Costa Rica – Pura Vida ! .. ?

Wer an Costa Rica denkt, denkt an paradiesische Strände, an bunte Vögel wie Tukane und an Faultiere. Costa Rica ist in unserer Vorstellung ein bunter Freilichtzoo. Wer an Costa Rica denkt, denkt auch an feuerspeiende Vulkane und an dichte Regenwälder. In Costa Rica gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Menschen in Costa Rica – sie nennen sich selbst „Ticos“ – sind freundlich und hilfsbereit. Englisch trifft man deutlich häufiger als in den anderen Ländern Mittelamerikas.Costa Rica ist „Pura Vida“ – das pure Leben, wie es der Slogan des Landes verspricht. Vier Wochen hatten wir jetzt Zeit, um festzustellen, ob die Realität diese Vorstellung trifft. Am 16.12. sind wir aus Nicaragua auf den Panamericana nach Costa Rica eingereist . Die Einreise verlief unspektakulär und schnell, kaum eine halbe Stunde haben wir uns an der Grenze aufgehalten und unsere Stempel abgeholt.

Willkommen in Costa Rica

Willkommen in Costa Rica

Die folgenden vier Wochen waren dann zweigeteilt. Zwei Wochen haben wir das Land in bekannter Weise beradelt und zwei Wochen gemeinsam mit unseren Kindern, die am 22.12. aus Deutschland einflogen, als „klassische“ Urlauber mit Leihwagen bereist. Gemeinsam haben wir Weihnachten und den Jahreswechsel verbracht und eine Rundreise zu Highlights des Landes unternommen.

Die Bilder der Wochen findet ihr hier. Unsere Route sah während dieser vier Wochen so aus:

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Route Costa Rica (Nord) – auf dem Fahrrad

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Route Costa Rica (Süd) – meist im Auto

  •  12.2014 – 13.01.2015
  • Strecke: 850 km            (Km 10.150 – 11.000)
  • Profil: 8400 hm              (hm 87.100 – 95.500)

Um es vorwegzunehmen: Ja, Costa Rica ist unglaublich abwechslungsreich. Exotische Tiere, die einem „einfach so“ über den Weg laufen bzw. fliegen. Schöne Strände und dichte Wälder. Kaffee- und Bananenplantagen im Hochland liegen neben Regenwald und nur einige Kilometer vom nächsten Strand entfernt. Vulkane, bei denen man mit dem Auto bis (fast) an den Kraterrand fahren kann. Nicht alle der Bilder unten sind „in freier Wildbahn“ entstanden (einige im wildlife sanctuary in Cocles, einer „Klinik“ für verletzte Tiere), aber doch der größte Teil.

Faultier - sehr entspannt

Faultier – sehr entspannt

 

Tukan

Tukan

 

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Ein ganzer Schwarm Aras in der Nähe von Jaco an der Pazifikküste

Ein ganzer Schwarm Aras in der Nähe von Jaco an der Pazifikküste

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Aras mögen Mandeln – dieser hier knackt die Nüsse mit seinem beeindruckenden Schnabel.

Costa Rica ist aber auch etwas anders als die anderen Länder Mittelamerikas. Der Tourismus ist wichtigste Einnahmequelle und hinterlässt seine Spuren. Wer nach Costa Rica kommt, sollte viel Geld und Verhandlungsgeschick mitbringen, um ein wenig von Ersterem zu sparen. Touristen sind potentielle Einnahmequellen und so wird ihnen auch begegnet – stets mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, aber immer mit offener Hand. Hotels, Lebensmittel, Restaurants sind erheblich teuer als in den Nachbarländern und erreichen spielend europäisches Preisniveau und mehr. Dazu kommen gesalzene Eintrittspreise in die Nationalparks oder andere Sehenswürdigkeiten (freier Eintritt ist die Ausnahme ..). Der Besuch eines Vulkans o.ä. schlägt dann schnell mit 100 $ für vier Personen zu Buche. Verhandeln hilft … manchmal.

Bevor wir die Kinder trafen, sind wir über die Panamericana bis nach Canas geradelt, um dann in das Hochland an die Laguna Arenal und den Vulkan Arenal abzubiegen. Bis vor einigen Jahren war der Arenal der aktivste Vulkan Mittelamerikas mit einer beieindruckenden Lava Show bei Nacht. Jetzt ist er ruhig. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir in Costa Rica auch wieder einmal Regen.

