Vamos a la playa .. von El Salvador nach Nicaragua

Mit dem Verlassen von Guatemala lagen mit El Salvador, Honduras und Nicaragua drei Länder vor uns, die nicht gerade die beste Reputation aufzuweisen haben. Die höchsten Kriminalitätsrate der Welt, eine hohe Armutsrate und eine Reihe von Berichten, die nicht gerade positiv waren. Dementprechend war uns schon ein wenig „flau“ im Magen, als der Tag des Aufbruchs aus Guatemala nach El Salvador anstand. Was hatten wir uns vorgestellt ? Düster dreinblickende Gangs an den Straßen, die mit gierigen Blicken unsere Fahrräder mustern ? Pickups voller Bewaffneter, die vor uns einscheren und uns zum Anhalten zwingen ? Polizeikontrollen, in denen wir penibel gefilzt werden? Genau kann ich es nicht sagen, im Nachhinein waren alle Bedenken gegenstandslos. El Salvador präsentierte sich für uns als ein Land voll freundlicher, aufgeschlossener und interessierter Menschen. Honduras war weit weniger „kritisch“ als erwartet und Nicaragua gilt heute als das sicherste Land Zentralamerikas – Costa Rica eingeschlossen. Dazu kam in allen Ländern tolle Natur – dieses Mal geprägt durch traumhafte Strände und weiterhin durch Vulkane. Auch weiterhin haben wir im Verlauf der Reise keine einzige kritische Situation erlebt. Wir bewegen uns frei und nach unserem Gefühl überall sicher.

wpid-screenshot-60.png.png

Monterrico / Guatemala nach Leon/Nicaragua (die Etappe nach Granada fehlt)

 

Ach ja – wir haben etwas zu feiern: Kurz nach Managua haben wir die 10.000 km „geknackt“. 10.000 Kilometer auf dem Rad in etwas mehr als 6 Monaten. Ein bisschen stolz sind wir darauf schon – aber insbesondere auch froh, dass wir diese Zeit ohne Sturz, ohne wirklich kritische Situationen und ohne größere gesundheitliche Probleme geschafft haben. Auch die Räder sind nach wie vor top und frei von technischen Problemen. Jetzt liegen laut Planung „nur“ noch 6.000 km vor uns. Wir werden mal schauen, ob sich die Reiseplanung da noch einmal verändern lässt. Wir wollen ja keinen Schlendrian aufkommen lassen. Die Daten der letzten Etappe:

  • 27.11.2014 – 15.12.2014
  • Strecke:               1050 km              (Km 9100 – 10.150)
  • Profil:                   7500 hm              (hm 79.600 – 87.100)

Die Bilder der letzten drei Wochen finden sich hier.

Der Grenzübergang von Guatemala nach El Salvador verlief problemlos. Wir hatten uns noch eine Nacht in der Grenzstadt Ciudad Pedro de Alvarado „gegönnt“ und waren am folgenden Morgen schon früh am Grenzübergang. Der kilometerlange Stau von LKWs vor der Grenze hatte sich nach wie vor nicht aufgelöst, die Kontrollen für LKW auf Seiten El Salvador sind streng und die Wartezeiten für LKW betragen viele Stunden, wenn nicht Tage. Die LKW Fahrer tragen das mit Gelassenheit und liegen in Hängematten unter ihren Fahrzeugen. Weniger streng sind die Kontrollen Gott sei Dank für Fußgänger und Radfahrer. So verlief sowohl die Ausreise aus Guatemala (.. mit Stempel ..) als auch die Einreise nach El Salvador glatt. Dort gab es keinen Stempel – die Länder Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua haben sich unter dem CA-4 Abkommen zu einem freien Grenzverkehr auch für Ausländer verpflichtet. Also keine Einreisegebühr und nach weniger als 30 Minuten Warten freie Fahrt nach El Salvador.

