Zelt ganz oben aufzustellen hat sich leider durch Regen und Wind erledigt. Ein Deck tiefer gab es einen schönen kleinen überdachten Platz für Zelte den wir als zweites entdeckten (bester Platz) und wohin uns viele gefolgt sind. Die Zelte stehen dicht an dicht mit Klebeband am Fußboden befestigt und wir verstehen uns alle gut dabei. Am letzten Reisetag kam auch die Sonne und hat einige Wale in der Inside Passage sichtbar gemacht!

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage - unsere kleine Kreuzfahrt

Impressionen von der Inside Passage – unsere kleine Kreuzfahrt

Wir haben zahllose Leute getroffen, von denen wir einige hier vorgestellt haben. Wir haben einen Haufen von Erlebnissen und Eindrücken gesammelt, die uns das Gefühl verschaffen, schon Monate unterwegs zu sein. Sind das wirklich erst 5 Wochen? Ab jetzt wird einiges anders werden – mehr Menschen, mehr Infrastruktur, wärmere (?) Regionen. Wir freuen uns auf Washington State, auf Seattle, die Redwoods und auf Oregon mit dem Highway 101. Wir sind gespannt auf das, was uns erwartet.  

Begegnungen

Karl, Marie und Kayla

Die kleine Familie aus Quebec, die auf der Reise nach Feuerland ist. Es ist bewundernswert und sehr schön mit anzusehen, wie diese Drei gemeinsam so intensiv miteinander leben.

Karl, Marie & Kayla - eine kleine Familie aus Quebec. S.a. www.enfant-a-board.com

Karl, Marie & Kayla – eine kleine Familie aus Quebec. S.a. http://www.enfant-a-board.com

Norbert (Ex-) Informatiker aus Heidelberg, der vor Jahren schon eine Weile in Zentralamerika lebte und jetzt diese Erinnerungen und Erfahrungen  noch einmal mit seiner Reise, die ihn bis Feuerland führen soll, aufleben lassen will.

Norbert aus Heidelberg

Norbert aus Heidelberg

Samuel Samuel ist Liegeradfahrer und konnte uns an einem Tag mit Gegenwind schnell von den Vorteilen seines Liegerades überzeugen. Er ist an der Ostküste in Winnipeg (!) gestartet und will dort auch wieder hin zurück. Im September will er nach Neuseeland zum Rad fahren. Er ist vom Reisevirus voll befallen.

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Tim T

im aus Brighton/UK trafen wir in Skagway beim Frühstück. Er ist bereits 14 Monate unterwegs, startete seine Reise entlang der Donau und war schon in der Türkei, Georgien, Aserbeidschan, halb Asien und an der Ostküste von Australien. Viele Stunden haben wir auf der Fähre zusammen gesessen und erzählt. Tim war eine sehr, sehr nette Begleitung bis Ketchikan. Sein Leben bestand aus einer ganzen Aneinanderreihung von Abenteuern und Herausforderungen. Insbesondere unser etwa gleiches Alter (Tim ist 4 Jahre älter als wir) liess uns die eine oder andere Erfahrung und Ansicht teilen.  Wer die Bilder gesehen hat, die Tim insbesondere in Birma und Thailand geschossen hat, der kommt wie wir zu dem Schluss, dass Tim einfach ein Buch daraus machen MUSS. Ganz zu schweigen von den Erlebnissen, die er dort hatte. Tim, if you read this: You just HAVE to make a book out of your pictures and all the stories. Hope to see you in California in August or September. Tims Route verläuft entlang der Continental Divide im Landesinneren. Wir hoffen, ihn vielleicht im August oder September wieder zu sehen.

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Ach und da war noch etwas … Fussball … ! Ja, wir sind auch im Finalfieber. Ein bisschen .. Das 2:1 gegen Algerien haben wir uns live angesehen. Vom Ergebnis gegen Brasilien erfuhren wir auf der Fähre und konnten es (natürlich .. ) kaum glauben. Das langweilige Halbfinale HOL-ARG haben wir in Ketchikan live gesehen. Der ganz große Funke sprang bei diesen Spielen natürlich nicht über .. Das Finale werden wir aber selbstverständlich schauen. Wir sind dann in Seattle und suchen uns eine schöne deutsche Kneipe .. :-)

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3 Gedanken zu “Goldrausch im Yukon .. und auf Regen folgt Sonne

  1. Wow!

    Mehr faellt mir nicht ein!

    Weltmeisterliche Gruesse aus der Heimat

    Christoph
    P.S.: Wenn Ihr zurueckkommt muesst Ihr jeden Tag eine neue Scheibe am Nachbarhaus bewundern!

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