Vulkan Arenal. Bis vor einigen Jahren der ktivste Vulkan Costa Ricas. Heute ist er ruhig.

Vulkan Arenal. Bis vor einigen Jahren der aktivste Vulkan Costa Ricas. Heute ist er ruhig.

Die Gegend um die Laguna Arenal herum ist exotisch – beschaulich. Skurril-schöne Anlaufpunkte sind die deutsche Bäckerei in Nuevo Arenal oder ein authentisch – schwyzerisches Dorf inklusive Kuhglocken in herrlicher Lage an der Laguna.

Schweizer Idylle an der Laguna Arenal . Inklusive Kuhglocken ..

Schweizer Idylle an der Laguna Arenal . Inklusive Kuhglocken .. Grüezi !

Weithin bekannt : Die deutsche Bäckerei an der Laguna Arenal

Weithin bekannt : Die deutsche Bäckerei an der Laguna Arenal

Die Laguna Arenal im Hochland Costa Ricas

Die Laguna Arenal im Hochland Costa Ricas

In Costa Rica konnten wir nach längerer Zeit wieder einmal das Zelt herausholen – im sehr schönen Nationalpark Santa Rosa haben wir einsam (wir waren die einzigen Gäste und weit weg von jedem Ort ) gezeltet. Einen ersten Eindruck über die Tierwelt in Costa Rica bekamen wir dort – zum Beispiel, als wir auf dem stockdunklen Platz unter den Campingtisch leuchteten und beeindruckende Exemplare von Skorpionen zu sehen bekamen, die sich im Laub tummelten. Skorpione sind nachtaktiv – das wissen wir jetzt. Wir haben dennoch gut geschlafen – am nächsten Morgen aber ganz besonders gut aufgepasst, bevor wir in die Schuhe gestiegen sind oder das Zelt abgebaut haben.

Campen geht in Costa wieder. Santa Rosa Nationalpark in Costa Rica

Campen geht in Costa wieder. Santa Rosa Nationalpark in Costa Rica. Einen „Bereich für Paare“ gibt es wohl auch nur hier ..

Skorpione sind nachtaktiv: Das haben wir im Santa Rosa Nationalpark in Costa Rica festgestellt

Skorpione sind nachtaktiv: Das haben wir im Santa Rosa Nationalpark in Costa Rica festgestellt. Dieser war etwa handtellergroß.

Tierleben in Costa Rica: Eine Würeschlange auf dem Radweg

Tierleben in Costa Rica: Eine Würgeschlange auf dem Radweg bei Canas – da hat Silke leider nicht mehr rechtzeitg bremsen können. ;-)

Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kindern in San Jose – der Hauptstadt Costa Ricas – war riesig und so waren die letzten Tage vor der Ankunft der beiden am 22.12. ein wenig ein Dahinfiebern.  Wir hatten uns in Alajuela einquartiert – ein sehr guter Standort in der Nähe des Flughafens San Jose. Schon lange vor Beginn der Reise hatten wir überlegt, wie und wo wir es hinbekommen, uns über die Weihnachtstage zu sehen. Costa Rica kristallisierte sich Abschluss nach der groben Tourenplanung als ein passender Ort heraus und die Jungs waren auch nicht abgeneigt, dieses Land als Treffpunkt zu nutzen. Das Wiedersehen am Flughafen von San Jose war sehr emotional für uns vier. Nach langer Reise über Atlanta waren sie dann endlich da und wir lagen uns einfach nur noch in den Armen.

Für die ersten Tage hatten wir ein kleines Ferienhaus in Punto Uva an der Karibikküste des Landes gemietet. Zur Weihnachtszeit ist Costa Rica bekanntermaßen ein sehr beliebter Urlaubsort – in erster Linie für Amerikaner, für die Ticos selbst und natürlich auch für Europäer. Wir haben auf unserer kleinen Rundreise versucht, Orte zu besuchen, die etwas abseits des ganz großen Touristenandrangs liegen. Bis auf diese erste Station in Punta Uva hatten wir trotz der Hochsaison nichts weiter vorgebucht – getreu unserem üblichen Reisemotto, dass wir schon „etwas“ finden werden. So war es dann auch – auch wenn wir hier und da Abstriche beim Komfort unserer Unterkünfte machen mussten.