Ein neues Land - El Salvador

Ein neues Land – El Salvador

El Salvador - gute Infrastruktur .. und dennoch auch Ochsenkarren

El Salvador – gute Infrastruktur .. und dennoch auch Ochsenkarren

El Salvador ist der kleinste der Staaten Lateinamerikas und gleichzeitig am dichtesten besiedelt. Im Vergleich zu Guatemala fällt sofort auf, dass der Anteil der indigenen Bevölkerung sehr viel geringer ist – in El Salvador wurden die indianischen Stämme in den 30 Jahren des 20. Jahrhunderts drastisch verfolgt und dezimiert. Das bunte Bild der Trachten – wie es noch in Guatemala alltäglich war – fehlt hier also. Das Land leidet sehr unter einer Bandenkriminalität, die eine Spätfolge der Emigration vieler Salvadorianer während des Bürgerkrieges in die USA.

Sofort fiel auf, dass die Infrastruktur des Landes deutlich besser wurde als noch in Guatemala. Die Straßen hatten wieder einen komfortablen Seitenstreifen (.. hurra .. !) und kaum noch Schlaglöcher, das Netz der Tankstellen war deutlich dichter und „professioneller“, die Anzahl und Aufmachung der Geschäfte an der Straße waren um einiges weiter. El Salvador hat sich wirtschaftlich in die Abhängigkeit zu den USA begeben, was sich u.a. darin äußert, dass der US Dollar offizielle Landeswährung ist. Die Preise liegen etwas höher als in Guatemala, aber noch immer im für uns sehr angenehmen Bereich.

Als ersten Standort in El Salvador hatten wir uns die Balsamküste ausgeguckt. Die Balsamküste ist ein etwa 60 Kilometer langer Streifen in der Mitte des Landes und besteht aus einer Vielzahl von kleinen Buchten, die durch steile Klippen mit vulkanischem Ursprung voneinander getrennt sind. Die Strasse entlang der Küste ist ein kurviges und durchaus anstrengendes Auf und Ab mit spektakulären Aussichten auf immer neue Strände, schroffe Klippen und das Meer. Die gesamte Küste hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Surf Revier entwickelt, weil die Wellen heftig und berechenbar in die Buchten hinein rollen. Darüber hinaus ist das Wasser herrlich warm ( geschätzte 23°), im Gegensatz zu den USA oder auch Mexiko kann man also ohne Neoprenanzug surfen (.. und baden ..).

El Salvador - die Strassen an der Balsamküste sind super ausgebaut .. aber bergauf und bergab

El Salvador – die Strassen an der Balsamküste sind super ausgebaut .. aber bergauf und bergab

Surfer auf der Strasse ;-) .. So ist das an der Balsamküste

Achtung : Surfer auf der Strasse ;-) .. So ist das an der Balsamküste

Der Tourismus dazu ist noch liebenswert einfach und „provisorisch“, von Hotelburgen ist weit und breit nichts zu sehen. Mit Schilf gedeckte Hütten und einige Häuser am Strand ist der heutige Stand. Wer sich langfristig einquartiert, kann hier für wenige Dollar pro Nacht Unterkunft finden. Uns hat es in den kleinen Ort El Zonte verschlagen, unser Hotel bot einfache Unterkünfte und einen tollen Aufenthaltsbereich mit exotischer Begleitung. Drei Tage Strandleben haben wir hier genossen.

El Zonte Beach - ein Adventsspaziergang

El Zonte Beach – ein Adventsspaziergang

Hotelterrasse in El Zonte

Hotelterrasse in El Zonte

Haustier im Hotel in El Zonte

Haustier im Hotel in El Zonte

Bunte Begleiter im Hotel in El Salvador

Bunte Begleiter im Hotel in El Salvador

Das Wetter meint es übrigens bisher sehr gut mit uns, wir hatten nach der Abfahrt aus dem Hochland in Guatemala die Befürchtung, dass es an der Küste zu heiß und/oder zu schwül werden könnte. Gott sei Dank ist das nicht der Fall, wir bewegen uns bei konstant 25° – 32° und strahlendem blauen Himmel. Regen ? Ich glaube, das war in Guatemala – an einem Nachmittag. So lässt sich die Adventszeit aushalten.

