Kolumbien – macht Kaffee glücklich ?

Woran mag es liegen, dass die Kolumbianer sich selbst auf der Skala der glücklichsten Nationen der Welt auf Platz drei einstufen ? Ist es vielleicht die traumhafte, abwechslungsreiche Landschaft ? Oder liegt es an der Kaffeekultur ? Oder an der freundlichen, offenen kolumbianischen Lebensart ? Genau wissen wir es nicht – alle diese Dinge tragen sicherlich dazu bei. Als Besucher des Landes kann man es einfach nur genießen, dass die Kolumbianer ihre Lebensfreude gern mit uns teilen. Man ahnt es schon – Kolumbien war wieder einmal ein Highlight unserer Reise.

Drei Wochen, 1.150 km und 19.200 Höhenmeter haben wir in Kolumbien verbracht. Diese Daten sagen bereits, dass Kolumbien einfach bergig ist. Sehr bergig. Und auch wenn es noch nicht die „richtigen“ Anden waren, die wir befahre haben – das Land gab einen großen Vorgeschmack darauf. Unsere Reise führte vom Fährhafen Cartagena an der Karibikküste über Medellin in das so genannte Kaffeedreieck im Hochland, durch das Valle de Cauca und über die Städte Popayan und Pasto in den Vor-Anden an die Grenze nach Ecuador.

Eine (große ..) Auswahl der Bilder aus Kolumbien findet ihr hier.

  • 20.01.2015 – 09.02.2015
  • Strecke:               1.160 km             (Km 11.000 – 12.160)
  • Profil:                   19.200 hm           (hm 95.500 – 114.700)

Streckenübersicht

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Höhenprofil (Popayan – Ipiales)

5.1.8_Popoyan_Ipiales_

Kolumbien ist radfahr-verrückt. Der Radsport ist absoluter Volkssport und steht auf einer Stufe mit Fussball. Insbesondere am Wochenende sieht man scharenweise Radfahrer – insbesondere auf Rennrädern – auf den Straßen. In Bogota ist am Sontag die Stadtautobahn autofrei und nur für Radfahrer offen. Auf der Straße werden wir pausenlos mit aufmunternden Rufen und Zeichen versorgt. Bei jeder Pause sind sofort Menschen da, die wissen wollen, woher wir kommen, wohin wir wollen und ob wir etwas brauchen. Aus Autofenstern werden uns Wasserflaschen gereicht. Nach der Zurückhaltung in Mittelamerika tut diese geradezu überschäumende Offenheit auch wieder einmal gut.

Mit der Fähre von Colon aus Panama kommend, schifften wir in Cartagena im Norden Kolumbiens ein. Zu den Zeiten der Kolonialisierung der Spanier war Cartagena einer der wichtigsten Häfen zum Verschiffen des Raubgoldes aus Mittel- und Südamerika nach Spanien. Aufgrund der in der Stadt gelagerten Schätze war die Stadt im 17. Jahrhundert sehr beliebter Zielort auch für Piraten, die die Stadt regelmäßig überfielen, plünderten und brandschatzten. Die spanische Krone baute Cartagena daraufhin zur Festung aus. Heute befindet sich in diesen Festungsanlagen der sehr gut erhaltene und hübsche, koloniale Kern der Altstadt.

Unsere Einfahrt in die Stadt war spektakulär, von Bord unserer „Luxusfähre“ aus beobachteten wir die historischen Festungsanlagen vor der Skyline des neuen Cartagena. Unterbrochen wird das Bild durch Containerhäfen – auch heute noch ist die Stadt neben Barrencilla der wichtigste kolumbianische Hafen.

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Einfahrt nach Cartagena – die historischen Wehranlagen

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Die Skyline des neuen Cartagena.

 

Angesichts der vielen „Hamburg Süd“ Container und Schiffsnamen wie „Ella Schulte“ oder „Hansa Regensburg“ kamen beim Einlaufen in den Hafen beinahe heimatliche Gefühle auf. Der Güterverkehr zwischen Hamburg und Kolumbien/Südamerika scheint zu florieren.

