Luftveränderung ..

Zwölf Tage, etwa 650 Kilometer und mehr als 7.000 Höhenmeter sind vergangen, seit wir von La Paz auf der Baja California auf das mexikanische Festland nach Mazatlan übergesetzt haben. So sieht das auf der Karte aus:

Mazatlan_Zacatecas

Wir sind in  Zacatecas, einer der schönsten Städte Mexiko und nach eigener Beschreibung Kulturhauptstadt des Landes. Zacatecas liegt in der Sierra Madre Occidental auf 2.500 m Höhe. Unser Kilometerzähler zeigt jetzt beinahe 7.500 Kilometer – wir können kaum glauben, dass wir beinahe die Hälfte unserer geplanten Gesamtstrecke von 16.000 km auf dem Rad schon hinter uns haben sollen. Und die Luft hat sich wirklich verändert – nicht nur, dass wir hier in der Höhe bei Tagestemperaturen um 25° und sehr erträglicher Luftfeuchtigkeit endlich das gemäßigte Klima haben, auf das wir uns nach der Sauna am Pazifik gefreut haben; auch die Landschaft, die viel dichtere Besiedlung mit einer ganzen Perlenschnur von sympathischen Städten  und das ganze Rundherum sind ein großer Unterschied zur Baja California. Die letzten beiden Wochen lassen sich teilen in den Teil, in dem wir über die Anstrengung des harten Aufstiegs von Meereshöhe auf 2.800 Meter geflucht haben – und den, in dem wir uns über die tolle Landschaft, die herrlichen Städte und eben die „Luftveränderung“ gefreut haben. Die Bilder der letzten zwei Wochen findet ihr hier.

Mazatlan – unser Zielort nach der Fährpassage von der Baja – ist eine wundervolle kleine Stadt mit viel maritimem Flair inklusive lebhafter und schön gestalteter Strandpromenade und schönen Badestränden mitten in der Stadt. Wir haben nach der Ankunft von der Fähre und dem ersten Rundgang spontan einen Tag Aufenthalt eingeschoben und die sehr schöne Altstadt und das unglaublich quirlige Centro Commercial an der Kathedrale auf uns wirken lassen.

Mazatlan - herrlich am Meer gelegen

Mazatlan – herrlich am Meer gelegen

Altstadt Mazatlan - ein Farbenmeer

Altstadt Mazatlan – ein Farbenmeer

Der Empfehlung unseres Lateinamerika Bike Guides folgend sind wir im Hotel La Siesta geblieben und der Name war Programm. Sehr schön ! Nach der Magerkost von der Baja lechzten wir geradezu nach Stadtleben und haben es uns gut gehen lassen. Jeder scheint irgendetwas verkaufen zu wollen. Hinter jeder Tür steckt ein kleiner Laden mit mehr oder weniger nützlichen Dingen ( .. wer kauft nur diesen vielen Tand .. ?), davor unzählige fliegende Händler mit mehr oder weniger großen Ständen, die Obst, Gemüse, Papas (Chips) , Schmuck und weiß der Geier was noch alles anbieten. Alles geschieht völlig unaufdringlich – ein „Attackieren“ auch von offensichtlich nicht Einheimischen passiert nicht. In der Altstadt bietet Mazatlan gleich eine ganze Handvoll von schönen schattigen Plätzen und Strassen. Es lässt sich wirklich aushalten.

Mazatlan in mexikanischen Farben

Mazatlan in mexikanischen Farben

Altstadt Mazatlan - ein Farbenmeer

Altstadt Mazatlan 

Nur das Klima war immer noch heftig – eine enorme Luftfeuchtigkeit mit Temperaturen um 35° – also kaum erträglicher Schwüle – ließen uns dann doch an die Weiterfahrt denken ..

Wer wie wir von Mazatlan grob in Richtung Mexiko City weiter möchte, dem bieten sich zwei Möglichkeiten. Die MEX 15 verläuft mit viel Verkehr und weiterhin schwül-heißem Klima parallel zur Küste über Tepic und Guadelajara.  Die zweite führt über die MEX 40 bis weit über 2.000 Meter hinauf in das mexikanische Hochland in die Sierra Madre Occidental zu Mexikos „Silberstädten“ wie Durango, Sombrerete und Zacatecas. Diese Städte sind zwischen dem 17. Und 19. Jahrhundert zu Zeiten der spanischen Koloniaisierung aufgrund ihrer Silbervorkommen zu sagenhaftem Reichtum gelangt. Eine üppige Architektur der Bauten, Straßen und Plätze und ein offensichtlich immer noch überdurchschnittlich hoher Lebensstandard lassen diese Städte auch heute noch strahlen. Die Aussicht auf diese geschichtsbeladenen Städte wie auch auf das gemäßigte Klima haben uns also dieser Route entlang der MEX40 folgen lassen.