Apropos Advent .. : Ich hatte keine besondere Vorstellung, wie die vorweihnachtliche Zeit in Zentralamerika aussehen könnte. Ich hatte aber ganz bestimmt nicht damit gerechnet, dass Lichterschmuck, Tannen, Weihnachtskugeln , Werbung , etc.. so intensiv sein würde. Überall wird geschmückt, überall dudelt „Feliz Navidad“ und andere bekannte weihnachtliche Melodien (.. heilige Nacht mit spanischem Text ..). Schließlich haben wir unseren Rädern dann auch einen kleinen Adventstouch verpasst.

Da sage noch jemand, der Weihnachtsschmuck in Deutschland sei überzogen .. El Salvador

Da sage noch jemand, der Weihnachtsschmuck in Deutschland sei überzogen .. El Salvador

Adventsschmuck am Fahrrad

Adventsschmuck am Fahrrad

Von El Zonte ging es weiter über Usulutan an den nächsten Strand – nach El Cuco. Waren die Strände an der Balsamküste noch klein – hier in El Cuco und an der gesamten Küste bis La Union sind sie schier endlos. Kilometerlang, von Palmen gesäumt und menschenleer. Das Wasser ist auch hier herrlich warm. Die flach abfallenden Strände und die tollen Wellen sind wirklich ein Badeparadies. Jede Menge Vögel verschiedenster Arten bevölkern den Strand. Pelikane „surfen“ im Flug über die Wellen und sind dabei fast zum Greifen nah. Fischer lassen ihre Boote zu Wasser und trocknen den Fang am Strand in der Sonne. Im zentralen Ort am Playa El Cuco hat sich ein wenig Tourismus für einheimische Gäste aus der Hauptstadt und für einige Ausländer angesiedelt, gerade genug für das Abendessen samt Bier. Die Sonnenuntergänge sind einfach überwältigend.

PLaya El Cuco - menschenleer

PLaya El Cuco – Blick aus unserem Hotel – menschenleer

PLaya El Cuco - menschenleer

Playa El Cuco – menschenleer

Sonnenuntergang am Playa El Cuco - gigantisch .. kitschig

Sonnenuntergang am Playa El Cuco – gigantisch .. und beinahe kitschig ?

Playa El Cuco - "Feierabendbier"

Playa El Cuco – „Feierabendbier“ zum Sonnenuntergang

Beim Blick auf den Strand und beim Genießen der Atmosphäre waren wir uns einig, dass es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis das hier von den großen Reiseveranstaltern entdeckt wird. Unser kleines Hotel lag direkt am Strand, beim Frühstück konnten wir unsere Füße fast ins Wasser – zumindest aber in den Sand – halten. Auch hier haben wir uns einige Strandtage gegönnt.

Playa El Cuco - unsere Frühstücksterrasse

Playa El Cuco – unsere Frühstücksterrasse

Playa El Cuco - menschenleer

Playa El Cuco – menschenleer

Es ist einfach schade, dass El Salvador so klein ist, aber gut 350 Kilometer Länge sind einfach irgendwann durchfahren und so hieß es also Abschied nehmen von diesem Land.

