Ecuador – mit Höhen und Tiefen über den Äquator

Welche Assoziationen verbinden wir mit Ecuador? Bis auf die nicht zu leugnende Tatsache, dass der Äquator durch dieses Land verläuft, hatten wir relativ wenig Bilder dieses kleinen südamerikanischen Landes im Kopf. Gut, die „Allee der Vulkane“, deren Name auf Alexander von Humboldt zurückgeht und die Galapagos Inseln sind weitere Assoziationen, die auch uns beim zweiten Gedanken kamen. Tatsache ist aber, dass Ecuador geographisch, topographisch, klimatisch und ethnisch eines der vielfältigsten Länder der Erde ist (s.a. Wikipedia). Der Kamm der Anden teilt das Land in drei völlig unterschiedliche Bereiche – den Küstenbereich (Costa) im Westen, das Amazonas Tiefland (Oriente) im Osten und schließlich den Andenkamm (Sierra) selbst. Dazu kommen noch die Galapagos Inseln mit ihrer Vielfalt. Unsere Route führte uns durch die Sierra mit einem Abstecher nach … aber lest selbst. Die Bilder zu den vier Wochen in Ecuador findet ihr hier.

Route durch Ecuador

Route durch Ecuador

Ecuador – das elfte Land auf unserer Reise hat uns jetzt doch etwas länger „beschäftigt“, als gedacht und der eine oder andere hat vielleicht bereits vermutet, dass wir irgendwo verschollen sind. Hier die Daten zu unserer Tour:

  • 02.2015 – 08.03.2015
  • Strecke: 700 km          (Km 12.160 – 12.860)
  • Profil: 700 hm             (hm 114.700 – 124.400 )

Auf über 3.000 Meter Höhe hatten wir uns noch in Kolumbien gearbeitet und auch in Ecuador ging es zunächst einmal nicht bergab. Erste Station war die kleine Stadt Tulcan an der Panamericana direkt hinter der Grenze. Kolumbien haben wir mit Wehmut verlassen, die Schönheit der Landschaft und vor allem auch die Freundlichkeit der radsportbegeisterten Menschen dort haben uns sehr gut gefallen. Die Einreise nach Ecuador am modernen und entspannten Grenzort verlief wieder einmal ohne Schwierigkeiten und ohne langes Warten. Ecuador hat den Dollar als Staatswährung eingeführt und so füllten wir also einmal wieder diese uns ja schon bekannte Währung in die Portemonnaies.

Ecuador_DSC05489 Ecuador_DSC05978

Ecuador hat sich einen verhältnismäßig hohen Lebensstandard durch die Verpfändung seiner Rohölreserve an China erkauft. Milliardenkredite – rückzahlbar in Rohöl, so lautet der Deal zwischen Ecuador und China. Vor dieser Hochzeit stand Ecuador in den 90er Jahren am Rande eines Staatsbankrotts und ist nun fleißig dabei, die liquiden Mittel in Straßen und andere Infrastruktur zu investieren. Die Resultate sind allenthalben sichtbar, die Qualität der Straßen war die beste seit den USA und überall drehen sich Baukräne. Die Panamericana ist streckenweise sechsspurig ausgebaut und es gibt vierspurige, autobahnähnliche Ortseinfahrten in sehr überschaubare Ortschaften. Man plant auf Zuwachs ..  Der Reisende – insbesondere im PKW – freut sich. Das Land ist per PKW sehr einfach zu bereisen. Radfahrer wünschen sich hin und wieder einsame Straßen oder weniger Verkehr. Ecuador hat sich also von China abhängig gemacht und schon jetzt wird offenbar in China entschieden, was wo gebaut wird. Langfristig drohen weitere Probleme, denn ein großer Teil der Erdölreserven Ecuadors lagern im Amazonasbecken. Dort ist Ölförderung (noch) ein Tabu, aber Chinas Druck wächst offenbar.

Zurück zu Tulcan: Die größte Sehenswürdigkeit der Stadt haben auch wir uns nicht entgehen lassen. Seit vielen Jahrzehnten werden die Hecken auf dem großen Friedhof der Stadt kunstvoll beschnitten. Tierfiguren, Bögen und viele andere Motive in großer Anzahl beschäftigen eine ganze Heerschar von Gärtnern. Schon ein Busch dieser Art wäre im heimischen Garten eine ernst zu nehmende Aufgabe – hier stehen Hunderte.