Unser Radführer Lateinameika, den wir als eine unserer Quellen zur Tourenplanung verwenden, beschreibt sie denn auch als „..die landschaftlich schönste, wenn auch härteste Variante der Durchquerung von Mexiko“. Es geht von Meereshöhe in Mazatlan bis auf über 2.800 Meter hinauf. Daran, dass wir diese Strecke trotz Kenntnis des unten stehenden Höhenprofils (rot = Mördersteigung ..) gewählt haben, könnt ihr ablesen, dass unser Selbstbewusstsein in Sachen „Bergfestigkeit“ groß ist – und jetzt wirklich auch nur einen kleinen Kratzer bekommen hat ;-).

Hoehenprofil

Die „alte“ MEX 40 verläuft in schier endlosen Windungen und Kurven eng an die schroffen Felsen gebaut in Richtung Durango. Sie wird seit einigen Jahren von der „neuen“ MEX 40D – der „Cuota“ (Bezahlautobahn) begleitet. Diese neue Autobahn, die mit gewagten Brücken und Tunneln die Berge durchschneidet, ist angesichts der spektakulären Bauwerke der ganze Stolz des Landes. Auf der alten MEX 40 scheint es keine einzige Passage geradeaus zu geben und die Steigungen wechseln gefühlt alle 200 Meter von 2% auf 12% und zurück – ein Profil, das keinem Radfahrer wirklich schmeckt. Es zieht einem die Energie sowohl aus den Beinen als auch dem Kopf.

Herrliche Ausblicke entschädigen für die Anstrengung

Herrliche Ausblicke entschädigen für die Anstrengung

Mazatlan_Zacatecas_DSC02270

2.000 Meter Höhe ist immerhin geschafft - Silke ist noch immer vol motiviert .. oder doch nicht ?

2.000 Meter Höhe ist immerhin geschafft – Silke ist noch immer voll motiviert .. oder doch nicht ?

Kurve nach Kurve auf der MEX40

viel Arbeit auf der MEX40

Auch wir hatten wirklich hart zu kämpfen und die spektakulären Ausblicke in die Landschaft mochten Silke zunächst auch nicht wirklich entschädigen. Unsere Tagesleistung schmolz dahin und wurde jetzt nicht mehr in Kilometer Distanz, sondern in Höhenmetern gemessen. Hinzu kam, dass in den Tagen unseres Aufstieges jeden Tag ab ca. 15:00 ein heftiger Regen einsetzte, der gern auch mal bis in die Nacht anhielt. Eigentlich sollte die Regenzeit vorbei sein – aber das war ein Gerücht. Das hat uns schon ganz gut ausgebremst. Zweieinhalb Tage brauchten wir, bis der Anstieg geschafft war. Nicht nur uns machte die Strecke zu schaffen. Auf über 2.000 Meter lag unvermittelt ein großer LKW, dem offensichtlich die Vorderachse gebrochen war. Das Ganze konnte noch nicht lange her sein – Benzin lief aus, denn bei der „Bauchlandung“ wurde der Tank aufgerissen. Vom Fahrer allerdings keine Spur .. Wie das Gerät von seinem Havarieort gebrgen werden soll, ist mir ein Rätsel.

Nicht nur uns schafft die MEX 40. Achsbruch bei diesem LKW

Nicht nur uns schafft die MEX 40. Achsbruch bei diesem LKW

Im Nachhinein stellen wir fest, dass diese Strecke die härteste war, die wir bisher auf dem Rad gemacht haben. Aber wie das so ist – der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt – und so bleiben vor allem die tollen Aussichten und die schöne Landschaft in Erinnerung. Jederzeit wieder .. :-)

Erster Etappenort war nach 75 km und ca. 700 Höhenmetern Copala. Als wir in den Ort einrollten, fühlten wir uns fast ein bisschen wie die Jäger des verlorenen Schatzes – Copala schien ein Geisterort zu sein und nicht die kleine Künstlerkolonie, als die sie unser Radführer noch beschrieben hat. Von Moos überwucherte Kirche samt Dorfplatz, gespenstische Stille, verfallene Häuser und ein steiles Kopfsteinpflaster, das nur noch Schieben zuließ. Passend zur Szenerie ein „Gaucho“, der mit drei Hunden über den Kirchplatz reitet.