Vor uns lag Honduras. Von allen Ländern auf unserer Route hatte dieses Land die schlechteste Reputation, sowohl was die Sicherheitslage, als auch was den Wohlfühlfaktor für Radfahrer angeht. Dementsprechend war unsere . Die letze Übernachtung in El Salvador habe wir Santa Rosa de Lima etwa 15 Kilometer von der Grenze nach Honduras entfernt, eingelegt. Am nächsten Morgen ging es früh an die Grenze. Der Übergang von El Salvador nach Honduras war von allen Grenzübertritten, die wir bisher erlebt haben, der bei weitem chaotischte. Bereits weit vor der Grenze winkten die ersten Geldwechsler mit Bündeln von Lempiras – der hiesigen Währung (benannt nach einem Stammeshäuptling, der als einer der wenigen in Zentralamerika erfolgreich Widerstand gegen die Spanier leistete und bei einem Friedensgespräch umgebracht wurde). Dazu boten jede Menge „Guides“ ihre Dienste an, um die Migracion erfolgreich zu gestalten oder um auf die Fahrräder „aufzupassen“, während wir die Einreiseformalitäten erledigten. An der Grenze selbst folgte ein Gewusel von Menschen, LKW, Tuc-Tuc , usw. Unsere Räder haben wir gut festgehalten und die Schlange zur Ausreise aus El Salvador war dann auch ohne Guide bald gefunden. Die Einreise nach Honduras erfolgte durch „aktives Schlangestehen“ an diversen kleinen Fenstern, hinter denen träge Uniformierte mit herablassenden Blicken umständlich ihre jeweilige Pflicht taten oder auch nicht. Das Beschaffen des Formular für die Einreise, die Kontrolle desselben an einem anderen Schalter und die Kontrolle der Pässe war dann irgendwann geschafft und .. wir waren in Honduras.

In all diesem Chaos haben wir dann Colin und Aurelie wiedergetroffen. Die beiden Franzosen sind mit dem Camper von Nord nach Süd unterwegs und wir hatten sie auf der Baja California am Playa Santispac kennengelernt. Wir hatten sie eigentlich wesentlich weiter voraus erwartet, aber ihre Abstecher nach Mexico City und Yucatan haben dafür gesorgt, dass wir behaupten konnten, mit den Rädern „fast“ ebenso schnell gewesen zu sein, wie sie mit dem motorisierten Camper. Die Freude war jedenfalls groß und nach dem Austausch einiger Reisedaten und der Erfahrungen an der Grenze haben wir uns für Nicaragua verabredet.

Colin und Aurelie (samt Camper) an der Grenze nach Honduras

Colin und Aurelie (samt Camper) an der Grenze nach Honduras

Die beiden haben Honduras an einem Tag durchfahren – unsere Reichweite ist kürzer und wir planten mit einer Übernachtung in Choluteca. Honduras selbst erwies sich dann für uns weit weniger unfreundlich, als befürchtet. Auch hier grüßten die Menschen freundlich zurück und es gab aufmunternde Rufe aus vielen Ecken. Die diversen Polizeikontrollen passierten wir als Radfahrer ohne Probleme – Fahrzeugführer aus den USA oder ähnlichen Ecken werden hier offenbar sehr gern zur Kasse gebeten, weil hier ein Warndreieck (.. in Honduras braucht man zwei), oder dort ein Reflektor an einer Fahrzeugecke fehlt. Devisenbeschaffung an einer Transitstrecke .. Colin und Aurelie berichteten später, dass die Polizei vor Rückgabe des Führerscheins auch gern mal unverblümt nach einer Spende „für Getränke“ fragte, wenn sich partout gar nichts am Fahrzeug oder den Papieren finden ließ. Rad fahren hat in solchen Situation definitiv seine Vorteile, man läßt uns absolut unbehelligt ..  Die Pausen verbrachten wir an Tiendas an der Straße und kamen hier genau wie in den Ländern zuvor immer wieder mit den Leuten ins Gespräch. Hin und wieder hörten wir auch hier einen „Gringo“ Ruf und zum ersten Mal wurden wir von Kinder offensiv um „Dollares“ angebettelt, aber das waren Einzelfälle – und Ausdruck der Armut in der Bevölkerung. Die Hütten an der Strasse waren mindestens so ärmlich wie zuvor in El Salvador. Choluteca, unser Übernachtungsort, zeigte sich dagegen deutlich amerikanisiert. Fast Food von KFC über Pizza Hut hatten wir schon lange nicht mehr gesehen.