Ecuador_DSC05498 Ecuador_DSC05494

Der Verkehr entlang der Panamericana ist gerade im Grenzbereich nicht besonders angenehm und so entstand die Idee, der „alten“ (.. seehr alten ..) Panamericana zu folgen, die zwischen Tulcan und El Angel verläuft. Den Spitznamen „Löcher Pana“ trägt sie nicht zu Unrecht, aber das wussten wir jetzt noch nicht. Bei Sonnenschein ging es los, unbefestigter Feldweg, leicht ansteigend, easy riding .. Die Bauernstellen wurden weniger und verschwanden schließlich ganz, der Weg schmaler, die Löcher tiefer, die Wolken mehr .. Irgendwann war die Qualität des Weges dann in der Kategorie „felsig“ , es gab tiefe Wasserlöcher von früheren Regenfällen und auch von oben regnete es. Wir waren im Niemandsland, weit und breit keine Menschenseele. Schieben war angesagt. Ach ja.. es ging noch immer bergauf. Bis auf 3.800 Meter ging es. Die Luft wurde dünner und angesichts von schlechtem Wetter und  schlechtem Weg war die Laune auch nicht überragend. Dafür gab es phantastische Ausblicke auf große Ansammlungen von „Frailejones“, einer urigen, mit der Sonnenblume verwandten Art, die hier eine ihrer Rückzugsräume hat. Die Szenerie war interessant und ein bisschen surreal.

Ecuador_DSC05535 Ecuador_DSC05515

Nach vielen Stunden erreichten wir schließlich die Berghütte der „Reserva Ecologica El Angel“ und waren froh, wieder ein wenig Zivilisation vorzufinden. Die Hoffnung auf ein heißes Getränk erledigte sich jedoch schnell. Statt heißem Tee hielt uns der dort wacker ausharrende Ranger in Daunenjacke sofort ein Besucherbuch (seine Daseinsberechtigung..) unter die Nase (Eintrag bitte mit Passnummer .. ) und schlug vor, wir könnten die Lagunas in der Nähe besuchen.. Nur noch weitere 400 Höhenmeter klettern. Wir hatten dieses Mal keine Lust … Er versprach immerhin eine komfortable Abfahrt (.. in 40 Minuten seid ihr in El Angel ..) und klappte zufrieden sein Besucherbuch wieder zu. Sein Tagewerk war getan. Die Abfahrt war fast schlimmer als der Anstieg. Weiterhin Felsen, Kopfsteinpflaster, tiefe Löcher, Regen etc.. Weitere 2,5 Stunden eierte wir mit Dauerbremsen abwärts. Es dämmerte als wir in El Angel waren. Mehr als eine feuchte, windschiefe Hospedaje bot de Ort nicht aber immerhin – angekommen !

Ecuador_DSC05517 Ecuador_DSC05533

 

Der nächste Tag führte uns aus den Höhen von El Angel wieder zurück an die Panamericana – verbunden mit einer langen und absolut spektakulären Abfahrt über 1.600 Höhenmeter. Es wurde schlagartig heiß und unsere Freunde die Mosquitos meldeten sich sofort in großer Zahl zurück. Unser Ziel lautete Ibarra – die erste größere Stadt im Norden Ecuadors. Von anderen Radlern hatten wir von einem Campingplatz gehört, der dort von Deutschen betrieben werden sollte und wir beschlossen, dort zumindest einmal vorbei zu schauen. Aus dem „vorbeischauen“ wurden drei Nächte Pause auf der Finca Sommerwind. Hans und Patrizia sind 2010 nach Ecuador gekommen und schaffen es, Ihren Gästen eine sehr persönliche Atmosphäre zu vermitteln Wir haben von den beiden Einiges zu Ecuador erfahren. Neben dem Campingplatz betrieben die beiden den Bau von Eigenheimen, die in der boomenden Stadt Ibarra offenbar guten Absatz finden. Von allen Auswanderern, die wir bislang getroffen haben, machten diese beiden den zufriedensten Eindruck. Sie scheinen wirklich „angekommen“ zu sein.

Ecuador_DSC05548

Für uns ging es nach den entspannten Tagen schließlich weiter – mit der „Mitad del Mundo“, der Mitte der Welt stand ein weiteres Highlight an. Wir waren tatsächlich am Äquator angekommen ! Der Übergang von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel stand bevor .. An der Panamericana ist in der Nähe der Ortschaft Cayambe eine kleine Informationstätte mit Sonnenuhr und weiteren Infos eingerichtet. Die Stätte wird vom „Quitsato Projekt“ betrieben. Freiwillige geben Erklärungen zum Äquator und vermitteln ein wenig Himmelsmechanik.