Copala - die verfallene Kirche ..

Copala – die verfallene Kirche ..

Copala - Strassenszene

Copala – Strassenszene

Copala - großes Renovieren im Ortskern

Copala – großes Renovieren im Ortskern. Potemkinsche Dörfer ??

Copala ..

Copala ..

Ganz offensichtlich war Copala einer der Orte, die unter der neuen Autobahn, die jetzt fern des Ortes verläuft, litten. Die Aussicht auf eine Unterkunft jedenfalls schwand. Nach und nach zeigten sich dann doch die ersten Bewohner und schnell erlebten wir auch hier wieder die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die Mexiko auszeichnet. Hier begegneten wir Meaghan und Jeu, die uns auf Englisch ansprachen und schnell ins Gespräch kommen liessen. Alle Unterkünfte des Ortes waren früher oder später aufgegeben worden – jetzt schien im Ortskern eine Art Generalrenovierung vonstatten zu gehen, bei der die immer noch hübschen Häuser mit viel Farbe wieder an Ansehen gewinnen sollten. Es stellte sich heraus, dass der halbe Ort von Spekulanten aufgekauft worden war. Jetzt wollen sie ihn wieder herrichten und an Amerikaner verkaufen, die der Schwüle der Küste entgehen wollen und dennoch in Reichweite z.B. nach Mazatlan sein wollen.

Als sich heraustellte, dass unser Wunsch nach einem Dach über dem Kopf in Copala nicht durch ein Hotel erfüllt werden konnte, luden uns Meaghan und Jeu kurzerhand in ihr Haus ein. Die beiden haben sich in den USA kennengelernt und sind nach ihrer Heirat in Jeu’s Heimat nach Copala gekommen. Das Leben unter einfachsten Umständen fiel Meaghan nicht leicht, auch wenn sie immer wieder betonte, wie sehr sie diese „experience“ zu schätzen weiß. Wir waren jedenfalls eine willkommene Abwechslung in ihrem Alltag. Wieder einmal haben wir das mexikanische Leben aus allererster Hand erlebt. Jeu kochte für uns und gemeinsam mit der Patrona des Hauses – Jeus Mutter – wurden die unvermeidlichen Telenovelas geschaut. Als gegen Abend das unvermeidliche Gewitter mit infernalischem Donner und Schlagregen kam und der Strom ausfiel, wurden Taschenlampen herangeholt.

v.l. Jeu, Meaghan, Silke Holger. Danke an unsere tollen Gastgeber!

v.l. Jeu, Meaghan, Silke Holger. Danke an unsere tollen Gastgeber!

Türen gab s im Haus nicht – nur Vorhänge. An den Anblick, dass sowohl im Dorf als auch auf der Strasse alle möglichen Tiere frei herum laufen, haben wir uns mittlerweile gewöhnt.  Eine kleine Auswahl gefällig .. ?

Tiere an der MEX 40 ... Schweine .

Tiere an der MEX 40 … Schweine .

Tiere an der MEX 40 - Kühe waren an der Tagsordnung ..

Tiere an der MEX 40 – Kühe waren an der Tagsordnung ..

Tiere an der MEX 40 .. Maultier mit Kreuz ..

Tiere an der MEX 40 .. Maultier mit Kreuz ..

Von Copala ging es weiter bergauf. Der nächste Tag war bereits um 14:00 in Potrenillos nach 30 km und 1150 Höhenmetern beendet – wieder schlug der Regen zu und wir beschlossen im kleinen Hotel des Ortes zu bleiben. Der nächste Morgen bot strahlenden Sonnenschein und nach einem mexikanischen Frühstück mit Ei und Bohnen (frijoles) ging es weiter.