Am kommenden Tag ging es weiter in Richtung Nicaragua. Zu unserer Überraschung ergab die Recherche über dieses Land, dass Nicaragua aktuell das sicherste Land Zentralamerikas ist – einschließlich Costa Rica. Die Einreise erfolgte hier ziemlich innovativ. Nicaragua hat seit einiger Zeit einen Ebola Check eingeführt, um der Seuche keine Chance zu geben .. Und das geht so: Vor der offiziellem Migracion steht ein Container, in dem eine gelangweilt Kaugummi kauende junge Dame (.. immerhin im weißen Kittel ..) mich fragt, ob ich mich „gut“ fühle. Meine Bestätigung quittiert sie mit dem ersehnten Stempel auf dem Formular. Als ich erwähne, dass meine Frau ( .. Silke passt draußen auf die Räder auf ..) sich ebenfalls „gut“ fühlt, bekomme ich auch Ihren Stempel. So hat Ebola in Nicaragua garantiert keine Chance .. ;-) . Auch bei der Einreise will man Silke erst gar nicht sehen. Es reicht, dass ich Ihren Pass dabei habe, schwupp sind wir eingereist.

Ein neues Land - Nicaragua

Ein neues Land – Nicaragua

Der "Foodcourt" an der Grenze nach Nicaragua

Der „Foodcourt“ an der Grenze nach Nicaragua

Neues Land – neue Währung. Unsere letzten Lempiras investieren wir in ein Essen in einer der Comidas an der Grenze und decken uns am Geldautomaten mit Cordobas ein. Zwar tauchen auch hier die privaten Geldwechsler auf, aber allein die Präsenz eines Geldautomaten an der Grenze zeigt, dass man auch dieses Thema hier etwas professioneller behandelt. Faktisch ist Nicaragua ein Land, in dem US Dollar und Cordobas gleichermaßen akzeptiert werden. Erste Station In Nicaragua war die Stadt Leon. Vereinfacht gesagt, besteht Nicaragua aus den Städten Leon, Granada .. und Managua. Managua, die heutige Hauptstadt und Millionenstadt, war allerdings nur ein größeres Dorf, bevor es Mitte des 19. Jahrhunderts zur Hauptstadt erklärt wurde, um den andauernden Kampf zwischen Leon und Granada um die Vorherrschaft im Land zu beenden. Die Rivalität zwischen beiden Städten ist auch heute noch groß. Leon versteht sich als das intellektuelle Zentrum des Landes, während Granada (Spitzname die „fette Rosine“) das wirtschaftliche Zentrum war. Bei Nennung des Städtenamens werden die Offiziellen nicht müde „Leon – la primera capital de la revolucion“ zu ergänzen.Von hier gingen wichtige Impulse zum Sturz des Somoza Regimes aus. Nebenbei gesagt ist Leon auch Partnerstadt zu Hamburg und Zaragossa.

Kathedrale in Leon

Kathedrale in Leon

Hamburg ist Partnerstadt von Leon - Wandbild gestaltet von einem Hamburger Maler

Hamburg ist Partnerstadt von Leon – Wandbild gestaltet von einem Hamburger Maler

Ohne es zu wissen, erreichten wir Leon an einem speziellen Wochenende.  Der 7. Und 8. Dezember sind die Tage der „Gritería“, was man am ehesten mit „Geschrei“ oder „Gejohle“ übersetzen kann. Der 7. Dezember gehört den Kindern und den jung gebliebenen, die durch die Strassen ziehen und in den (katholischen) Häusern, die einen Marienaltar aufgebaut haben, singen (.. gröhlen ..) und mit kleinen Geschenken belohnt werden. Das Ganze ist Teil der Marienverehrung, die in Nicaragua zentraler Bestandteil des katholischen Glaubens ist. Jesus findet sich in den hiesigen Kirchen eher als Nebendarsteller in den Seitenbereichen der Kirchen, die Altäre und der Glaube der Menschen gehören Maria.