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Container aus Europa – ein großes Thema in Cartagena

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Heimatgefühle .. bei „Ella Schulte“ und „Hansa Regensburg“

 

Auch wenn der Panamakanal von Vielen als geografische Grenze zwischen Mittel- und Südamerika bezeichnet wird – so „richtig“ angekommen in Südamerika fühlten wir uns erst jetzt, als wir im Hafen von Cartagena die Fähre verließen.

Die Einreise nach Kolumbien verlief völlig problemlos – nach nur 15 Minuten hatten wir unser 90 Tage Visum im Pass und unsere Räder wurden im Gegensatz zum Gepäck der anderen Passagiere an allen Kontrollen vorbei geschoben. Wer also einmal in die Verlegenheit  kommen sollte, etwas nach Kolumbien einschmuggeln zu wollen, dem sei das Rad als Vehikel wärmstens empfohlen. Unser Gepäck wurde nicht ein einziges Mal kontrolliert. Mit dem Rad ging es in das Getsemani Viertel, wo wir im Hostel Amber Quartier bezogen.

Zwei Tage lang haben wir die Altstadt erkundet und erste Bekanntschaft mit der kolumbianischen Lebensart geschlossen. Überall wird Kaffee verkauft, der noch dazu schmeckt ! Anders als in Mittelamerika wird der Kaffee hier nicht nur angebaut, sondern auch noch gut geröstet und selbst verzehrt. Das Essen wird wieder vielfältiger. War es in Panama zum Schluss wirklich nur „Bohnen und Reis“, gibt es hier diverse Abwechslungen. Das Leben auf den Straßen ist wieder quirliger und erinnert ein wenig an Mexiko.

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Die Altstadt von Cartagena

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Zentraler Platz in der Altstadt von Cartagena. Karibik-Feeling.

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Cartagena war ein guter Einstieg nach Südamerika, wenn auch etwas touristisch. Von Cartagena führt die Panamerikana südwärts. Allerdings sind die ersten Kilometer eher langweilig und wegen des Containerverkehrs auf Lastwagen und der engen Straße auch kein Radfahr- Vergnügen. Wir sind also dem Beispiel andere Radler vor uns gefolgt und haben die Strecke nach Medellín, unserem nächsten Ziel, per Bus absolviert. Medellín ist mit ca. 2,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Das schlechte Image der Stadt stammt aus den Zeiten des „Medellín – Kartells“, als die Region von Anfang der 80er Jahre bis Mitte der 90er Jahre der weltweit größte Kokainproduzent war. Bis zu 80% des Welthandles sollen unter Führung des Kokain-Zaren Pablo Escobar von hier aus versorgt worden sein. Durch den groß angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenschmuggel wurde Escobar zu einem der reichsten Menschen der Welt. Die von ihm geführten paramilitärischen Einheiten beherrschten und terrorisierten die Stadt und die Region. Medellín hatte die weltweit höchste Mordrate, auf Polizisten und kritische Journalisten hatte Escobar eine Kopfprämie von 1000$ und mehr ausgesetzt. Er wurde durch den Handel so reich, dass er anbot, Kolumbiens Auslandsschulden komplett zu tilgen. Escobar wurde 1993 in Medellín erschossen und seitdem befindet sich die Stadt in einer rasanten Erholungsphase.

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Medellin – eine Millionenstadt am Hang.

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Heute – nur gut 20 Jahre später – ist Medellín eine moderne, boomende und gut entwickelte Stadt. Die Metro (die einzige in Kolumbien ..) und der intensive Busverkehr erlauben es, die Stadt schnell zu erkunden. Medellín erstreckt sich auf ca. 1550m Höhe durch das Aburrá-Tal und liegt an unzähligen Hügeln. Zur Metro gehört sogar eine Seilbahn, die in eines der Armengebiete hinaufführt und dort wesentlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen beiträgt. Den Blick von dort über die Stadt haben wir uns nicht nehmen lassen. Medellíns lebhafte Straßen und Plätze haben wir zwei Tage lang erkundet, bevor es weiter südwärts ging. Interessant sind u.a. viele (seeehr plastische ..) Werke des Bildhauers Fernando Botero.

