.. die „Lower 48“ – zurück in der Zivilisation

Gut 10 Tage ist es jetzt her, dass wir die aus Skagway in Alaska kommend nach einer wundervollen kleinen Kreuzfahrt durch die Inside Passage die Fähre in Bellingham im Bundesstaat Washington verlassen haben und uns nun in den „Lower 48“ bewegen. So werden die „übrigen“ Bundesstaaten der USA etwas despektierlich in Alaska genannt, da Alaska der 49. Staat der USA geworden ist.Während der Überfahrt hat auch der zweite der Badges des Theaterkreises seinen Platz gefunden. Hier erfahrt ihr, wo ..

Wir sind damit nach unserer Zählung auf der zweiten Etappe unserer Reise, die die Überschrift „Washington, Oregon Coast & die Nationalparks“ trägt. Zu unserer Planung mehr hier. Wir haben gut 6 Wochen hinter uns, die uns vorkommen, wie 6 Monate und etwa 2800 km auf dem Tacho. Wir haben in diesen letzten 10 Tagen in den „Lower 48“ bei überwiegend strahlendem Wetter den einnehmenden Charme von Seattle kennengelernt, uns an Beeren und der wunderschönen Landschaft im ländlich geprägten Bundesstaat Washington satt gegessen und gesehen, das erste Stück der schroffen, aufregenden Küste Oregons entlang des Highway 101 kennengelernt, und wieder viele neue Menschen getroffen, große Gastfreundschaft genossen und Überraschungen erlebt. Einen Auszug unserer Bilder findet ihr hier in der Galerie.

  • . .. oder was man dafür hält

Der erste Eindruck nach Verlassen der Fähre in Bellingham war für uns im wahrsten Sinne des Wortes „atemberaubend“. Überall Geschäfte! Straßen mit Kreuzungen und haufenweise Ampeln! Menschen über Menschen! Die Einsamkeit in Alaska und Yukon hatte ihre Spuren bei uns hinterlassen. Mussten wir dort in der Regel einfach der einzigen Straße den ganzen Tag lang folgen, heißt es nun navigieren und Routen ausarbeiten. Mussten wir in Alaska Verpflegung und Wasser sorgfältig planen, können wir nun an jeder Ecke zwischen 67 Sorten Softdrinks und 8 Burger-Anbietern auswählen. Außerdem wird es schon um 21:30 dunkel und nicht erst gegen Mitternacht! Der hohe Norden hatte schon seine Reize und die dort gewonnene Erkenntnis, dass man durchaus mit weniger als 67 Softdrinks auskommt, lässt uns hier einen Bogen um Walmart und all die anderen Superstores machen.

  • Die Technik ..

Noch auf der Fähre hat mein Samsung Handy – genauer gesagt das Display –seinen Geist aufgegeben. Besonders ärgerlich, angesichts der Tatsache, dass das gute Stück erst knapp 4 Monate alte war und zudem für uns natürlich bis hierhin eine Menge wichtige Funktionen übernommen hat. Kommunikation, Navigation, Photos, Kontaktdatenbank, schneller Internetzugang, usw. . Für Ersatz ist mittlerweile gesorgt, ein kleines Tablet übernimmt jetzt die meisten der genannten Funktionen. Die Einrichtung hat erst einmal ein bisschen Zeit und Nerven gekostet. Der Zugang zum Telefonnetz und damit auch der ständig verfügbare Internetzugang ist damit aber erst einmal dahin. Wir sind zu WLAN Jägern geworden – auch wenn man sagen muss, dass wir uns mittlerweile auch ganz wohl fühlen, wenn mal kein Netz verfügbar ist. Leider musste auch das im letzten Bericht angekündigte Tracking – also das Verfolgen unserer Position – ausfallen. Ich hoffe, das klappt mit dem Tablet jetzt wieder.

Unser Weg führte uns nach dem Verlassen der Fähre von Bellingham in Richtung Seattle. Es ging entlang der Pazifikküste über den wunderschönen Chuckunut Drive von Bellingham in Richtung Süden. Darauf folgte eine insbesondere von Landwirtschaft geprägte, weit gestreckte Ebene. Auch das war für uns ein echtes Erlebnis, weil wir es in Alaska und im Yukon so gut wie gar nicht gesehen hatten. Eine Plantage Beeren –Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren – folgte auf die andere und die Beeren wurden zuhauf an der Straße angeboten. Wir haben uns nicht lange bitten lassen.