Punta Uva liegt unweit von Puerto Viejo etwa vier Autostunden von San Jose an der Karibikküste und bot trotz des auch dort spürbaren Andrangs eine entspannte, karibische Atmosphäre. Unser Haus war ein farbenfrohes Ensemble mit authentischem Dschungel-Feeling, in dem das Leben sich hauptsächlich auf der schönen Aussenterrasse abspielt.

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Ferienhaus in Punta Uva

Umgeben von Palmen und anderen hohen Bäumen lag es im Waldgürtel direkt am Meer nur einen Steinwurf vom Strand entfernt. Um uns herum gab es reichlich wildlife. Die Brüllaffen ( .. nomen est omen .. ), die sich lautstark in unserem Umkreis von Baum zu Baum bewegten, konnten wir hören lange bevor wir sie sahen.

Brüllaffe

Brüllaffe bei Punta Uva

Einen Wecker benötigt man bei solchen Nachbarn nicht mehr, bei Sonnenaufgang begrüßen sie den Tag mit einem eindringlichen Konzert. Dazu kamen Schmetterlinge in jeder Coleur, Vögel, Krabben, die sich in Erdlöcher eingraben und eine Menge weiterer Tiere und auch Tierchen.

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Der Strand von Punta Uva vor unserer Haustür war für uns angesichts der Wärme (.. Hitze ..!) natürlich täglicher Anlaufpunkt und willkommene Abkühlung, auch wenn das Wasser bei geschätzten 24° Wassertempertatur nur bedingt erfrischend war. Auf der karibischen Seite war noch Regenzeit, so dass wir auch den einen oder anderen leider auch längeren Regenschauer abbekommen haben.

 

Strandimpression am Punto Uva

Strandimpression am Punto Uva

Strandimpression am Punto Uva

Strandimpression am Punto Uva

Der Heiligabend in karibischer Atmosphäre war natürlich das zentrale Ereignis dieser Tage. Wie alle Familien haben auch wir unsere Rituale, die zuhause normalerweise den Ablauf dieses Tages bestimmen und die dieses Mal also nicht galten. Kein Baum schmücken, keine Kirche, nicht das übliche Weihnachtsessen , keine Geschenke. Stattdessen eine Lichterkette im Palmwedel und eine karibische Kreation zum Abendessen. Silke und mir fiel dieser Gegenentwurf zum „normalen“ Weihnachten leichter als Thore und Malte, die ja aus dem vollen Vorweihnachtsprogramm in Deutschland kamen. Besinnlichkeit mit karibischem Touch kam dennoch auf und wir hatten einen sehr schönen, sehr harmonischen Abend.

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karibische Weihnacht

In Puerto Viejo haben wir Almuth besucht. Sie betreibt seit 10 Jahren das (tolle !) Hotel Pura Vida in Puerto Viejo und hat einen familiären “Draht” auch nach Braunschweig. Anja, eine andere Deutsche, die wir in Punto Uva getroffen und besucht haben, kam vor ebenso langer Zeit als Praktikantin zum Radio in San Jose und lebt heute mit Ihrem Mann Mauricio in Punta Uva. Mit beiden haben wir über das Leben in Costa Rica gesprochen, das über die Periode eines Urlaubs hinausgeht. Wie erleben „Auswanderer“ das Land ? Dazu unten mehr . Nach fünf Tagen haben wir Punta Uva ein bisschen schweren Herzens verlassen. Dort lässt es sich schon sehr gut aushalten.

Unsere nächste Station war das Orosi Tal. Das Orosi Tal liegt auf etwa 1.400 Metern Höhe und ist bekannt für den Anbau von Kaffee und Bananen. Hier herrscht das ganze Jahr übe gemäßigtes Klima. Orosi ist ein guter Ausgangspunkt für Besuche des sehr schönen, gleichnahmigen Tals, des Vulkans Irazu, der alten Hauptstadt Carthago , sowie einiger Nationalparks, z.B. des Tapanti. Unser Hotel in Orosi war einfach, aber für uns wiederum gut geeignet und mit einem Preis von $25 pro Doppelzimmer für hiesige Verhältnisse sehr günstig. Das Wetter im Orosi Tal liess uns leider ein bisschen“hängen“ und so geriet der Ausflug auf den knapp 3.500 Meter hohen Vulkan Irazu zu einer Nebelwanderung. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts – auch keinen Kratersee ..