Maria - Ziel der Anbetung in Nicaragua

Maria – Ziel der Anbetung in Nicaragua

Die Griteria in Leon - Maria verehren auch die kleinsten schon

Die Griteria in Leon – Maria verehren auch die kleinsten schon

Begleitet wurde der Abend von viel Feuerwerk, bei dessen Höhepunkt, ein mit Böllern gespickter „Stier“ (..Holzgestell, von einem Läufer getragen ..) durch die Menschenmenge läuft und Angst und Schrecken verbreitet.

Der Feuerwerks-Stier. Griteria in Leon

Der Feuerwerks-Stier. Griteria in Leon

Griteria - Feuerwerk an der Kathedrale

Griteria – Feuerwerk an der Kathedrale

Apropos Feuerwerk … Geknallt, geböllert und raketet wird in Mexiko und Zentralamerika immer und überall. Es ist wirklich extrem und es nervt .. Morgens um 06:00 beginnen die Tage oft mit Böllern in den Strassen und das geht ohne Unterlass und vor allem am Wochenende so weiter bis weit nach Mitternacht. Feuerwerk lässt sich auch in den kleinsten Dörfern für wenig Geld überall kaufen und Kinder wie Erwachsenen machen davon reichlich Gebrauch. Was sich da kaufen lässt, entspricht am ehesten dem, was man bei uns „Polenböller“ nennt. Es sind kleine Bomben. Dazu kommen an jedem Wochenende (..mindestens ..) die öffentlichen Feuerwerke mit Raketen ebenfalls reichlich Böllern. Mittlerweile finden wir die Einrichtung, Feuerwerkskörper nur zwischen Weihnachten und Sylvester zu verkaufen, richtig sinnvoll ..

Salvador_Nicaragua_DSC04063

Markt für Feuerwerkskörper

Salvador_Nicaragua_DSC04060

Markt für Feuerwerkskörper – bitte nicht rauchen ..

 

Der 08. Dezember ist der Tag der „Gigantonas“. Das sind etwa 3 Meter großen farbenprächtigen Puppen, die edle, reiche und mächtige spanische Damen darstellen. Darunter steckt ein Tänzer, der die „Damen“ in Bewegung versetzt. Die Gigantonas werden begleitet von ihren Verehrern (Enano Cabezon), einer gedrungenen Figur, die nur aus Kopf und Beinen besteht und einen heillos (.. und unglücklich ..) in die Dame verliebten Mestizen darstellt.  Dazu kommt eine lautstarke Musikgruppe und ein Rezitator, der die unglückliche Liebe des Enano blumig beschreibt. Am 08. Dezember traten 36 Gruppen aus der Stadt beim Concourso gegeneinander an. Dabei wurden Eleganz, Authenzität und Ausführung der Gruppen und Figuren bewertet.

Concurso de Gigantonas in Leon

Concurso de Gigantonas in Leon

Die edle spanische Dame und ihr eingeborener Verehrer. Griteria in Leon/Nicaragua

Die edle spanische Dame und ihr eingeborener Verehrer. Griteria in Leon/Nicaragua

eine "Gigantona" - rechts

eine „Gigantona“ – rechts. Links ein Verehrer

Die Griteria ist einer der wichtigsten Feiertage in Nicaragua und wird nur in diesem Land gefeiert. Die Familien kommen zusammen und versammeln sich an den Marienaltären, die überall aufgebaut sind. Wir mussten feststellen, dass das auch Einfluss auf die Situation bei den Unterkünften hat. Nachdem wir bei der 6. Oder 7. Unterkunft eine Absage auf die Frage nach einer Bleibe für die Nacht kassiert hatten, jeweils verbunden mit einem bedauernden Lächeln und der Info, dass es „muy, muy difficil“ werden würde, etwas zu finden, sahen wir uns schon in der nächsten Stadt. Unsere Rettung kam in Person von Elia Martin, die unser Gespräch an einer Unterkunft mitbekam und uns spontan einlud, in ihrem Haus zu übernachten. Elia stammt aus Leon und lebt jetzt in der Schweiz. In Leon hat sie zwei Häuser, um die sie sich ab und an kümmern muss. Unser Erstaunen, als sie ins Schwyzerdütsch wechselte war uns sicher im Gesicht abzulesen. Mit Ihrem Mann, einem Schweizer, war Elia selbst viele Monate per Motorrad durch die Welt gereist und kennt unsere Situation. So hatten wir also ein Dach über dem Kopf und eine wunderbare, nette Bekanntschaft mehr. Nochmals „Danke“ Elia.