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In Medellín haben wir Nicole und Guido getroffen. Nicole ist eine Cousine von Ralf, meinem Co-GF bei etamax und vor einiger Zeit aus Venezuela nach Kolumbien gekommen. Venezuela bietet unter der „sozialistischen Diktatur“ der Chavez Nachfolger derzeit sehr schlechte Lebensbedingungen, was zu einer starken Welle der Auswanderungen z.B. nach Kolumbien führt. Für uns war es interessant, darüber mehr zu erfahren und natürlich auch Tipps für die weitere Reise durch Kolumbien zu bekommen.

Nach einigen Tagen ohne „richtiges“ Radfahren wurde es dann Zeit, mal wieder Asphalt unter die Reifen zu bekommen. Schon bald nach Medellín wird es „ernst“, die Straße klettert bis Las Minas schnell auf 2.500 Meter. In engen Serpentinen geht es dann genauso schnell wieder abwärts. LKW können sich in den engen Kurven nicht begegnen und müssen zum Teil sogar rangieren, um herum zu kommen. Auf unseren Rädern sind wir schneller und überholen reihenweise LKW und PKW, die sich zäh um jede Haarnadelkurve quälen.

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Zu schnell in der Abfahrt. Umgekippter Container-Truck.

 

Bis auf 700 Meter hinunter geht die Abfahrt – 1.800 Höhenmeter am Stück! Ein Vorgeschmack auf die Anden .. In La Pintada – unserem Zielort – treffen wir an diesem Abend Elmar und Ellen, zwei holländische Radler, die beinahe semi-professionell mit Sponsoren etc. von Süd nach Nord unterwegs sind (s.u. – „Begegnungen“) . Beim gemeinsamen Abendessen gab es eine Menge Informationen und Tipps auszutauschen. Weiter ging unsere Achterbahnfahrt schließlich nach Chinchina und in Richtung unseres nächsten Zwischenstopps – Salento.

Wir befanden uns in Salento längst in der so genannten Kaffeezone Kolumbiens. Um die Städte Armenia, Pereira und Cartago erstreckt sich im Hochland zwischen 1.500 und 2.500 Metern dieses Gebiet, in dem ein großer Teil des kolumbianischen Kaffee angebaut wird. Steile Hänge, tiefe Einschnitte und überall Kaffeeplantagen, die hin und wieder von Bananenstauden als Schattenspender durchbrochen werden. Die Landschaft ist so vielfältig und abwechslungsreich, dass wir den Blick kaum auf der Straße halten können. Am liebsten würden wir alle 500 Meter zum Fotografieren anhalten.

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Kaffee und Bananen – traumhafte Landschaft im Kaffeedreieck.

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„Toma un Cafe“ … erst einmal einen Kaffee. Das zentrale Thema in Kolumbien.

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Neben den vielen interessanten und netten Begegnungen, die wir auf unserer Reise haben (s. unten) bliebt es nicht aus, dass auch einmal nicht ganz so nette dabei sind. Der Berg in Richtung Salento bringt unsere Geschwindigkeit auf etwa 7-8 km/h herunter, als wir am Anstieg einen sportlich gekleideten jungen Mann am Straßenrand überholen. Kaum sind wir vorbei, setzt er zum Joggen an. Er ist fit und hält am Berg (immerhin 6-8% Steigung ..) recht locker mit uns mit. Mehr noch – er beginnt einen small talk mit mir über dies und das .. Und das beim Fahren am Berg .. Er erzählt halbwegs wirr über den Sinn von Sport und fragt mich über unsere Reise aus. Irgendwann fällt auf, dass er in der Hand ein kleines Messer trägt. Hmmmh, kein Grund zur Sorge, denke ich mir .. so an der Panamericana mit reichlich Autoverkehr wird er doch wohl nicht auf dumme Gedanken kommen… Aber seltsam ist das schon .. Geht es leicht bergab, setzt er zum Sprint an und bleibt auf locker auf unserer Höhe. Fit ist er .. Irgendwann steckt er das Messer weg, aber nur, um ein anderes – dieses Mal ein Springmesser – herauszuholen. Nicht dass er damit droht, aber besonders beruhigend ist das nicht. Etwa 15 Minuten geht das so. Schließlich kommt eine Tankstelle in Sicht. Wir halten an und ignorieren unseren joggenden Begleiter. Nach einiger Zeit geht er schließlich seines Weges, begegnet uns aber kurz nach unserem Aufbruch danach wieder. Er hat auf uns gewartet.. Dieses Mal trägt er eine Blockflöte in der Hand .. Schon besser .. Wieder versucht er, mitzuhalten, dieses Mal ist die Abfahrt aber so lang und steil, dass wir ihn endgültig abhängen. Silke schaut sich noch Kilometer nachher immer wieder um – solche Begegnungen braucht man nicht .. Aber passiert ist an dieser Stelle wie auch auf der gesamten bisherigen Reise nichts.