Chuckunut Drive bei Bellingham

Chuckunut Drive bei Bellingham

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Der Abend auf dem ersten Campingplatz nach der Fähre war dann die nächste Überraschung. Kaum dort  angekommen, waren wir auch bereits, bei unseren Nachbarn auf dem Platz zum Essen eingeladen. Angelika und Harald sind 1998 aus Deutschland nach Kanada ausgewandert und leben in Vancouver. Der Abend bei einem tollen Vollmond verging mit interessanten Gesprächen und vielen gemeinsamen Eindrücken. Harald hat in Deutschland als Berater für viele Unternehmen gearbeitet, die mir auch nicht ganz unbekannt sind und Angelika ist jetzt in Kanada für die steuerlichen Geschicke einer Kette von Seniorenheime zuständig. Nina – ihre Tochter ist vor einigen Jahren endgültig ebenfalls in den USA geblieben. Wir wurden nach einem langen Radlertag mit Gegrilltem, kühlen Bier und 1-2 Wein :-) verwöhnt.

Familie Schmidt - tolle Gastfreundschaft in Washington

Familie Schmidt – tolle Gastfreundschaft in Washington

Ein Traum - radeln am Strand der Oregon Coast

Ein Traum – radeln am Strand der Oregon Coast

In Snohomish, einem kleinen, lebhaften Ort angekommen waren wir am nächsten Tag wieder auf Hilfe angewiesen, um den Weg weiter zu finden. Die erste Frage führte uns zu Wes, uns ohne viel Federlesen und spontan einlud, auf seinem Grundstück in ca. 1 km Entfernung zu campen, was wir angesichts unserer Form gern und schnell annahmen. So landeten wir also in dem sehr schönen Garten von Wes und Pam. Es wurde ein unglaublich interessanter und warmherziger Abend. Wes und seine Frau Pam haben 11 Kinder, von denen vier noch zuhause leben. Alle Kinder wurden zuhause unterrichtet und die Familie lebt ein sehr enges Miteinander und von christlichen Werten geprägtes Leben. Für uns war das wieder ein unglaublich naher und eindrucksvoller Eindruck über das Leben der Menschen hier – aus allererster Hand.

Herzliche Gastgeber: Wes & Pam

Herzliche Gastgeber: Wes & Pam

Unser Platz bei Wes und Pam in Snohomish

Unser Platz bei Wes und Pam in Snohomish

  • Finale

Auch der dritte in Tag in Washington verlief durch wunderhübsche kleine Orte entlang der Küste, wobei wir zunehmend die dichter werdende Besiedlung in Ankündigung der Großstadt Seattle spürten. Das A&O des Radfahrens in diesem Bereich besteht darin, die richtigen „trails“ zu finden – z.B. der Burke Gilman Trail um Seattle, der Centennnial Trail oder der Interurban Trail.. Diese wurden häufig auf ehemaligen Bahnlinien eingerichtet. Einmal gefunden bieten sie einen guten Belag, Schatten, Infrastruktur und alles was der Radler so braucht. Insbesondere keinen Autoverkehr. Es sind in der Regel so etwas wie sehr luxuriöse Radwege. Wir hatten das Glück, immer wieder andere Radler zu treffen, die uns im Finden dieser Verbindungen weiter helfen konnten, denn die Beschilderung ist gelinde gesagt verbesserungsfähig. Böse getroffen hat uns dieser Umstand ausgerechnet an DEM Tag .. dem Tag des Finales. Da das Spiel hier gegen Mittag Ortszeit startete, wollten wir vorher einige Kilometer machen, dann das Spiel ansehen, um dann abends in Seattle bei unserem warmshowers Gastgeber Scott einzutreffen. To make a longer story short – wir haben uns verfranst, hatten keine Navigationshilfe und trudelten ziemlich entnervt in der 104. Spielminute in einem Pub am Lake Washington vor den Toren Seattles ein. Wie allseits bekannt, haben wir die highlights so dennoch mitbekommen.  Nur feiern wollte keiner so richtig mit uns – die diversen argentinischen Trikots der Besucher waren uns schon beim Betreten des Pubs aufgefallen… Unser Bier hatten wir dann später in Seattle ..

Im Weltmeister - Pub. Keiner will feiern ..