Irazu Krater ---- wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Irazu Krater —- wie Sie sehen, sehen Sie nichts

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Die Wanderung durch die Kaffee- und Bananenplantagen und die Tour entlang des … Flusses zum Staudamm fand dann aber bei schönem Wetter statt.

Familienbild am Orosi Tal

Familienbild am Orosi Tal

Orosi Tal

Orosi Tal

Orosi Tal

Orosi Tal

Nach drei Nächten im Orosi Tal ging es weiter an die Pazifikküste in die Nähe des Corcorvado Nationalparks.  Der Nationalpark Corcovado liegt im westlichen Teil der Halbinsel Osa im Südwesten von Costa Rica und ist damit sicherlich der am schwierigsten zu erreichende Nationalpark in Costa Rica. Er ist einer der besterhaltenen Regenwälder des Landes und wurde von der Zeitschrift National Geografic als „“the most biologically intense place on Earth in terms of biodiversity“ erklärt . Der Zugang zum Park ist stark reglementiert und limitiert. Ein Führer ist Pflicht.

Die für uns einfachste Variante ergab sich durch eine Bootsfahrt von Sierpe aus, gefolgt von ca. 3,5 Stunden geführter Wanderung durch den Park. (Für interessierte Reisende: Von Puerto Jiminez aus lassen sich zweitägige Wanderungen durch den Park mit einer (spartanischen) Übernachtung in der Ranger Station La Sirena buchen. Das muss allerdings mindestens eine Woche im Voraus gebucht werden. Großer Vorteil: Beobachtung nachtaktiver Tiere möglich). Bereits auf der Hinfahrt wurde unser Boot von einer Gruppe Delfine besucht, die uns neugierig umschwammen. Im Park angekommen, führte uns Cesar – unser Führer – ejr kompetent herum. Interessant war es zu erleben, wie er Vogel- und Tierstimmen nachahmen kann, um auf Antwort zu warten und dann die Tiere zu „spotten“. Wir sahen alle vier in Costa Rica vorkommenden Arten von Affen, einen Tapir (!), diverse Vögel, Insekten, eine (.. hochgradig giftige ..) Schlange und bekamen eine Menge Eindrücke des Dschungels.

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ruhender Tapir – Corcorvda NP

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Corcorvado Nationalpark - eine Eule

Corcorvado Nationalpark – eine Eule

Corcorvado Nationalpark - Kapuzineraffe

Corcorvado Nationalpark – Kapuzineraffe

Corcorvado Nationalpark - Gottesanbeterin

Corcorvado Nationalpark – Gottesanbeterin

Corcorvado Nationalpark - unser Führer Cesar

Corcorvado Nationalpark – unser Führer Cesar

Corcorvado Nationalpark

Corcorvado Nationalpark

Unsere Unterkunft für diese Tage am Pazifik lag in Uvita, einem verschlafenen kleinen Ort an der Pazifikküste. Der Strand bei Uvita gilt als einer der schönsten der ganzen südlichen Pazifikküste. Er ist Teil des fast unbekannten Ballena Nationalparks, zu dem die Strände, aber auch die Unterwasserlandschaften gehören. Uvita war aber, wie die gesamte Küste am Pazifik, über die Feiertage gut besucht, so dass wir von Glück reden konnten, spontan noch ein kleines Ferienhaus zu ergattern – auch wenn die dort  fehlende Klimaanlage uns ein ums andere Mal zum Schwitzen brachte .. Aber wir hatten unser eigenes „Reich“ und waren nicht auf kleine Hotelzimmer beschränkt. Neben dem Besuch im Corcorvado NP war die Zeit in Uvita von Strandbesuchen geprägt.