Nach 51 km und 1.500 Höhenmetern – etwa 10 km vor unserem geplanten Zielort des Tages schlug der Regen wieder unvermittelt zu und wir mussten auf 2.300 Meter Höhe unser Zelt aufschlagen. Innerhalb kürzester Zeit brauen sich Wolken zusammen und die ersten Tropfen fielen. Die Suche nach einer ebenen Fläche war nicht ganz einfach und so standen wir ziemlich abenteuerlich an einem steilen Abhang. Die Gewitter zogen in der Nacht mit Getöse über uns hinweg und der Regen hörte erst am Morgen des kommenden Tages auf. Von oben blieben wir trocken, nur von unten liess die Tatsache, dass unser  Standort eine leichte Kuhle bildete, das Wasser durchdringen und unser equipment war beim Verpacken am Morgen durchweg nass.

Ein feuchter Schlafplatz auf 2.300 Meter

Ein feuchter Schlafplatz auf 2.300 Meter

Die ersten Sonnenstrahlen am kommenden Morgen ließen unsere Lebensgeister wieder aufleben und als sich bei Passieren einer der Militärkontrollen abzeichnete, dass wir endlich „oben“ sind, stieg die Laune wieder. Die Straße wurde flacher, die Vegetation spärlicher und der Höhemesser zeigte die lange erhofften 2.800 Meter Höhe an.

Endlich oben, die Waden, Oberschenkel und der H... brennen. Aber der Schmerz vergeht - der Stolz bleibt :-)

Endlich oben, die Waden, Oberschenkel und der H… brennen. Aber der Schmerz vergeht – der Stolz bleibt :-)

Endlich oben ..

Endlich oben ..

Neben Regen und der Steigung machte uns die Höhe natürlich auch zu schaffen. Auch in Mexiko ist die Luft auf 2.800 m ziemlich „dünn“ und wir waren kurzatmig.

Weiter ging es nach El Ciudad und dort konnten der Verlockung der Buslinie nach Durango nicht widerstehen. Wir checkten kurzerhand ein. Das Bussystem in Mexiko ist übrigens bemerkenswert. Im „Überlandverkehr“ pflegen mehrere Anbieter ein enges Netz von Verbindungen im Stundentakt. Die Busse sind neuester Standard mit sehr bequemen Sitzen und allen möglichen Annehmlichkeiten an Bord. Die Preise sind sehr moderat (z.B. 8€ für 150 km) und auch unsere Fahrräder konnten wir auf unserer Tour problemlos im Gepäckraum verstauen. Alle mittleren und größeren Orte sind an das Netz angeschlossen. In den Städten gibt es eine Vielzahl von Linien. Busse können durch kurzes Handzeichen an beliebigen Punkten gestoppt und bestiegen und verlassen werden. Das macht richtig Spass !

Durango erreichten wir also mit dem Bus und bewegen uns seither im Hochland. Wir können uns bei fast jeder Mittagspause und am Abend auf einen schönen Ort oder eine Stadt freuen. Wir haben uns Durango, Vicenete Guerrero, Sombrete, Fresnillo, Sain Alto und natürlich Zacatecas angeschaut. Jeder Ort hat seinen eigenen Charme, jeder ist unserer Ansicht nach einen Aufenthalt wert. In allen Städten finden sich Hinterlassenschaften der spanischen Kolonialisierung, die sich insbesondere in Kirchen, Plätze und Gebäuden zeigt. Die schöne, klassische Kulisse wird vom quirligen mexikanischen Strassenleben eingerahmt. Unser „Standard – Vorgehen“ besteht beim Erreichen der Städte darin, uns auf dem zentralen Platz niederzulassen und erst einmal die Atmosphäre des Ortes aufzunehmen. Von dort aus ergibt sich dann meist alles andere ..

Sombrerete - wieder tolleGebäude und schöne Stimmung

Sombrerete – wieder tolleGebäude und schöne Stimmung

Durango - herrliches Flair

Durango – herrliches Flair

Kulturfestival "Revueltas" in Durango

Kulturfestival „Revueltas“ in Durango

Durango - herrliches Flair

Durango – herrliches Flair

Zacatecas sticht sicherlich noch einmal besonders heraus. Die Bauten sind hier besonders opulent und dem Anspruch auf die Kulturhauptstadt Mexikos wird man mit unzähligen Veranstaltungen, sehr guten Museen, Theatern und „gelebter“ Kultur gerecht. Das Ganze passiert auf wirklich hohem Niveau und beim Betrachten des Veranstaltungskalenders möchte man am liebsten Wochen in der Stadt verbringen. Wir haben drei Nächte hier verbracht und dabei die Stadt selbst, Museen, die Silbermine El Eden und die obligatorische Fahrt mit der Schweizer Seilbahn auf den Hausberg „La Bufa“ erlebt. Mehr zu Zacatecas in diesem interessanten Bericht aus „Der Welt“ .

