Jesus loves Firefighters

.. Jesus loves Firefighters  and so do we – das war wohl mit die eindringlichste Äußerung des Respektes und der Dankbarkeit der Bevölkerung. Gesehen an der Baptisten Kirche in McArthur.

.. Jesus loves Firefighters - and so do we. Würdigung der Baptisten

.. Jesus loves Firefighters – and so do we. Würdigung der Baptisten

Die Waldbrände von denen wir am Crater Lake noch mehr oder weniger zufällig erfahren hatten, wurden für eine Weile zum alles bestimmenden Thema der Gegend, in der wir uns bewegten. Ein wesentlicher Teil unserer geplanten Route entlang des Highway 89 war aufgrund großer Waldbrände gesperrt und wir machten uns Gedanken, wie wir darauf reagieren können. Letztlich machten wir unsere weitere Route davon abhängig, ob das zentrale Stück entlang des Highway 89 offen sein würde oder nicht. Unsere wichtigsten Informationsquellen für die jeweilige (sichere) Tagesplanung waren Rangerstationen und andere lokale Quellen. Die Anspannung, unter der die gesamte Region stand, wurde in jedem Gespräch und in den zahllosen Bekundungen an der Straße und den vielen Medienberichten spürbar. Die Straßen (.. und die Luft ..) wimmelte von Feuerwehrfahrzeugen. Nachdem für den Teil des Highway 89 Entwarnung kam, entschlossen wir uns dazu, unserem ursprünglichen Plan zu folgen und zum Lassen Volcanic National Park und weiter in Richtung Reno bzw. Lake Tahoe zu fahren. Einen der angepeilten Campingplätze konnten wir nicht nutzen – er war Opfer der Flammen geworden. So übernachteten wir stattdessen in McArthur, eine Art Hauptquartier der Einsatzkräfte.  Der Zufall führte uns in die Lodge, die von Henriette, einer Deutschen aus Lörrach, geführt wurde.

Henriette

Henriette

Unsere Gespräche drehten sich u.a. um die Stabilität der USA. Henriette macht sich angesichts eines aussterbenden Mittelstandes Sorgen um die Zukunft des Landes – und ich muss sagen, ich kann ihr folgen. Erschreckend ist es zu sehen, wie viele der Orte in der Gegend verfallen und wie viele Häuser und Farmen „For Sale“ sind .. und wohl lange keinen Käufer finden.

Neben den großen Feuern, die jeweils über 30.000 acres (12.000 Hektar, 120 km**2) umfassten, gab es täglich neue zahllose kleine Feuer, die ebenfalls entlang unserer Route lagen. Alle seien natürlichen Ursprungs wurde immer wieder versichert. Es gibt Gegenden, in denen es seit Jahren (!) nicht geregnet hat und die Gewitter der Tage zuvor sorgten nun für die Zündfunken. Der Klimawandel ist auch in den USA angekommen – was man übrigens auch in der Darstellung und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit merkt. Die Fahrt durch die verkohlten Reste des Feuers war interessant und erschreckend zugleich. Angesichts des fast apokalyptischen Ausmasses fingen auch wir an, den firefighters, die noch immer in Scharen entlang der Strecke zu sehen waren, den erhobenen Daumen zu zeigen. Trotz der Verwüstungen war erstaunlich, dass kaum Häuser zu Schaden gekommen waren, auch wenn die Flammen sehr dicht dran gewesen sein müssen.

Löschhubschrauber

Löschhubschrauber

Firefighter im Einsatz

Firefighter im Einsatz

verbrannter Wald

verbrannter Wald

Feuer und Wasser

Feuer und Wasser

Dank an die Firefighter - an jeder Ecke

Dank an die Firefighter – an jeder Ecke

 

Lava Beds

Die Lava Beds sind ein „National Monument“ – sozusagen ein kleiner Nationalpark. Sie gehören zu einem der zahllosen Vulkane in der Gegend und bezeichnen Höhlen, in den vor Tausenden Jahren flüssige Lava wie in unterirdischen Flüssen strömte. Die Lava erkaltete von außen nach innen, so dass die abfließende Lava riesige Höhlensysteme hinterließ, die zu einem Teil begehbar gemacht worden sind. Dutzende Höhlen sind kartiert und mit relativ einfachen Mitteln begehbar. Ambitionierte Höhlenforscher können weit in das verzweigte System vordringen. Die Lava hat faszinierende Strukturen geschaffen und immer wieder folgen auf Dom-artige Höhlen enge Schläuche, die man nur auf allen Vieren passieren kann. An den Wänden sieht man noch heute die Struktur der einst fließenden Lava. Wir haben uns „nur“ in zwei Höhlen begeben – für das ganze System braucht man sicher mehrere Tage.