Salento hat die traditionelle Architektur der Kaffeezone Kolumbiens bewahrt. Bunte, zweigeschossige Häuser mit kleinen Balkonen prägen den Ort.

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Salento – quietschbunt und sehr entspannt.

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Salento – quietschbunt und sehr entspannt.

 

Salento ist Ausgangspunkt in das Cocora-Tal, das für seine Landschaft bekannt ist, in der besonders die Quindio-Wachspalme vorkommt. Bis zu 60 Meter hoch werden diese Palmen, die mit ihrem spärlichen Blattwuchs am kahlen Stamm skurril in der spektakulären Landschaft stehen.

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Wachspalmen im Cocora-Tal

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Cocora-Tal

 

Zwei Tage bleiben wir hier in der schönen Unterkunft Posada Martha Tolima. In Salento treffen wir Jan – einen holländischen Radler. Er steigt jedes Jahr für einige Monate auf sein Reiserad und nutzt dies als Abwechslung zu seiner Arbeit bei den Ärzten ohne Grenzen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und beim gemeinsamen Abendessen sehr interessante Gespräche geführt.

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Jan

Von Salento geht es weiter in Richtung Süden. Vor uns liegt das Cauca Tal, das für einige Kilometer Erholung von der Achterbahnfahrt verspricht. Mit Übernachtung im schönen Ort Sevilla auf immerhin noch 1.700 Metern Höhe erreichen wir schließlich diese Tiefebene. Die Landschaft ändert sich, der Kaffee verschwindet. Im Cauca Tal ist Zuckerrohr angesagt. Erntemaschinen und „road trains“ mit bis zu fünf riesigen Anhängern beherrschen das Bild.

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Zuckerrohrernte im Valle de Cauca

Zuckerrohrernte im Valle de Cauca

Es liegt vermutlich auch an der landwirtschaftlichen Struktur, dass das Cauca als arm gilt und einige Brennpunkte in sich hat, die wir mit dem Rad meiden sollten.

„Hauptstadt“ des Cauca Tals ist Cali – drittgrößte Stadt Kolumbiens und Hauptstadt des Salsa. Uns allerdings ist nicht wieder nach Großstadt und so heißt unsere Station Buga. Buga ist in erster Linie Wallfahrtsort für viele Kolumbianer. In der „Basilica Del Señor De Los Milagros“ ist vor alle in der Semana Santa um Ostern herum reichlich etwas los. Für uns war Buga noch einmal ein Ort, um die kolumbianische Lebensart in Ruhe aufzunehmen und zu genießen.

  • Losverkäufer

Die Teilnahme an Lotterien gehört für die Kolumbianer zum täglichen Leben. Verlost wird so ziemlich alles und überall bieten fliegende Losverkäufer ihre Spezialitäten an.

Ein Losverkäufer in Buga

Ein Losverkäufer in Buga

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Ein möglicher Gewinn wird durch die Strasse geschoben .. Hier : ein Moped ..

 

 

  • Kaffeekultur
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erst einmal einen „tinto“. Man bekommt den Kaffee überall.

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In diesen imposanten Kaffeemaschinen wird der Kaffee zubereitet (Dampfdruck) . Lecker ..!