Zacatecas - eine Augenweide

Zacatecas – eine Augenweide

Zacatecas - Blick auf den Hausberg, Cerro de Buffa

Zacatecas – Blick auf den Hausberg, Cerro de Buffa

Theater Zacatecas

Theater Zacatecas

Die Kathedrale

Die Kathedrale

Platzkonzert eines Sinfonieorchesters - einfach so ..

Platzkonzert eines Sinfonieorchesters – einfach so ..

Ein besonderes Highlight war der Abend, an dem die Stadt mexikanischen Musikzügen gehörte, die sich zunächst an der Kathedrale trafen, um gleichzeitig (!) .. (Höllenlärm !) Musik zu machen. Dann aber zog jeder der Züge zu seinem Stammplatz, im Schlepptau einen „Fanclub“ und einen Esel mit allen möglichen Getränken, an dem sich der Fanclub bedienen konnte. Wir wurden ruck-zuck eingeladen, einem der Züge zu folgen und so wohnten wir der Krönung von Esmeralda der Ersten bei, die irgendwie Königin ihrer Arbeit war (reina del trabajo). Welcher Arbeit war auch egal, die Stimmung war super, wir haben getanzt und den Esel reichlich erleichtert. Dazu gab es zu essen (Tamales) und viel Spass. Wir wurden dem Hofstaat der Königin zugeordnet und es wurden Bilder mit uns gemacht, als wir unsere Geschichte erzählten. Bals kamen andere Bands in weissen Anzüge und riesigen Sombreros, die Esmeralda huldigten. Es war eine tolle Show! Wie Volksfest! Und den Esel merken wir uns. Sehr praktisch das Tier – sicher auch im Bortfelder Volksfestumzug tauglich.

Silbermine El Eden in Zacatecas

Silbermine El Eden in Zacatecas

Silbermine El Eden in Zacatecas - unter den Helm kommt das Haarnetz

Silbermine El Eden in Zacatecas – unter den Helm kommt das Haarnetz

Die Teleferici in Zacatecas - Schweizer Gondel auf den Hausberg

Die Teleferico in Zacatecas – Schweizer Gondel auf den Hausberg

  • Unser Alltag

Einige Worte zu unserem Leben im Allgemeinen: Wir sind quicklebendig, gesund und „fit wie ein Turnschuh“. Auch unsere Technik bewährt sich. Unsere Trenga Räder zeigen auch nach 7.500 Kilometern absolut keine Probleme. In ganz Mexiko hatten wir noch nicht einmal einen Plattfuss – geschweige denn größere Probleme. Angesichts der Probleme, die Vorgänger von uns mit ihren Rädern hatten , können wir da wirklich nur 3 Mal auf Holz klopfen.

Bestand unsere Unterkunft in den USA noch zu 85% aus dem Zelt, so hat sich das jetzt grundlegend geändert. Zum Einen sind Campingplätze in Mexiko sehr dünn gesät – anders als in den USA gibt es keine wirkliche Kultur des Campens. Wer zelten möchte, tut dies in der Regel wild – für uns in Mexiko nach wie vor nur eine Notlösung. Zum Anderen sind Hotels in Mexiko so günstig, dass die Aussicht auf eine Dusche und Bett und im Luxusfall sogar eine Air Condition die Lust auf das Zelt sowieso in Grenzen hält. Hotels liegen preislich zwischen 250 Peso (15 €) und 500 Peso (30 €) pro Nacht für zwei Personen. Hinzu kommt der Zeitgewinn dadurch, dass kein Zelt auf- und abgebaut werden muss. Für uns Grund genug, diese Option zu favorisieren. Hin und wieder muss man schon mal die Augen zukneifen, was Sauberkeit angeht, aber insgesamt sind die Zimmer, die uns angeboten werden, durchaus in Ordnung.

Hotel Reyna Soledad in Zacatecas. Sehr schön ..