Höhle in den Lava Beds

Höhle in den Lava Beds

Höhle in den Lava Beds

Höhle in den Lava Beds

Höhle in den Lava Beds

Höhle in den Lava Beds

Auch die Gegend rund um die Lava Beds ist bereits faszinierend. Noch kurz vor den Lava Beds passiert man das Klamath Wildlife Refuge eines der größten Vogelrastgebiete Nordamerikas. Auch wenn jetzt nicht gerade die Hochzeit des Vogelzuges war – in dem Bereich sind uns zahllose Vögel und auch anderes „wildlife“ begegnet. Fast ohne Vorwarnung steht man dann auf einmal in Lavafeldern – den Zeugen der früheren vulkanischen Aktivität.

Lavafeld

Lavafeld

 

Die Landschaft verändert sich schnell – eben noch fast sumpfige Ebene, dann auf einmal karge Wüste mit flacher Vegetation. Die sonst klare Luft ist jetzt durch die Brände eingetrübt, was der Landschaft etwas mysterisches verleiht.. und schöne Bilder zulässt..

Landschaft rund um die Lava Beds

Landschaft rund um die Lava Beds

Morgenstimmung in den Lava Beds

Moregnstimmung in den Lava Beds

 

Unseren Platz und die Gespräche des Abends haben wir auf dem sehr schönen Campsite an den Lava Beds mit Alicia aus Schottland geteilt. Sie ist auf dem Rennrad von Vancouver nach San Diego unterwegs und hat einen Abstecher in das Landesinnere gemacht, weil sie sonst zu schnell ist .. (80 Meilen pro Tag .. !) . Alicia ist in Schottland Lehrerin und plant in einigen Jahre eine Weltreise per Rad. Die jetzige Tour ist für sie sozusagen eine Trainingseinheit. Ihr Blog findet sich unter hier in ihrem Blog. Während wir uns in den Höhlen herumgetrieben haben, rettete Alicia unser Zelt vor einem plötzlich aufgezogenen Gewitter mit heftigen Windböen.

Alicia

Alicia

Das kalifornische Hinterland, in dem wir uns jetzt bewegen, kam uns bisweilen wie Alaska (..  nur sehr viel wärmer ..) vor. Überraschend dünn besiedelt gestaltet sich die Suche nach Campingplätzen fast wie vor einigen Monaten. Wir haben sogar die Wassersäcke wieder in Gebrauch gehabt, weil es lange Passagen ohne Infrastruktur gab. Wir mussten bis Reno warten, bis wir auch mal wieder eine Burgerbude oder einen Starbucks zu Gesicht bekamen. Dafür gab es andere „interessante Objekte entlang des Weges zu bestaunen.

interessante Skulpturen in der Nähe von Canby

interessante Skulpturen in der Nähe von Canby

.. uriger grocery store in Adin

.. uriger grocery store in Adin

interessante Skulpturen in der Nähe von Canby

interessante Skulpturen in der Nähe von Canby

 

Lassen

Der Lassen Volcanic National Park war ein echtes Highlight an der Strecke und das Warten auf die Freigabe der Strecke hat sich gelohnt. Der Gipfel des Mt. Lassen ist über 3000 m hoch, der Vulkan brach zuletzt 1915 aus. Er gilt auch heute als aktiver Vulkan ( .. übrigens entlang des so genannten „ring of fire“, der sich über den gesamten pazifischen Raum erstreckt ) . Dennoch ist der Mount Lassen nur ein mehr oder weniger unbedeutender Nebenkrater eines Supervulkans, der sich vor langer Zeit hier bis über 5000 m hoch erhob und dessen Reste sich eindrucksvoll in der Landschaft zeigen. Uns lag der Mt. Lassen ein bisschen im Magen, weil er auf der Strasse einen Anstieg auf knapp 2.600 m bedeutete. Die Anfahrt war jedoch wunderschön und immer wieder zeigten sich neue tolle Bilder.

die letzten Meter vor dem Summit

die letzten Meter vor dem Summit – der kleine rote Punkt ist Silke

Mount Lassen

Mount Lassen

 

Fast wie bestellt trafen wir genau auf dem höchsten Punkt dann andere Radler aus Sacramento, die den Berg von der Südseite her befahren hatten. Nach gegenseitigem Bewundern der Räder (.. bei Interesse bitte mal das Bild unten vergrößern und die Reifen des roten Rades des bärtigen Fahrers in der Mitte bewundern .. ballonartige Snow Tires) setzten wir unsere Fahrt fort.

Gipfel erreicht - 2.600 m

Gipfel erreicht – 2.600 m

Treffen mit anderen Radfahrern auf 2.600 m

Treffen mit anderen Radfahrern auf 2.600 m

 

Auf der Südseite zeigt der Lassen dann, dass er ein Vulkan ist. Folgt man dem Bumpass Trail, hört man zunächst zischende und stampfende Geräusche wie von einem Orchester von Dampflokomotiven, dann riecht man den durchdringenden Schwefelgeruch … und dann sieht man das Ventil zur Magmakammer des Vulkans. Grün, gelb, wie auf einem anderen Stern. Dazu Tümpel von kochendem Matsch und immer wieder Schwaden von Schwefeldampf. Eine surreale und für uns sehr beeindruckende Szenerie.

Crater_Lake_Reno_DSC01033

kochender Schlamm ..

kochender Schlamm ..