Elia - unsere Schwyzer/Nicaragüense Gastgeberin

Elia – unsere Schwyzer/Nicaragüense Gastgeberin

Wir haben den Abend mit Colin und Aurelie (.. und einigen „Flor de Cana“ = Rum ) verbracht und unser kurzes Treffen an der Grenze nach Honduras weiter vertieft. Es hat Spaß gemacht, unsere Erlebnisse mit den beiden zu teilen. Auch wenn sie aufgrund der höheren Reichweite ihres Campers mehr sehen können, haben wir nicht den Eindruck, weniger zu erleben. Die beiden sind eher touristisch unterwegs und können mehr Highlights anfahren. Allerdings möchte ich nicht mit ihnen tauschen, allein das Bewegen eines Autos (.. zugelassen in Kanada ..) über die Grenzen und Strassen Mittelamerikas kostet reichlich Geld und Nerven.

Die beiden erzählten uns dann auch von einem französischen Paar, die ebenfalls per Rad unterwegs sind und gar nicht weit von uns weg sein können. Mit Gregoire und Marion haben wir dann Kontakt aufgenommen – schließlich sind sie die ersten Radler seit langer Zeit, die in unserer Reichweite sind. Noch in Leon haben wir uns getroffen und reichlich Radlerlatein und Eindrücke ausgetauscht. Die beiden zelten im Gegensatz zu uns auch in Lateinamerika – und das überwiegend „wild“. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das wohl möglich und überwiegend auch sicher sein dürfte. Angesichts der günstigen Hotels (.. und unserem fortgeschrittenen Alter angemessen .. ) war das aber für uns keine wirkliche Alternative. Wir haben uns für Granada verabredet und sind dann auf unterschiedlichen Strecken weiter gefahren.

Der Weg nach Granada führte uns über einen kurzen Abstecher am Strand von El Velero und über Managua. Weder der Strand, noch Managua sind wirklichen einen Reisetipp wert. Nachdem man die Strände in El Salvador gesehen hat, ist es auch schwer, das zu toppen. Managua gleicht einer europäischen Millionenstadt. Glaspaläste, viel Verkehr – kein Terrain zum Rad fahren. Angenehmer wurde es vor Granada in  Massaya und an der Laguna de Apoyo – einem weiteren „Crater Lake“, also einem See in einem eingebrochenen Vulkan.

In Granada bezogen wir am Fuße des Vulkans Mombacho Quartier in der Hospedaje San Jorge, einer Unterkunft die uns Don (.. eine Bekanntschaft am Lago Atitlan ..) empfohlen hatte. Gregoire und Marion waren bereits hier und hatten uns ein Zimmer reserviert. Es ist für $15 für zwei Personen eine Oase in der Stadt und tatsächlich „clean as a whistle“, wie Don es versprochen hat.  Granada war wichtigste Handelstadt Nicaraguas und wurde in der Geschichte mehrfach von Piraten (.. und aus Leon ..) überfallen und zerstört. Immer wieder wurde die Stadt neu aufgebaut und ist heute ein touristischer Anziehungspunkt.