"I am the king of the world" - Thore am "Whales tail" in Uvita

„I am the king of the world“ – Thore am „Whales tail“ in Uvita

Strand bei Uvita

Strand bei Uvita

Uvita Strandimpression

Uvita Strandimpression – herrlicher Strand „La Hermosa“

Die Strände in und um Uvita waren vorwiegend von Ticos besucht, die in der Regel mit ihren pickups so dicht wie irgend möglich an die Wasserlinie fahren, ihre 1-3 Maxi-Kühlboxen, Stühle, Tische und Sonnenschirme abladen und den Strandtag dicht gedrängt mit Biertrinken und Sonnenbaden verbringen. Wer gewillt ist, einige Hundert Meter zu Fuss zurückzulegen, findet aber auch an solchen Stränden schnell ruhige Plätze.

An dieser Stelle vielleicht ein Einschub zum „Pura Vida“ – dem Lebensmotto des Landes. Die Ticos genießen ihr Land, das ist ganz offensichtlich. Sie mögen es, sie fühlen sich wohl und sie genießen den Wohlstand, den die Vielfalt der Natur in das Land bringt und der es von allen anderen in Mittelamerika abhebt. Nachhaltigkeit und Umweltschutz wird groß geschrieben und das ist nicht ur ein Schlagwort. Müll findet sicht sehr viel weniger an den Strassen, Recycling wird gelebt und auch die (Ab)Wasserwirtschaft scheint verhältnismäßig gut.

Von Uvita aus ging es schließlich zurück in Richtung Alajuela, von wo aus wir noch einige Ausflüge in das Umland unternahmen.

Das Wahrzeichen Costa Ricas wird in Sarchi hergestellt

bemalte Ochsenkarren – das Wahrzeichen Costa Ricas – wird in Sarchi hergestellt

Nach dem schweren Abschied blieben für uns noch einige Stunden, um die Ersatzteile, die uns die Kinder aus Deutschland mitgebracht hatten, an den Rädern zu verbauen. Am nächsten Morgen ging es für uns dann also wieder auf das Rad mit dem Ziel Panama.

Nach zwei Wochen Abstinenz war es gut, dass von Alajuela bis an die Pazifikküste erst einmal eine lange Abfahrt lag, bevor es dann hügelig bis flach an der Küste weiter ging. Die auch mit dem Rad sehr gut zu fahrende Strecke (gute Seitenstreifen), die bis Uvita vor uns lag, kannten wir bereits von der Tour im Auto, so dass sich nicht so viel Neues ergab. Ein schöner Abstecher war die Camping Übernachtung in Playa Esterillos Oueste. Ein schöner, ruhiger Surfstrand mit Schotterstraßen, der uns ein bisschen an die Strände in El Salvador erinnert hat.

Campingplatz mit Meerblick

Campingplatz mit Meerblick

Die auf der Strecke liegenden Touristenorte Jaco und Quepos „braucht man nicht.“ Nach einer weiteren Nacht in Uvita ( .. kennen wir ja schon .. ) ging es weiter nach Rio Claro.

Dort führte uns der Zufall beim Abendessen mit Anton(io), einem deutschen Auswanderer zusammen. Antonio hat vor gut 25 Jahren seine Architektur- und Baufirma in Mönchengladbach verkauft und ist mitsamt Familie nach Rio Claro ausgewandert, um auf 250 Hektar Fläche Rinderzucht zu betreiben. Mittlerweile hat er sich auf die Produktion von Palmöl verlegt und bewirtschaftet nur noch einen kleinen Teil des Landes. Der Abend verging schnell mit seinen und unseren Erzählungen, zu denen sich später auch noch Ethel, Antonios zweite Frau – eine Einheimische – gesellte. Die Einladung zum Frühstück am kommenden Morgen nahmen wir sehr gern an, um die interessanten Gespräche fortzusetzen.

Deutsche Auswanderer in Cosat Rica: v.l.: Antonio, Ethel, Frank und Heidi. Interessante Gespräche und ein super leckeres Frühstück

Deutsche Auswanderer in Cosat Rica: v.l.: Antonio, Ethel, Frank und Heidi. Interessante Gespräche und ein super leckeres Frühstück

Neben all den für uns lange vermisste Frühstücks – Leckereien (Schwartauer Marmelade ! Dunkles, selbst gebackenes Brot ! Schinken !) gaben uns Antonio und Frank, ein weiterer Auswanderer aus der Nähe von Cottbus, Einblicke in das Leben von Menschen, die längere Zeit in Costa Rica leben und eben nicht nur einen Urlaub lang. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Fazit doch ernüchternd ist. Von allen die wir gesprochen haben, haben wir mehr oder weniger deutlich gehört, dass sie das Kapitel Costa Rica beenden möchten.