Im Weltmeister – Pub. Keiner will feiern ..

Unser Weltmeister-Bier

Unser Weltmeister-Bier

  • Seattle

Der Weg als Weltmeister führte uns dann (.. auf dem richtigen trail ..) entlang des Lake Washington durch sehr schöne elegante Vororte nach Seattle. In Seattle hatten wir uns bei einem warmshowers host angekündigt. Scott und Stephanie haben Anfang des Jahres in Fremont, einem „In-Stadtteil“ Seattles, ein sehr schönes, altes Haus gekauft und renovieren es gerade. Wir genossen richtigen Luxus, hatten ein sehr schönes Zimmer mit Bad im Haus und tolle Gastgeber. Am ersten Abend kochte Scott für uns, am zweiten dann Stephanie mexikanisch. Scott und Stephanie waren gerade erst einige Monate in Europa, waren auf dem Jakobsweg, in Frankreich und in den Alpen. Reichlich Gesprächsstoff also.

Unser Warmshowers Host: Scott & Stephanie

Unser Warmshowers Host: Scott & Stephanie

Seattle hat einen ganz eigenen Charme und fühlt sich wie eine gelungene Mischung aus amerikanischer und europäischer Großstadt an. Die Lebensqualität ist hoch, die Stadt bietet reizvolle Ecken und eine ganz eigene alternative Subkultur. Unseren Tag füllten wir mit den „üblichen“ Touristenzielen aus – die Space Needle samt angeschlossenen Museen, der Pine Place Market und andere interessante Plätze.

 

Seattle - Pine Place Market

Seattle – Pine Place Market

Seattle - Space Needle - in der Mite

Seattle – Space Needle – in der Mite

Seattle - der erste Starbucks - ein historischer Platz ??

Seattle – der erste Starbucks – ein historischer Platz ??

Seattle - Pine Place Market

Seattle – Pine Place Market

Seattle - Kunstmuseum

Seattle – Kunstmuseum

Die Erwartung an die kommenden Tage war eigentlich nicht so groß, sie waren eigentlich als Überführungstage in Richtung der Küste Oregons und der Oregon Coast Bike Route gedacht. Auf einen Tipp von Scott hin folgten wir dann der Beschilderung einer BikeTour names Seattle-Portland , das kurz zuvor stattgefunden hatte. Ähnlich der Radtourenfahrten bei uns (RTF) werden die Radler durch fahrradfreundliche schöne Ecken geführt. Auch um die Navigation mussten wir uns nicht kümmern. So war zumeist sehr entspanntes Rollen bei bestem Wetter durch die Landschaft Washingtons angesagt. Nicht zu übersehen, dass wir ab jetzt wieder und wieder Vulkane sehen werden. Der Mt. Rainier war majestätisch fast ständig zu sehen und der in der Nähe des Mt. Saint Helens, der 1980 quasi explodierte, haben wir übernachtet und das Info-Center besucht. Überall präsent sind auch die Tsunami Warnzeichen und Wegweiser für Evakuierungsrouten. Erdbeben und Vulkane gehören hier quasi zum Alltag.

Die Wegweiser des Radrennens Seattle - To - Portland (STP) ..unsere Wegweiser für zwei Tage

Die Wegweiser des Radrennens Seattle – To – Portland (STP) ..unsere Wegweiser für zwei Tage

Mount Ranier (im Hintergrund). Majestätischer Vulkan in Washington State

Mount Ranier (im Hintergrund). Majestätischer Vulkan in Washington State

Mount Ranier (im Hintergrund). Majestätischer Vulkan in Washington State

Mount Ranier (im Hintergrund). Majestätischer Vulkan in Washington State

Mount St. Helens .. oder das was davon geblieben ist

Mount St. Helens .. oder das was davon geblieben ist

Nach Seattle sind wir wieder auf das Zelt umgestiegen und campen in der Regel in State Parks. Diese staatlich betriebenen Plätze sind manchmal nicht gerade auf Luxusniveau, liegen aber an den schönsten Stellen (.. siehe unten) und bieten Radlern (Hiker – Biker) eine Aufnahmegarantie und sehr schöne Plätze. Zudem sind sie sehr günstig und Treffpunkt der Radler, von denen hier viele unterwegs sind. Das Zelten stört uns überhaupt nicht – im Gegenteil. Nach wie vor genießen wir das Leben „an der Luft“.