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Kommst Du nicht zum Kaffee, kommt der Kaffee zu Dir. Fliegender Händler in Sevilla

 

In Santander – unserem nächsten Zielort am Ende des Cauca Tales – bekommen wir zum Einen die kolumbianische Freundlichkeit und zum anderen die Radsportbegeisterung zu spüren. Als wir am Sonntagmorgen aufbrechen, wimmelt die Stadt von Radfahrern auf Rennrädern und Mountainbikes. Immer wieder kommen uns große Gruppen entgegen – wie immer mit aufmunternden Rufen und „Daumen hoch“. Wir kommen uns vor wie auf einer „RTF“ in Deutschland. Unser Frühstück bestellen wir in einer der zahlreichen Panaderias, die ebenfalls mit vielen Radlern besetzt ist. Schnell kommen wir mit einer der Gruppen ins Gespräch. Besonderes „Hallo“ unsererseits kommt auf, als einer der Radfahrer mit einem deutschen Weltcup Trikot ankommt. Noch dazu spricht er fließend Deutsch. Es stellt sich heraus, dass er ein Jahr in Deutschland verbracht hat und mit deutschen Weltcup Fahrern gemeinsam trainiert hat. Als wir aufbrechen, ist unser Frühstück bereits bezahlt – wieder ein Beispiel der kolumbianischen Gastfreundschaft.

Sonntag ist Radsporttag. Rennradler in Santander

Sonntag ist Radsporttag. Rennradler in Santander. Diese Gruppe bezahlte unser Frühstück.

Sonntag ist Radsporttag. Rennradler in Santander

Sonntag ist Radsporttag. Rennradler in Santander. Deutsches Trikot und fließendes Deutsch inklusive.

Popayan  liegt auf ca. 1.750 Metern Höhe und ist bekannt für seine koloniale Architektur. Insbesondere die Altstadt mit ihren weißen Gebäuden hat einen besonderen Reiz. 1983 wurde die Stadt durch ein Erdbeben stark zerstört, aber in der Zwischenzeit wieder aufgebaut.

Popayan

Popayan

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Popayan

 

Nach Popayan beginnt der eigentliche Anstieg in die Anden. Die Berge, die sich vor uns auftürmen, reichen jetzt an die 3.000 Meter heran und sind von steilen Schluchten durchzogen. Trotz der Höhe sind sie wie von einem grünen Teppich überzogen. Die Ausblicke sind auch hier wieder phantastisch – auch wenn die Beine vor Anstrengung brennen.

Landschaft, Landschaft, Landschaft ..

Landschaft, Landschaft, Landschaft ..

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Hohe Berge - tiefe Schluchten. Nördlich von Pasto

Hohe Berge – tiefe Schluchten. Nördlich von Pasto

Auf den Strecken der letzte Tage in Kolumbien haben wir unseren Rekord von Höhenmeter/Tag auf über 2.000 gesteigert. Ich fürchte, der Rekord wird angesichts der Anden, die vor uns liegen, nicht allzu lange Bestand haben. Leider wird auch das Wetter zunehmend unbeständig und wir müssen die eine oder andere Regenpause einlegen.

Zwischen Popayan und der Grenze nach Ecuador liegt auf unserem Weg das Gebiet, das auch heute noch als instabil und gefährdet gilt. Aufgrund der Abgeschiedenheit und des schwer zugänglichen Gebirges ist es das Rückzugsgebiet der FARC und auch von anderen bewaffneten Gruppen. Die Hauptverkehrswege werden vom Militär und der Polizei gesichert.

Hohe Polizeipräsenz zwischen Popayan und Pasto.

Hohe Polizeipräsenz zwischen Popayan und Pasto.

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Militärposten vor Ipiales

 

Wir bewegen uns nur dort und von allen Posten bekommen wir immer die Antwort, dass derzeit alles „tranquillo“ – also ruhig sei. Vier Tage brauchen wir von Popayan bis nach Ipiales an der Grenze nach Ecuador. 350 Kilometer und 9.000 Höhenmeter durch sehr dünn besiedeltes Gebiet. Immerhin bekommen wir auf dieser Strecke noch einmal ein Beispiel von kolumbianischem „Engineering“ geboten.

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kolumbiansiche Seilwinde …

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kolumbiansiche Seilwinde … 500 Meter weiter und 100 Meter tiefer liegt die Baustelle.

 

Ein Motorrad, dessen Hinterrad gegen eine Seilspule ausgetauscht wurde, dient als Antrieb für eine Seilwinde über einige hundert Meter und reichlich Höhe. Es funktioniert … aber die Berufsgenossenschaft hat das Gerät bestimmt nicht gesehen.