Als wesentliche Minuspunkte des Lebens in Costa Rica wurden uns drei Punkte genannt, die sowohl bei Antonio, Frank und auch bei Almuth aus Puerto Viejo wiederkehren. Antonio und auch Frank wurden in ihren Häusern mehrfach heftig bestohlen, man könnte sagen ausgeraubt. Von der Polizei ist offenbar nicht viel Unterstützung zu erwarten. Man könnte meinen, das sei ein Phänomen, das auf europäische Auswanderer begrenzt ist. Allerdings spricht die Tatsache, dass quasi alle Häuser in Costa Rica rundherum drei Meter hoch eingezäunt sind, eine andere Sprache. „Es liegt in der Kultur der Menschen“ war die Antwort der Polizei auf Antonios Frage, wie er sich schützen solle. Diebstahl auch unter Nachbarn ist ein Kavaliersdelikt, vor dem sich jeder selbst zu schützen hat. Das „Grundvertrauen“ in der Gesellschaft ist schwach ausgeprägt, man traut sich nicht untereinander.

Ein anderer negativer Punkt ist das Fehlen eines kulturellen Angebotes. Für Almut und Anja liegt das nächste Kino vier Autostunden von Puerto Viejo entfernt – von einem Theater ganz zu schweigen. Neben solchen Angeboten fehlen für Antonio selbst eine Eisdiele oder ein nettes Cafe, der deshalb überlegt, Rio Claro wieder zu verlassen. Zeitschriften mit einigermaßen gehobenem Niveau sind weit und breit nicht zu finden. Das Fernsehprogramm in Costa Rica besteht zu 95% aus Soaps, Tanzshows oder der Übertragung skurriler Stierkämpfe an Feiertagen. Selbst wir als „Langzeiturlauber“ merken das schmerzlich. Den „Spiegel“ ( .. erscheint jetzt samstags ?? !!), den die Jungs aus Deutschland mitgebracht haben, habe ich einfach nur verschlungen. Almuth hat es in unserem Gespräch auf den Punkt gebracht, indem sie sagte, dass Costa Rica im Grunde ein kulturloses Land ist. Und damit meinte sie nicht nur die Abwesenheit der eben genannten Dinge, sondern z.B. auch die fehlende Kultur der Küche. Essen in CR ist erstaunlich einfallslos. Reis, Bohnen und ein Stück Fleisch für die, denen es gut geht. Das „Nationalgericht“ Casado ist genau das. Alternativ dazu bietet die Kücher in Costa Rica dann eigentlich nur noch die Friteuse. Wir haben uns ab und an nach Mexiko und Guatemala zurück gewünscht. Auch Musik, Kunst und Kultur an sich ist ein rares Gut.

Diese Punkte muss das Land durch die Vielfalt seiner Natur aufwiegen. Angesichts der schier unendlichen Vielfalt gelingt das einen Urlaub lang spielend. An ein Auswandern nach Costa Rica habe ich nie gedacht und denke auch jetzt nicht daran. „Pura Vida“ sieht für den Europäer – zumindest aber für mich – eben doch anders aus.

Wir sind jetzt in Panama und in einigen Tagen werden wir von Colon nach Carthagena in Kolumbien übersetzen. Südamerika! Ein neuer Kontinent! Kolumbien hat sehr viele Vorschusslorbeeren von anderen Reisenden erhalten und wir sind sehr gespannt, ob sie sich bewahrheiten. Unsere Reise wird uns grob gesagt von Carthagena über Medellin und Cali in Richtung Ecuador führen. Zuvor müssen wir natürlich noch den Panamakanal bewundern und auch die berühmte Brücke darüber befahren.