  • Oregon

Die letzte Etappe in Washington über 120 km an die Küste Oregons nach Astoria haben wir pragmatisch faul mit dem Bus erledigt. Busse haben hier sowohl im Nahverkehr als auch im Fernverkehr meist einen Träger für zwei Fahrräder dabei, der vorn am Bus angebracht ist. Mit zwei Handgriffen ist das Rad verladen und gesichert. Als wir den Preis für die etwa zweistündige Busfahrt erfahren haben, konnten wir es kaum glauben. Der zweistündige Trip mit dem CCR (Columbia County Rider)  kostet pro Person inklusive Rad 6 $ (sechs Dollar). Der öffentliche Nah/Fernverkehr muss hier schwer bezuschusst werden, sonst ist das nicht machbar.  Kann sein, dass wir öfter mal Bus fahren.

Fahrradtransport von Kelso nach Astoria .. vor dem Fahrer

Fahrradtransport von Kelso nach Astoria .. vor dem Fahrer

In Oregon angekommen warten die Strände und die traumhafte Küste auf uns. Zwar bewegen wir uns in der Regel auf dem befahrenen Highway 101, doch gibt es immer wieder Abstecher an wundervolle Strände, Orte und Buchten. Gleich unser erster Abstecher brachte uns an einen Strand, der über einige Meilen selbst mit Rädern befahrbar war. Nebelschwaden ziehen vom Pazifik her an den Strand und tauchen alles in eine seltsam unwirkliche Stimmung. Dort zu fahren haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Der Zufall ließ uns mit Maren und ihrem Mann zusammen treffen, die am Strand eine ziemlich atemberaubende Attraktion bieten. Sie ziehen Gleitschirmflieger hinter dem Auto in die Höhe. Im Auto ist eine Winde mit 2000 m Seil verstaut, die die Flieger bei fahrendem Auto bis auf 800 m Höhe zieht, wo sie dann ausklinken können. Maren stammt aus Kiel – und so hatten wir schnell Schleswig-Holsteiner Gesprächsthemen. Eine Weile verfolgten wir das Treiben im Liegestuhl in der ersten Reihe und staunten nicht schlecht.

Maren aus Kiel - jetzt http://www.discoverparagliding.com/ Gleitschirmlehrerin in Oregon

Maren aus Kiel – jetzt http://www.discoverparagliding.com/ Gleitschirmlehrerin in Oregon

Ein Traum - radeln am Strand der Oregon Coast

Ein Traum – radeln am Strand der Oregon Coast

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Unseren Ruhetag verbringen wir am Cape Lookout – einem fast schon kitschig wunderschönen Strand. Unser Zelt steht 20 m vom Strand entfernt – man könnte sagen, dass es uns gut geht :-)

Cape Lookout an der Oregon Coast - ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast – ein traumhafter Platz

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Unser Campingplatz am Cape Lookout

Unser Campingplatz am Cape Lookout

Cape Lookout an der Oregon Coast - ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast – ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast - ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast – ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast - ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast – ein traumhafter Platz

 

Cape Lookout an der Oregon Coast - ein traumhafter Platz

Cape Lookout an der Oregon Coast – ein traumhafter Platz

Mittlerweile haben wir etwa 2.800 km auf dem Tacho stehen, wir sind zeitlich ungefähr im Plan, den wir uns überlegt haben. Die nächsten Tage gehören weiter der Küste in Oregon, bevor wir dann zum nächsten Vulkan – dem Crater Lake Nationalpark abbiegen. Wir haben gehört, dass die Umpqua Hotsprings und der Diamond Lake ein Erlebnis sein sollen. Bis dahin .. !

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3 Gedanken zu “.. die „Lower 48“ – zurück in der Zivilisation

  1. Samsung halt … Mit einem iPhone wär das nicht passiert … ;-)

    Eure Reise hört sich wirklich toll an und ich wünsche euch, dass auch die nächsten Etappen so schön werden. Genießt den Sommer!

  2. Hallo Ihr beiden,
    danke mal wieder für Euren tollen Bericht und die super Bilder dazu, es scheint es geht Euch richtig gut.
    Ich hoffe das wir genau so viel Glück mit unserer Reise haben, starten am Samstag um 6:15 Uhr in Richtung L.A.

    Grüße aus Bortfeld
    Bernd O.

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