Ecuador_DSC05551_new Ecuador_DSC05569

Wir haben den ehrwürdigen Ort zu einem Photo – Shooting – natürlich in unseren „offiziellen“ Tourshirts, die uns unsere Kinder für die Reise geschenkt haben,  genutzt. Das Überqueren des Äquators war auch Anlass für unsere Heimatzeitung, wieder einmal einen Artikel über uns zu bringen.

Ecuador_DSC05575_new Ecuador_DSC05560_new Ecuador_DSC05556_new

Unsere nächste Station war dann schon Quito. Quito – die Hauptstadt Ecuadors – liegt auf einer Höhe zwischen 2.850 Metern und 4.000 Metern. Um uns den Aufstieg per Rad in diese Höhe zu ersparen, beschlossen wir, in Tumbaco, einer kleinen Stadt vor Quito Station zu machen. Tumbaco liegt sehr verkehrsgünstig, von dort gehen regelmäßig Busse nach Quito und in viele andere Richtungen, so dass wir unsere Waden ein wenig schonen konnten. Quitos Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und bietet sehr viel koloniale Architektur und insbesondere sehr reich ausgestattete Kirchen. Alle Orden der Welt, seien es die Benediktiner, Dominikaner, Jesuiten, Franziskaner – alle betrieben oder betreiben hier Klöster mit üppig ausgestatteten Kirchen. Zu Zeiten der Kolonialisierung betrieben die Orden aus Europa quasi ein Wettrennen, wer im Schlepptau der spanischen Conquistadores die „Ungläubigen“ in Zentral- und Südamerika zum richtigen (i.e. katholischen) Glauben bekehren darf.

Ecuador_DSC05670 Ecuador_DSC05662 Ecuador_DSC05641

Die Stadt Quito und insbesondere die Altstadt, sowie das bei backpackern beliebte Viertel La Mariscal vermitteln eine heitere, leichte Stimmung und war ein sehr schöner Anlaufpunkt. Ein Tag reicht kaum aus, um allen Sehenswürdigkeiten gerecht zu werden. Der Montag ist der Tag des Wachwechsels vor dem Präsidentenpalast in Quito und so kam es, dass wir diesem fast monarchischen, bunten Zeremoniell zusehen konnten. Sehr ernsthafte Wachsoldaten erteilten sehr ernsthafte Befehle und schließlich wehte zur Freude aller Besucher auf dem PLaza de Armas wieder die Fahne auf dem Dach des Palastes und es wurde die Nationalhymne gesungen. Der Präsident selbst war leider nicht anwesend, aber zwei Staatssekretäre vertraten ihn würdig.

Ecuador_DSC05612 Ecuador_DSC05600

Wenig später stellte sich heraus, dass sich unser Aufenthalt bei Quito länger als gedacht gestalteten würde, denn Silke hatte sich eine Bronchitis eingefangen. Starker Husten und ein bisschen Fieber ließen jeden Gedanken an Rad fahren schnell verschwinden. Erst einmal galt es, die Bronchitis auszukurieren. Nach einem weiteren Tag in Tumbaco nahm die Idee Gestalt an, die Pause für einen Besuch auf den Galapagos Inseln zu nutzen. Dieses Ziel hatten wir in unserer Tourplanung außen vor gelassen, nicht zuletzt wegen der gesalzenen Preise und wegen der Unsicherheit, ob es sich wirklich um ein „once-in-a-lifetime“ Ziel handelt. Jetzt gaben wir der Sache also eine zweite Überlegung und nach einigen Stunden Internetrecherche und Telefonaten ergab sich schon für den nächsten Tag eine „Super-Last-Minute“ Reisemöglichkeit, die zwar immer noch teuer ($ 1.100 p.P.inkl. Flug), aber dennoch vernünftig erschien. Also stand nun Galapagos auf dem Programm. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es hat sich wirklich gelohnt. Es ist ein einmaliges Erlebnis und im Nachhinein wären wir sehr gern noch länger dort geblieben. Jedem, der die Gelegenheit hat, einmal in dieser Ecke der Welt zu sein, kann man nur dazu raten,  hinzufliegen. Wer sich darauf einlässt, eventuell in Quito ein paar Tage „auf Pirsch“ nach den besten Angeboten zu gehen, der kann die Reise auch für halbwegs bezahlbares Geld organisieren. Der beste Preis, den wir aus dem Kreis unserer Mitreisenden gehört haben, war $ 900 inkl. Flug von Quito.