Begnungen

Reve Nomade – www.revenomade.com

Cecile, Xavier und ihre siebenjährige Tochter Emma sind eine französch-stämmige Familie aus Quebec, die seit zwei Jahren auf dem Rad unterwegs sind. Wi kannten die drei bereits bevor wir sie in Canas in Costa Rica getroffen haben. Ihr toller Blog (www.revenomade.com) kann etwas neidisch machen ;-) . Aber kein Wunder – Xavier war Marketingmanager bei der größten kanadischen Outdoor-Ausrüsterkette MEC, bevor er und seine Familie auf die Reise gingen. Beeindruckend: Bis vor ca. 9 Monaten war Emma- die Tochter bei Xavier am Rad „angedockt“, bevor sie – ausgerechnet im bergig-steilen Guatemala – selbst zu radeln begann. Inklusive Gepäck. Eine sehr, sehr nette und isnpirierende Begegnung. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder !

Als Famileauf dem Rad von Vancouver aus unterwegs: Cecile, Emma, Xavier - zusammen "reve nomade".

Als Famile auf dem Rad von Vancouver aus unterwegs: Cecile, Emma, Xavier – zusammen „reve nomade“.

Wolkentreter

Josef und Vera haben wir auf der schweren Etappe von La Fortuna nach San Ramon getroffen. Die beiden sind seit etwa vier Jahren quasi dauernd auf dem Rad, allerdings an verschiedenen Zielen und immer für circa 4 Monate. Die Türkei, Kuba, Thailand , der Balkan, Island und jetzt Cost Rica und Panama gehören zu ihren Zielen. Wir haben ein bisschen gefachsimpelt und uns Tipps für Panama abgeholt.

Treffen im Hochlands Costa Ricas - Vera und Josef aus Deutschland beradeln Costa Rica und Panama

Treffen im Hochlands Costa Ricas – Vera und Josef aus Deutschland beradeln Costa Rica und Panama

Vuelta Costa Rica

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Die Vuelta Costa Rica rollte an uns vorbei – „etwas“ schneller als wir

 

 Lena und Lorenz

Lena und Lorenz aus dem Schwarzwald trafen wir kurz nach Uvita. Die beiden sind auf ihrem interessanten Hase Tandem für vier Wochen in Costa Rica und Panama unterwegs.

Lena und Lorenz - deutsche Reiseradler in Costa Rica mit einem interessanten "setup". Ein halbes Liegerad ..

Lena und Lorenz – deutsche Reiseradler in Costa Rica mit einem interessanten „setup“. Ein halbes Liegerad ..

Alle Bilder der letzten Wochen gibt es hier.

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6 Gedanken zu “Costa Rica – Pura Vida ! .. ?

  1. Hallo ihr 2!

    Ein frohes, gesundes und abenteuerreiches neues Jahr noch für Euch!!!!!!!!!!!!
    Ganz herzlichen Dank für die farbenprächtigen Eindrücke aus Costa Rica –
    wir können sie im Novembergrau mit frühlingshaften Temperaturen ohne Schnee supigut gebrauchen!!!
    Auch erneut ein spannender Bericht, das Wiedersehen mit Euren Kindern kommt emotional so
    rüber, als wäre man selbst live dabei gewesen, ich war ganz gerührt …

    Alles Liebe und Gute aus der Heimat wünschen
    Tanja & Christian :-)

  2. Great article! So nice that your children were able to visit during the holiday. I’m looking forward to following your continued progress to Tiera del Fuego.

    -„Crater Lake“ Kevin

  3. Hallo Silke und Holger,
    wir sind inzwischen wieder im kalten und grauen Deutschland und vermissen die Sonne und die Farben aus Mittelamerika. Euer Schwalbe-Mantel hat genau am richtigen Tag die Besitzer gewechselt. Als wir abends am Campingplatz angekommen waren hat das billige Panamaprovisorium nämlich auch schon seinen Geist aufgegeben. Das Ding war durchgefahren :-D Manchmal passt eben einfach alles!
    Wir wünschen euch noch eine wunderbare Reise mit vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen Vom Fahrrad aus sieht die Welt sowieso am schönsten aus.

    Liebe Grüße aus Freiburg,
    Lena & Lorenz

    • Das hat wirklich gepasst – für euch kam der Mantel zur rechten Zeit und wir haben weniger Gewicht und mehr Platz an Bord. Und noch immer zwei Ersatzmäntel – Grüsse aus dem sonnigen Kolumbien !

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