Hotel Reyna Soledad in Zacatecas. Sehr schön ..

  • Essen

Während die mexikanische Küche für das Essen unterwegs und zum Abend alles bereit hält, was das Herz begehrt, können wir uns an Frijoles (Bohnen) zum Frühstück nicht wirklich gewöhnen. Wir schlagen uns am Morgen mit Toast und Marmelade durch. Zum Mittag allerdings sind Tacos, Burritos, Gorditas & Co. samt Frijoles eine super Sache und abends sowieso. Wir essen mittlerweile überall und alles. Probleme mit dem Magen o.ä. gab es nicht. Angesichts der günstigen Angebote ist das selber kochen seit Mexiko quasi ausgefallen.

  • Verkehr

Mexiko hat ein erstaunlich hohes Verkehrsaufkommen. Die Verkehrsadern des Landes sind die Autobahnen. Man unterscheidet zwischen der „Libre“ und der „Cuota“. Die Cuota ist eine mautpflichtige Autobahn, die aus diesem Grund weniger vom Verkehr belastet ist. Sie ist gut ausgebaut und hat in der Regel einen wunderbar breiten Seitenstreifen, der zum Radeln ideal ist. Der Haken ist nur, dass die Cuota eigentlich für Fahrräder gesperrt ist. Allerdings kümmert das fast keinen und wir hatten bislang Null Probleme auch auf der Quota zu radeln. Der Haken ist allerdings, dass die Quota die Orte umgeht und fast keine Infrastruktur bietet. Das kann für den Radler schon mal „eng“ werden, wenn keine Versorgung da ist.

"Raststätte" an der Autobahn. Wasser und Müll - das muss reichen,

„Raststätte“ an der Autobahn. Wasser und Müll – das muss reichen,

Die „Libre“ hat alles, was die „Quota“ weniger hat. Viel Verkehr, meist keinen Seitenstreifen, dafür gute Versorgung. Wer kann, meidet die Libre. Wir auch .

Abseits der Autobahnen werden Strassen sehr schnell zu Schotterpisten. Also keine Option für uns.

  •  Sicherheit

Angesichts der Vorkommnisse in Iguala im Bundesstaat Guerrero, wo 43 Studenten unter Mitwirken der Policia Municipal auf Anordung des örtlichen Drogenbosses ermordet wurden, muss man zum Thema Sicherheit einige Worte verlieren. Vorweg eines: Wir haben bislang noch nicht eine einzige kritische Situation erlebt. Wir erleben weiterhin überaus freundliche, hilfsbereite Menschen. Dennoch liegt das Thema sozusagen immer in der Luft. Sehr oft wird uns gegenüber betont, wie ausserordentlich sicher ein Ort oder eine Stadt doch ist. Oft bekommen wir Hinweise, was wir meiden sollen – z.B. Fahren bei Nacht ( .. was sebstverständlich ist ..) oder wildes Zelten. Die Menschen zeigen alle eine besondere Vorsicht. Die Präsenz der Polizei ist überwältigend – sie sind immer und überall zu sehen und tauchen in der Regel martialisch vermummt auf Pickup Trucks auf, das MG im Anschlag. Zu unterscheiden ist zwischen der „Municipal“, die sich um die örtlichen Belange kümmern, der „Federal“, die auf den Autobahnen patroulilieren und der „Estatal“, die offensichtlich irgendwie übergeordnet agieren. Dazu kommen immer wieder auch Militärpatrouillen und Checkpoints. Im „Einsatz“ haben wir weder Polizei noch Militär bislang erlebt. Angesichts der Omnipräsenz drängt sich der Gedanke auf, dass man eigentlich nur sichtbar sein will, um der Bevölkerung in Erinnerung zu rufen, wer der Herr im Haus ist.

Auffällig ist, wie sparsam die Aufarbeitung der Vorkommnisse in Guerrero in den Medien und dem öffentliche Leben erfolgt. Zwar wurde der Präsident mit seiner flammenden Kritik an den Morden und der Beteuerung, dass man alles tun werde, um das aufzuklären, im Fernsehen gezeigt. Viel mehr aber auch nicht. In den Zeitungen ebenfalls absolut Sparflamme dazu – stattdessen Berichte darüber, wie sehr sich die Sicherheit in den letzten Jahren verbessert hat.