Ecuador_DSC05686

Insel Floreana aus der Luft

 

Unsere Reise bestand aus einer viertägigen Fahrt auf einer Motoryacht, gemeinsam mit 10 anderen Passagieren. Zunächst ging es einmal mit dem Flug vom neuen Flughafen in Quito auf die Hauptinsel Baltra. Schon im Anflug auf die Inseln war ihre schroffe Schönheit zu sehen. Jede der Inseln zeichnet sich durch eigene Mikro-Ökosysteme aus. Ist die eine Insel kahl und nur von vulkanischem Gestein und Flechten besiedelt, zeigt sich auf der Nachbarinsel ein Trockenwald und wieder eine Insel weiter ein grünes Hochland. Unser Guide wartete bereits mit einem Schild und dem Namen des Bootes und nachdem auch die anderen Passagiere eingesammelt waren, ging es per Bus zum Hafen der Insel, wo die „Guantanamera“, unser Schiff, bei bestem Wetter bereits auf uns wartete.

Ecuador_DSC05761

Ein erster Blick in die Kabine – zwar klein, aber ansonsten völlig in Ordnung. An Bord waren bereits zwei Paare, die die lange Tour über acht Tage gebucht hatten und bereits vier Tage hinter sich hatten. Die anderen Passagiere waren neu wie wir. Eine bunte Mischung, überwiegend junge Leute aus allen Ecken der Welt. Die Mischung war sehr nett, so hatten wir auch in dieser Hinsicht wieder einmal Abwechslung mit Erzählungen aus all diesen Ecken.

Ecuador_DSC05917

Lange konnten wir uns nicht aufhalten, dann ging es bereits los zum ersten Programmpunkt. Im Hochland der Insel leben Landschildkröten die hier die grünen Wiesen abgrasen. Bereits während der Anfahrt waren die vielen dunklen „Haufen“ (= Schildkröten) in der Landschaft zu erkennen. Beim Aussteigen an einer kleinen Rangerstation gab es dann zunächst eine kleine Erklärung zu diesen Riesen. Schließlich konnten wir uns frei zwischen ihnen bewegen. Erstmals erlebten wir die Angstfreiheit der Tiere, sie ignorieren den Menschen, als gäbe es ihn nicht. Das gilt für diese riesigen, eher trägen Tiere, genauso wie für Vögel, Seelöwen, Pinguine und all die andere Tiere. Es ist fast surreal. Man nähert sich einem Vogel und er blickt stoisch-gelangweilt, als wolle er sagen „ich kaufe nichts …“.

Ecuador_DSC05744

Andere Tiere, insbesondere die Seelöwen ( .. sie sind einfach überall ..) sind neugierig und zeige sich, sobald sie Bewegungen in ihrer Nähe wahrnehmen. Im Wasser sind sie unglaublich verspielt und stupsen einen an, um Die Kamera will quasi gar nicht mehr still stehen, wenn man sich den Tieren bis auf Armlänge nähert. Es ist eine faszinierende Situation, die uns ja sonst völlig unbekannt ist. Wenige Tiere lassen uns so dicht an sie heran.

Ecuador_DSC05900 Ecuador_DSC05884 Ecuador_DSC05804

Das Programm an Bord war intensiv, ohne dass es gehetzt war. Vom frühen Morgen bis zum Abend gab es Programmpunkte, die jeweils am Abend zuvor in einem „briefing“ von unserem Guide angekündigt und beschrieben wurden. Meist in der Nacht bewegte sich das Schiff dann von Insel zu Insel und am Morgen brachte der erste Blick über die Reling stets ein neues Bild. Die Landausflüge brachten uns dann Begegnungen mit Vögeln, Echsen, Schildkröten. Das eigentliche „Aha“ Erlebnis waren für mich allerdings die Schnorchelausflüge. Hier änderte sich die Welt mit dem ersten Blick durch die Taucherbrille auf den Grund. Das Unterwasserleben rund um Galapagos gleicht einem riesigen Aquarium. Jeden Tag gab es mindestens einen Schnorchelausflug und ich wäre am liebsten gar nicht mehr aus dem Wasser gestiegen. Das Boot brachte uns zu Punkten wie dem „Chinese Hat“ oder zur Insel Floreana, wo wir mit Seelöwen, mit riesigen, im Meer „grasenden“ Wasserschildkröten und mit Pinguinen, die pfeilschnell wie Unterwasserflugzeuge Fische jagten, schnorchelten. Dazu Fische in riesigen Mengen und schillernden Farben. Es war ein phantastisches Schauspiel. Leider besitze ich keine Unterwasserkamera, die Bilder des Unterwasserlebens habe andere Mitreisende auf ihrem facebook account veröffentlicht  (Gerald Marie). Tiere waren ständig um uns herum. Vögel, Echsen, Delfine, Fische .. Viel zu schnell gingen die vier Tag um und wir mussten wieder in den Flieger nach Quito.