Ipiales liegt auf 3.000 Metern Höhe. Letzte Station vor dem Übertritt nach Ecuador war der Wallfahrtsort Las Lachas bei Ipilaes. Über die enge Schlucht wurde ziemlich imposant eine Kirche gebaut, die heute Zielort vieler Gläubiger ist.

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Die Königin von Las Lachas..

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Wir verlassen Kolumbien mit Wehmut, denn es war wirklich eines der Highlights unserer bisherigen Reise. Menschen, Landschaft und Lebensart sind etwas ganz Besonderes. Es gibt so viele Orte, von denen wir gesagt haben, dass wir wiederkommen müssen. Kolumbien reiht sich dort ein. Ganz oben. Jetzt wartet Ecuador. Wir freuen uns auf die Straße der Vulkane, auf Cotopaxi und Chimborazo und Co.

 

  • Begegnungen

Die letzten Wochen waren voller Begegnungen, von denen wir Euch hier einige vorstellen wollen:

  • Nicole & Guido
    • Nicole ist die Cousine meines CO-GF bei etamax space. Gemeinsam mit Guido hat sie ihre Heimat Venezuela aufgrund der dort immer schwieriger werdenden Lebensumstände verlassen und in Medellín eine neuen Lebensort gefunden. Wir haben uns wertvolle Tipps zu Kolumbien abgeholt und einige nette Stunden in Medellín gemeinsam verbracht.Kolumbien_DSC05085

Jan

    • Jan ist Langzeitradler – allerdings auf besondere Art und Weise. Seine Radreisen haben ihn durch Europa, Asien und Australien bis nach Amerika geführt. Im Gegensatz zu anderen fährt er aber nicht „am Stück“, sondern unterbricht seine Reisen für mehrere Monate, um in seine Heimat nach Holland zurückzukehren, oder um seiner Arbeit in Projekten der Medecines sans Frontiers – der Ärzte ohne Grenzen – nachzugehen. Wir haben Jan im Kaffeedreieck getroffen und in Salento ein inspirierendes gemeinsames Abendessen gehabt.

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  • Elmar & Ellen
    • Die beiden „Fietsjunks“ (Fahrradjunkies) oder auch „Wereldfietsers“ haben eigentlich schon die ganze Welt auf dem Rad gesehen. Ellen macht phantastische Photos (s. link) , die bereits in diversen Outdoor Magazinen veröffentlicht wurden. Elmar ist praktischerweise Fahrradmechaniker. Die beiden werden gesponsort B. von Vaude und von Santos. In Guatemala warten nagelneue Santos Fahrräder mit der revolutionären Pinion Kurbelgetriebe auf sie. Nicht schlecht ..  Jetzt sind sie auf dem Weg von Süd nach Nord und wollen im Juni bis nach Kanada gelangt sein. Wir haben die beiden in El Pintado getroffen.Kolumbien_DSC05134

Art

    • Kolumbien ist ein Radland – das hat sich weit herumgesprochen. Art ist sieben Wochen in Kolumbien und Ecuador unterwegs. Innerhalb von einer Woche war er der vierte Holländer auf dem Rad, den wir trafen. Holland = Fahrradland.

      Art

      Art

Guillermo & Sol

    • Auch in Kolumbien fährt man nicht nur Rennrad. Guillermo und Sol sind unterwegs von Bogota nach Santiago de Chile und zurück. Unsere nette Begegnung auf der Strasse brachte uns eine Reihe von Tipps und ein paar Süssigkeiten als Geschenk von Sol ein. Buena Suerte !

      Guiellermo und Sol - Reiseradler aus Kolumbien

      Guiellermo und Sol – Reiseradler aus Kolumbien

 

  • Sven & Kira
    • Sven, Kira (.. und ihr Hund ) sind „Boundless Biking“ und seit September 2013 auf der Route von Süd nach Nord unterwegs. Stetig haben sie ihren Weg durch Wüsten und Berge gemacht, bis wir uns kurz hinter Pasto trafen. Nach dem Austausch von Tipps und „No-Go s“ ging es für uns weiter nach Süden und für die beiden in Richtung Norden.