In Fresnillo demonstrierten Kommilitonen der ermordeten Studenten auf dem zentralen Platz. Man verteilte Flugblätter. Für uns unverständlich war es zu sehen, wie gering die Solidarität und Anteilnahme der Bevölkerung war. Man ging der Demo aus dem Weg und zeigte Desinteresse. An solchen Dingen zeigt sich, dass Mexiko eben kein Staat nach europäischen Massstäben ist. Jeder Einzelne scheint versucht zu sein, sein Leben halbwegs erfolgreich und unauffällig zu gestalten, der Gemeinschaftssinn im sozialen Sinne ist wenig ausgeprägt. Nur wenn es um das Vaterland geht – z.B. um die Befreiung von Spanien, dann erwachen alle Emotionen.

Für uns geht es jetzt weiter in Richtung Guanajato und dann „irgendwie“ um Mexiko City herum. Da wird sich das gute Busnetz wieder bewähren können . Bis bald!

Holger und Silke

 

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9 Gedanken zu “Luftveränderung ..

  1. Hallo ihr Lieben!

    Wieder einmal spannende Erlebnisse von euch und für uns Außenstehene wieder Respekt vor euren
    körperlichen Anstrengungen die ihr so leistet!!!
    Dieses Mal sehen die Fotos auch komplett anders aus und lassen einen Hauch von einer
    so ganz anderen Welt hier ankommen – danke! :-) Es wirkt alles so viel bunter und lebendiger,
    ein anderes Lebensgefühl macht sich breit …
    Schön, dass es euch so gut geht und ihr nach wie vor so tollen und hilfsbereiten Menschen begegnet!

    Herzliche Grüße aus der verregneten Heimat,
    Tanja & Christian

    • Hallo ihr Beiden,

      vielen Dank für den Kommentar. Ja .. jetzt ist alles SEHR bunt, fast schon schrill .. aber wir fühlen uns sehr wohl dabei.

      Holger und Silke

  2. Hallo Silke, hallo Holger,

    mal wieder ein sehr schöner und spannender Bericht.
    Wenn ich Eure Reiseberichte zu lesen bekomme, kann ich immer kurz mal ein wenig abschalten und in eine andere Welt eintauchen, werde dann mal für ein paar Minuten von der Schweinemastanlagen Luft in unserer Nachbarschaft abgelenkt :-). Es ist echt nicht mehr zum aushalten.
    Aber ich möchte Euch damit nicht von Eurem weiteren Vorhaben ablenken, sollte nur mal ein kleiner Hinweis sein wie es uns in Bortyland auch mal gehen kann.

    Gruß an Euch
    Bernd

  3. Hey ihr beiden Top Radler, schön zu lesen, wie gut es euch geht…. Am neuen Bericht hat mir besonders die Schilderung und die Bilder von Zacatecas gefallen….Es ist toll, wie offen ihr auf die Bevölkerung zugeht und wie das auch offenkundig ankommt…. Fahrt weiter sicher!!
    Liebe Grüße von Carola

    • Hallo Carola,

      Zacatecas war schon klasse – aber auch die anderen Städte (Durango, Fresnillo und viele mehr ..) sind „eine Reise wert“. Wir passen auf uns auf !
      Holger & Silke

  4. Hallo Ihr zwei Weltenbummler, wieder mit Genuß und Freude eure Reiseberichte aus Mexiko gelesen, vielen Dank dafür und weiterhin gutes Radeln und bleibt gesund! Viele liebe Grüße aus dem i.A. verregneten Bortfeld senden die 2 Krauses

  5. Hallo ihr Zwei! Beeindruckend, welche körperlichen Anstrengungen ihr so packt und wie locker ihr das kommentiert. Überhaupt werden eure Erlebnisse so detailliert, farbenfroh und lebensnah beschrieben, dass wir alle geradezu im Beiwagen mit dabei sein können. Wir beneiden euch!!! Und wir sind froh, dass wir diese wundervollen und unvergesslichen Erlebnisse mit euch teilen können. Toll, dass ihr diese aufregende Reise unternommen habt und das ihr die Begegnungen mit den Menschen, die euch freundlich empfangen, so schildert, dass wir sie irgendwie auch gerne kennenlernen möchten. Bleibt so munter wie bisher. Wir denken an euch und sind in Gedanken immer dabei.

    Eine ganz innige Umarmung von Birgit und Stefan

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