Zurück in Tumbaco ging es nach einem weiteren Tag Pause wieder aufs Rad in Richtung Süden. Leider blieben die Vulkane, insbesondere der Cotopaxi weiterhin in dichten, dunklen Wolken. Die Tatsache, dass wir uns zur Regenzeit bewegen, ließ sich einfach nicht wegdiskutieren. Keiner der schneebedeckten Riesen zeigte uns seine weiße Spitze und so wurde es auch nichts mit einem Besuch im Cotopaxi Nationalpark. Silkes Bronchitis hatte sich zwar gebessert, aber so ganz verschwunden war sie trotz Antibiotika noch nicht. (In Tumbaco war Silke beim Arzt – der hätte prima in eine Arzt-Soap gepasst. Mund auf – „Aaaaah“, Thermometer rein .. , Mund zu). So beschlossen wir nach zwei Radtagen, den Sprung nach Cuenca – der drittgrößten Stadt Ecuadors nach Guayaquil und Quito – per Bus zu machen.

Cuenca konkurriert von den Bauten her mit Quito. Auch wenn Quito größere, prunkvollere Häuser und Kirchen hat – Cuenca macht das Rennen, wenn es um Atmosphäre geht. Die blauen Kuppeln des Doms überragen die Stadt und die hübschen Eckhäuser geben der Stadt ein sehr schönes Flair. Dazu gibt es breite Bürgersteige und Schaufenster ! Die Tatsache, dass es hier zudem Cafes mit Außensitz-Bereich gibt (!), ließ uns ein bisschen von Europa träumen. Für Zentral- und Südamerika sind diese Dinge nämlich absolut unüblich. In Cuenca besuchten wir einen der zahlreichen Hutmacher (Panama-Hüte kommen eigentlich aus Ecuador).

 Schade, fast hätte ich einen mitgenommen

Schade, fast hätte ich einen mitgenommen

Die blaue Kuppeln des Doms in  Cuenca

Die blaue Kuppeln des Doms in Cuenca

Im sehr interessanten Pumapungo Museum bewunderten wir die Schrumpfköpfe der Indianer aus dem Amazonasbecken. Die Technik haben die Indianer ursprünglich für das Initiationsritual entwickelt, bei dem die jungen Männer der Gemeinschaft ein Faultier erlegen mussten und seinen Kopf dann schrumpften, um ihn als Zeichen des Erwachsenseins zu tragen. Später wurde die Technik dann auf „Feinde aller Art“ ausgedehnt. Fast bekommt man den Eindruck, als hätte es „der Führer“ doch noch in den Dschungel Ecuadors geschafft, bevor ihn sein Schicksal dort ereilte. Der Kopf hat eine gewisse Ähnlichkeit ..

Das ist doch ... Nein, kann nicht sein ... oder ?

Das ist doch … Nein, kann nicht sein … oder ?

Durch die Stadt bewegt sich ein Konvoi der Kandidatinnen für die „Miss Ecuador 2015“ – ein Wettbewerb, der hier sehr ernst genommen wird. Durch 18 Städte in Ecuador führt sie die Tournee und alle Medien berichten.

Parcours der Miss Ecuador 2015 Kandidatinnen in Cuenca

Parcours der Miss Ecuador 2015 Kandidatinnen in Cuenca

Parcours der Miss Ecuador 2015 Kandidatinnen in Cuenca

Parcours der Miss Ecuador 2015 Kandidatinnen in Cuenca

Schliesslich hielt uns unsere erste größere Reparatur einen weiteren Tag in Cuenca. Eine der Magura Hydraulikbremsen an Silkes Rad verlor an Wirkung – am Griff hatte sich eine Dichtung verabschiedet. So „wartungsfrei“ wie von Magura versprochen sind die Bremsen dann also doch nicht. Wir haben keine Ersatzdichtungen dabei und in Cuenca ernteten wir auch nur entschuldigendes Lächeln, wenn die Frage danach aufkam. Also : Magura Bremse weg – Shimano V-Brake dran (.. grrrr ). Die bremst aber auch .. Wenige Tage später hörten wir von Gregoire und Marion (französische Radler, mit denen wir in Kontakt stehen und ab und an ein Stück radeln), dass sie mit exakt dem gleichen Problem im exakt gleichen Laden waren und die gleiche Lösung  gewählt haben. So viel zu Magura .. Die anderen drei Bremsen halten hoffentlich.