      Treffen mit Kira und Sven (Boundless Bikimg)

      Treffen mit Kira und Sven (Boundless Bikimg)

 

  • Gäste in Salento
    • In der schönen Unterkunft in Salento (Posada Martha Tolima) treffen wir andere Reisende.Kolumbien_DSC05185

 

  • Alex und Kathi auf ihrer Triumph
    • Alex und Kathi sind auf ihrer Triumph auf einer „Mördertour“ von Santiago de Chile durch Süd- und Mittelamerika, Mexiko bis in die USA unterwegs. Nach Hawaii soll es auch gehen und dann noch quer durch die USA nach New York. Kolumbien mussten sie zweimal durchfahren, weil bei der Einreise nach Panama nicht alle Papiere für das Motorrad parat waren und man sie an die Grenze nach Ecuador zurückgeschickt hat. Das Schicksal trifft uns Gott sei Dank nicht ..

      Alex und Kathi - auf einem heftigen Motorrad Trip von Santiago übe Hawaii nach New York. .. in drei Monaten

      Alex und Kathi – auf einem heftigen Motorrad Trip von Santiago über Hawaii nach New York. .. in drei Monaten

 

  • Ian
    • Sieben Wochen Kolumbien nur mit einem kleinen Rucksack auf dem Gepäckträger. Ian aus Leeds war der mit Abstand am knappsten ausgestattete Reiseradler, den wir trafen.

      Ian - neun Wochen Kolumbien mit einem Mini Rucksack

      Ian – neun Wochen Kolumbien mit einem Mini Rucksack

 

  • Eduardo
    • Eduardo war mit seinen Freunden am „Radfahrsonntag“ wie wir auf dem Anstieg zum Berg hinter Pasto (3.200 Meter). Gemeinsam haben wir einen Teil des Anstieges bestritten und uns gut unterhalten. Schon während der Fahrt schwärmte Eduardo vom „Agua de Panela“, das es am Gipfel geben sollte. Dort angekommen haben wir nicht nur dieses Energiebombe (warmer Zuckerrohrsaft) probiert, sondern uns auch noch lange mit Eduardo unterhalten. Eine sehr nette Begegnung mit sehr netten Leuten!

 

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6 Gedanken zu “Kolumbien – macht Kaffee glücklich ?

  1. Hallo Ihr Beiden,
    spannend, bunt und abwechselungsreich, das Gefühl ist wie ein bischen dabei zu sein.
    Wie schafft ihr es bloß diese irre vielen Eindrücke zu verarbeiten?
    Wünsche euch weiter eine gute und sichere Reise!
    BG Olaf

  2. Grüße aus BS am Veilchendienstag!!!

    Dem terror entgegen haben wir gestern Fasching gefeiert…

    Danke für eure bunten, lebhaften Grüße vom anderen Ende der Welt :-)

    LG, Tanja

  3. Hallo Silke, hallo Holger. Viele Grüße aus dem schönen Bortfeld ohne Hanglage aber mit Marina:-). Vielen Dank für die vielen Informationen in Schrift und Bild beeindruckt. Was Ihr so seht und erlebt ist schon mächtig. Hier geht gerade die Sonne unter bei milden 10 Grad. Der Winter hier war total lau, Kaminholz braucht für den nächsten Winter nicht bestellt zu werden. Tja, wir gehen auf den März und Stück für Stück auf das Ende Eurer tolle Reise zu. Fakt ist: „Ihr habt hier absolut nichts verpasst!“ Euch noch viel Spaß und liebe Grüße auch von Christiane. Munter bleiben.

  4. Ein toller Bericht, der Reise- und Kaffeelustig macht :) Ich bin am anderen Ende der Welt, in Finnland, der Frage nachgegangen, ob Kaffee glücklich macht. Denn die Finnen trinken weltweit den meisten Kaffee. Warum? Das habe ich die Finnen einfach selbst gefragt und ein Video dazu gedreht (http://de.happycoffee.org/coffee-makes-happy-kaffee-trinken-in-finnland/). Die Ausgangslage ist vielleicht eine etwas andere, das Ergebnis aber das gleiche. Coffee makes happy :)

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