Lassen Volcanic Park

Lassen Volcanic Park

Crater_Lake_Reno_DSC01043 Crater_Lake_Reno_DSC01042

Vor unserem Anstieg auf den Lassen wurden wir auf dem Campsite am Lake Manzanita von einer mexikanischen Großfamilie aus Sacramento (.. ursprünglich aus Tjuana und Zacatecas) adoptiert. Rosalinda und ihre Schwester Juanita belegten mit ihrer Großfamilie die drei Plätze neben uns und bewirteten ihre zahllosen Familienanghörigen mittels einer Art Großküche unter Pavillions in der Mitte der Plätze. Da gab es alles, was das Herz begehrte und die beiden Schwestern waren in einer Tour damit beschäftigt, neue Köstlichkeiten vorzubereiten. Als sie hörten, dass unsere Tour uns nach Mexiko führen würde, war das Interesse groß und es hagelte Fragen. Als „Belohnung“ für die Antworten gab es für uns Vollpension aus der Großküche. Nur das sehr aromatisch riechende, warme Frühstück mochten wir dann doch nicht .. und blieben bei Müsli und Brot. Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der uns Rosalinda, ihre Tochter und die ganze Familie begegneten und auch das leckere Essen liessen unsere Vorfreude auf Mexiko weiter steigen. Spricht man übrigens mit Amerikanern, dann kommt Mexiko gleich nach Nordkorea  es ist für viele das Reich des Bösen und der Inbegriff von Gefahr. Sehr wenige waren selbst dort – und wer dort war, vermittelt ein anderes Bild.

Leckeres Abendessen aus der mexikanischen Großküche

Leckeres Abendessen aus der mexikanischen Großküche

Rosalinda - eine herzliche Nachbarin

Rosalinda – eine herzliche Nachbarin

 

Vom Mount Lassen führte unser Weg weiter nach Reno. Als wir in die „Henness Pass Road“ , die uns gut 30 Meilen Weg einsparen sollte, einbogen, ahnten wir noch nicht, dass wir damit 20 Meilen Schotter und quasi unbefahrbare Straße vor uns hatten. Zum ersten Mal war Schieben angesagt und zur Schonung von Material und Mensch sind wir seehr langsam gefahren. Warum die Straße als „Highway“ in Karten und auch bei Google Maps geführt wird, ist uns ein Rätsel. Es muss wohl etwas mit ihrer historischen Bedeutung als Verbindung zwischen Kalifornien und Nevada zu tun haben.

Schotter und mehr als 10% ...

Schotter und mehr als 10% …kleiner Vorgeschmack auf Südamerika ??

Crater_Lake_Reno_DSC01092

Spass auf der Henness Pass Road - sieht anders aus

Spass auf der Henness Pass Road – sieht anders aus

Insgesamt hat sich unsere Tourenplanung etwas verändert. Wir werden hier in Reno einen Leihwagen nehmen und damit samt Zelt und Campingausrüstung in den Yosemite Nationalpark fahren. So ersparen wir uns ca. 500 km Strecke und den Tioga Pass, der bis über 3000 m hoch geht. Zurück in Reno werden wir mit dem Zug – dem California Zephyr – an die Küste nach San Francisco zurückfahren. Von dort geht es an der Küste weiter bis vor LA. Zug fahren ist hier eine exotische Angelegenheit – für die gut 350 km von Reno nach San Francisco braucht der Zephyr 8 Stunden .. und kostet ca. 35 € pro Person. Die Räder müssen in Boxen verpackt werden .. wie im Flugzeug. Dennoch sieht das Ganze interessant aus – es gibt einen Panoramawagen [.. link .. ]. Die nächste Woche gestaltet sich also ohne viel Rad – aber nach gut 10 Wochen auf dem Rad ist das auch mal ganz okay.

Circus Circus in Reno - mit Fahrädern auf dem Zommer

Circus Circus in Reno – mit Fahrädern auf dem Zimmer

Bis bald. Mehr Bilder hier.

Advertisements

3 Gedanken zu “Jesus loves Firefighters

  1. Hallo Euch beiden,
    mal wieder super tolle Berichte und Eindrücke.
    Wir sind leider schon wieder zurück in Good Old Bortyland, haben auch ein paar Meilen mehr gefahren wie geplant gewesen (sind ca. 5200km in 2 Wochen geworden), allerdings bei uns aber mit dem Mietwagen.
    Yosemite Park ist echt toll, aber wenn Ihr es schafft guckt Euch noch die stummen Riesen (Redwoods) in Wawona an, waren echt begeistert. Über 1000 Jahre alte Mammutbäume.

    Gruß Marion und Bernd

  2. Hallo ihr weitgereisten Radler!

    Es war so schön, dass wir uns in San Francisco getroffen haben – ein bisschen Heimatgefuehle in der Ferne!
    Wir sind mittlerweile die Route 1 an der
    Kueste Richtung Sueden weitergefahren und freuen uns nun auf die Nationalparks!
    Wir werden uns immer gerne an unser aussergewöhnliches Treffen mit euch zurueckerinnern, alles Gute fuer die weitere Reise wuenschen

    Tanja & Christian :-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s