Von Cuenca ging es schließlich in drei Tagen durch einsame Berge über 200 Kilometer und 4.000 Höhenmeter über Ona und Saraguro nach Loja und nach einem schönen downhill weiter nach Vilcabamba, das „nur“ noch auf 1.600 Metern Höhe liegt. Aufgrund des sehr angenehmen Klimas mit Temperaturen ganzjährig um 20°-25° ist Vilcabamba bei amerikanischen wie europäischen Freigeistern jeglicher Couleur sehr beliebt. Angeblich leben hier die meisten Menschen über 100 Jahre in ganz Südamerika. Wundern täte es mich nicht und tatsächlich haben wir ziemlich viele kleine, gebeugte Menschen gesehen, die in diese Kategorie passen könnten. Die Touristen bleiben nicht ganz so lang, aber genießen es trotzdem. Vegane Küche, esoterische workshops, Therapien jeder Art – das findet sich in Vilcabamba. Alles sehr entspannt und sehr gutes Karma J . Wir verfolgte die Prozessionen der Hare Krishna Jünger ( .. es gibt sie noch !!) und ließen uns vom Wohlfühlklima verwöhnen.

Die ewige Jugen. In Vilcabamba soll  es sie geben.

Die ewige Jugen. In Vilcabamba soll es sie geben.

Hare, Hare, Hare ... Krishna Jünger in Vilcabamba

Hare, Hare, Hare … Krishna Jünger in Vilcabamba

Von Vilcabamba lautete unser nächstes Ziel Zumba nahe der Grenze nach Peru. Zumba, bzw. La Balsa gilt als ruhiger Grenzort mit sehr schöner Strecke und so wollten wir uns das nicht nehmen lassen. Allerdings ist die Straße nach La Balsa trotz aller China-Öl-Milliarden noch nicht ganz fertig. In den letzten Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, auch diese Grenzverbindung mit Asphalt/Beton auszubauen, aber es fehlen noch immer ca. 30 Kilometer. Der Morgen war regenverhangen und es sollte von Vilcabamba wieder auf über 3.000 Meter hinaufgehen. So fragte ich im Hotel nach den Empfehlungen bezüglich der Strecke. Sowohl von einem Gast, der kürzlich aus Peru kam, als auch vom Hotelpersonal bekam ich die eindeutige Empfehlung, auf den Bus zu setzen. Die Regenfälle sollen heftig sein und die Erfahrung zeigt, dass es wohl ein paar Tage regnen würde .. Also leider keine „scenic route“. Der Bus ging um 10:00 und ein bisschen geknickt saßen wir gemeinsam mit ca. 25 einheimischen Fahrgästen darin. Das Bus fahren erweist sich auch in Ecuador als einfach und relativ günstig. Für die auf drei Stunden angesetzte Fahrt nach Zumba wurden pro Person $ 6,50 inklusive der Räder fällig. Die Räder verschwinden in den in der Regel geräumigen Gepäckfächern und kommen bislang unbeschadet wieder zum Vorschein. Diese Bustour sollte allerdings länger dauern, als erhofft. Die ersten 90 Minuten bewunderten wir noch voller Wehmut die tolle Bergwelt und die steilen Hänge (wie geschaffen zum Rad fahren ..) – dann setzte der Regen ein. Mittlerweile befanden wir uns im Bereich, in dem gebaut wurde und von der tollen Straße war nichts mehr zu sehen. Von den steilen, (noch ?) unbefestigten Hängen ergoss sich eine Mischung aus hellrotem Schlamm und Steinen. Innerhalb von Minuten war die Strecke eine einzige Seifenbahn. Der Bus holperte über Geröll und eigentlich war das nur eine Strecke für Four-Wheel Drives. Unser Bus hatte ungefähr das Offroad-Potenzial der Busse der Braunschweiger Verkehrs-AG, die zwischen Bortfeld und Kanzlerfeld verkehren. Also keines. Auch der wackere Busfahrer, der schwitzend und prustend das Lenkrad bearbeitete, konnte nicht viel ausrichten. Heck und Front schlingerten abwechselnd in Richtung Abgrund (.. einspurige „Straße“, steile Abhänge, keine Leitplanke ..) und die Fahrgäste sprangen aufgeregt auf die dem Abgrund abgewandte Seite des Busses. Die Tatsache, dass auch die Einheimischen, die diese Strecke sicher öfter fahren, nervös bis hektisch wurden, ließ auch bei uns ein mulmiges Gefühl aufkommen. Zwar waren wir froh, nicht auf das Fahrrad gestiegen zu sein, aber war das hier besser ? Der Busfahrer schickte seinen Adjutanten in den Regen, um ihm anzuzeigen, wo der günstigste Pfad durch den Matsch zu finden wäre. Schließlich aber war die Steigung zu groß, der Bus blieb mit im Schlamm durchdrehenden Hinterrädern stehen. Jeden Versuch des Anfahrens quittierte der Bus mit einem Ruck des Hecks in Richtung Abgrund und Geschrei der Fahrgäste. Der Adjutant machte sich durch den Matsch auf, um Hilfe bei den in Sichtweite arbeitenden Baufahrzeugen zu holen. Der Busfahrer trocknete seine Schweißperlen und hantierte mit seinem Rosenkranz. Kurze Zeit später machte sich ein riesenhafter, gelber Volvo Kipplaster (.. jedes Kind hätte seine Freude an diesem Monster-Truck ..)  in unsere Richtung auf und wenig später hingen wir an seinem Haken. Der Volvo hatte nun wirklich 4×4 und sicher auch reichlich PS. Jedenfalls zog er uns im Rückwärtsgang mühelos den Hang hinauf, bis wir wieder Beton unter den Reifen hatten. Fast wünschten wir uns, in das gelbe Fahrzeug zu wechseln, aber weiter ging die wilde Fahrt .. Immer wieder Schlamm auf der Straße und Schlittereinlagen unseres Busses.