Salvador_Nicaragua_DSC04087

Kathedrale in Granada

Salvador_Nicaragua_DSC04077

Mit Gregoire und Marion in der Hospedaje San Jose in Granada

Salvador_Nicaragua_DSC04080

Markt in Granada – genau vor unserer Haustür

 

koloniales Haus in Granada

koloniales Haus in Granada

Salvador_Nicaragua_DSC04059

Blickt man von der Terrasse unseres Hotels, kann man Costa Rica schon fast sehen. Eine Tagesdistanz entlang des Lago Nicaragua liegt noch vor uns, dann erreichen wir mit Costa Rica unsere Zwischenstation. Als wir unsere Reise begonnen haben, lag das noch fast unendlich weit weg, jetzt sind wir da und wir können gar nicht sagen, ob es eine Ewigkeit oder einen Augenblick her ist, daß wir gestartet sind. Am 22.12. kommen unsere Kinder nach San Jose und wir werden gemeinsam Weihnachten feiern und per Leihwagen eine Rundreise durch das Land starten. Wir freuen uns schon sehr darauf und hoffen, das mit der Anreise der Kinder alles genau so gut klappt, wie bisher auf unserer Reise.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich bei Euch, bei unseren „Followern“ für das Interesse an unserer Reise in den vergangenen Monaten. 115 Follower und fast 50.000 Seitenaufrufe in sechs Monaten machen uns fast ein bisschen sprachlos.. Wir wünschen Euch allen und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und schöne und harmonische Festtage. Für uns wird dieses Jahr natürlich alles ein bisschen anders, aber in der Familie sicher ebenso schön. Wir hören und lesen uns in 2015 wieder, wenn unsere Reise durch Costa Rica beendet ist und wir uns auf Südamerika vorbereiten.

Bis dahin alles Gute !

Advertisements

7 Gedanken zu “Vamos a la playa .. von El Salvador nach Nicaragua

  1. Hallo Ihr Lieben,
    das war mal wieder ein sehr schöner Bericht von Euch..Ihr habt noch soviel Zeit und schon so viele Kilometer erfahren…. Das Ihr schon Pläne macht, wie ihr die Zeit nutzen wollt, zeigt, wie wohl Ihr Euch fühlt… Und das ist schön!!! Hier bereitet sich so ziemlich alles auf Weihnachten vor
    Am Samstag gibt es ein Foto vom Skiläuferweihnachtsmarkt

  2. Hallo ihr 2!
    Es ist so toll, wieder von euch zu hören bzw. zu lesen … Vor allem der Abenteuerfaktor nimmt in diesen ungewissen Ländern immer mehr zu: sowohl bei euch als auch bei uns als Leser!
    Krass, dass es auch so vorkommt, dass ihr gerade erst losgefahren seid …
    In knapp 10 Tagen ist Weihnachten und wir leiden unter Novemberwetter, da sind eure Bilder eine
    echte Wohltat für Herz und Seele – vor allem die Strandbilder sich echt traumhaft schön (wenn auch etwas kitischig)!!!
    Wir wünschen euch von Herzen ein schönes, so ganz anderes Weihnachten und
    einen guten Start ins Jahr 2015, möge es auch viel Schönes für euch bereithalten!
    Sicherlich ist das Wiedersehen mit euren Söhnen ein ganz besonders Highlight.
    Herzlichst,
    Tanja & Christian :-)

  3. Liebe Silke, lieber Holger,
    wir wünschen Euch fröhliche Weihnachten und ein gesegnetes, neues Jahr. Kommt gesund wieder nach Hause!!!!!
    Martina und Philip

  4. Frohe Weihnachten und ein gesundes, neues Jahr zu euch in die Ferne, danke für die spannenden und gut bebilderten Reiseimpressionen. Viel Glück weiterhin.

    Astrid & Frank

  5. Frohes und gesundes 2015 und weiterhin viel Glück auf eurer Reise … und vielen, vielen Dank für die tollen Reiseberichte ! Liebe Grüße aus den nasskaltenregnerischen Bortfeld !
    E&S Krause

    • Hallo liebe Krauses in Bortfeld! Danke für die lieben Worte – für uns hört der Sommer einfach nicht auf und wir geniessen das. Aktuell sind es etwa 30° in Panama City. Gestern haben wir den beeindruckenden Panama Kanal besucht – am Montag geht es nach Kolumbien. Liebe Grüße !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s