Straßenbau vor Zumba .. da soll sie hin, die neue Straße. Noch ist da nur Geröll

Straßenbau vor Zumba .. da soll sie hin, die neue Straße. Noch ist da nur Geröll

Wo ist die Straße ?

Wo ist die Straße ?

Ecuador_DSC06157

 

Schließlich ergoss sich vor uns ein Wasserfall – nein ein „Matschfall“ auf die Straße. An einer besonders steilen Stelle des Hanges war kein Halten mehr. Ein Gemisch aus Steinen, Schlamm und Wasser fiel buchstäblich von oben. Immer wieder sah man kopfgroße Steine, die auf die Fahrbahn prallten. Es hatte sich bereits ein kleiner Erdrutsch ereignet – hier war kein Durchkommen mehr. Auch nicht mit Volvo-Power. Busfahrer und Adjutant berieten sich kurz und schließlich hatte der Adjutant die Aufgabe, den Gästen mitzuteilen, dass der Bus umkehren würde. Was bei uns Aufatmen erzeugte (.. wir hatten bereits beinahe beschlossen, angesichts der Zustände von Zumba aus nach Loja zurückzukehren) , erregte den Unmut der anderen Gäste. Sie wollten weiter und bestürmten den Busfahrer. Angesichts des Blicks nach vorn sahen sie aber nach und nach ein, dass der Bus es nicht schaffen würde. Die Handys fingen an zu glühen und alle bis auf uns stiegen aus und suchten unter einem wackeligen Wellblechdach Schutz. Sie vertrauten offensichtlich darauf, „irgendwie“ auf der anderen Seite des Erdrutsches eine Gelegenheit zur Weiterfahrt zu finden. Der Bus fand eine Stelle zu Drehen und so waren schließlich Busfahrer, Adjutant und zwei Mitteleuropäer auf Rädern auf dem Weg durch den Regen zurück nach Palanda – einem Ort vor Vilcabamba. Nachdem wir die kritischen Matschlöcher passiert hatten – dieses Mal bergab und einfacher – wurde die Stimmung im Bus ( .. bei Silke und mir .. ) besser. Es hörte auf zu regnen und wir diskutierten unseren neuen Plan, die Grenze nach Peru bei Macara zu passieren. Dann kam dieses Geräusch .. Plopp-plopp-plopp .. und der Bus wurde langsamer. Wir hatten eine Platten. Irgendwo hatte sich ein großer Stein zwischen die hinteren Zwillingsreifen gesetzt und dem äußeren der beiden Reifen nach und nach den Garaus gemacht.

Allein im Bus, die Erleichterung ist Silke anzusehen

Allein im Bus, die Erleichterung ist Silke anzusehen

Platt, platter, am ...

Platt, platter, am …

Wir standen jetzt also in der Mitte des Nichts und schauten den beiden ratlos wirkenden Offiziellen zu, die nach und nach Werkzeug und Ersatzreifen (Formel 1 tauglich, da profillos) suchten. Die weiteren Stunden vergingen damit, dass die beiden den Reifen wechselten (Hilfe lehnten sie empört ab – verstößt wohl gegen das Berufsethos) . Schließlich schafften wir es nach Palanda, wo die Reise des Busses vorerst endete. Für uns ging es weiter per „Collectivo“ (= pick up, der zum Festpreis fahrt und den sich eine Gruppe teilen kann) nach Loja. Dort waren wir zwei Tage zuvor aufgebrochen und das fühlte sich nicht soo prickelnd an, denn eigentlich gilt die Regel „Never go back“. Heute allerdings haben wir erfahren müssen, dass mit der Regenzeit in Südamerika und den daraus resultierenden Straßenverhältnissen unter Umständen nicht zu spaßen ist. Diese Busfahrt hatte es in sich.

Ob es daran lag oder an anderen Umständen – jedenfalls lag ich in Loja noch einen weiteren Tag krank im Bett, bevor wir schließlich wie geplant wiederum per Bus nach Macara – dem Grenzübergang nach Peru an der Panamericana – aufbrachen.

Ecuador hat uns ganz schön „geschlaucht“. Die Berge und Steigungen sind enorm, die Regenzeit hat uns wenige Sonnentage gelassen und wir haben uns unsere Krankentage genommen. Die Hoffnung auf schneebedeckte Vulkangipfel hat sich leider zerschlagen. Mit den Galapagos Inseln haben wir aber ein echtes Highlight erlebt, dass wir nicht vergessen werden und auch die Städte in Ecuador wie Quito und Cuenca sind eine Reise wert. Wir haben uns auf den Hauptkamm der Anden konzentriert, wer sich in Richtung Osten in das Amazonasbecken begibt oder nach Osten an die Strände des Pazifik, kann sicher noch mehr Seiten des Landes entdecken. Eine (triviale) Empfehlung an potenzielle Besucher des Landes ist es sicherlich, außerhalb der Regenzeit hierher zu kommen. Ecuador hat einen (für uns) erstaunlich hohen Lebensstandard, der das Leben zum Einen angenehm macht, dem Land aber andererseits etwas an Authenzität nimmt. Immerhin schafft es das Land aber, seine enorme ethnische Vielfalt zu leben. Trachten sieht man häufig und nach unseren Erfahrungen werden Minderheiten im Land durchaus wahrgenommen und gehört.

Quito; Strassenszene

Quito; Strassenszene

Strassenszene Cuenca

Strassenszene Cuenca

Ecuador_DSC05984

Peru hat uns mit Staub und weniger Luxus empfangen .. der erste Eindruck hat uns gefallen. Mal sehen, wie es weiter geht. Zunächst werden wir uns in Richtung Küste bewegen, in Chiclayo die Überreste von Prä-Inka Kulturen (Herr von Sipan) besuchen, um dann weiter nach Lima zu fahren. Dort beginnt unser Anstieg in die Anden, er uns über Nazca und Cuzco nach Macchu Picchu führt. Und von dort geht es fast schon auf die Zielgerade in Richtung Altiplano. Aber noch warten viele Kilometer .. und Höhenmeter .

Advertisements

3 Gedanken zu “Ecuador – mit Höhen und Tiefen über den Äquator

  1. …….. booo ääää super spannend (ein Krimi ist nix dagegen) das hört sich ja verdammt knapp an…
    Fantastisch, ein Land mit solch einer Vielfalt und wirklich traurig, dass sie wegen dem verdammten Öl ihre Seele verkauft haben. Die Galapagos Inseln müssen atemberaubend sein, Holger hättste mal was gesagt ich habe so ein Gehäuse :)
    Weiterhin gute Gesundheit und tolle Erlebnisse ich freue mich drauf.
    LG aus BS

  2. Was für ein Bericht….. (wieder einmal)!!!!) . Besonders die MEIN FERNBUS TOUR durch die Berge treibt einem selbst beim Lesen den Schweiß auf die Stirn….. Gut dass ihr das unbeschadet überstanden habt… Viele Grüße aus Braunschweig
    Carola

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s