Peru – Magie und Missgeschicke ..

Es hat gedauert, bis an dieser Stelle nun wieder etwas uns zu lesen ist und der Eine oder Andere mag sich schon gewundert haben, ob wir in Peru verschollen sind. Die Erklärung ist relativ einfach und bedarf doch einiger Worte, denn in Peru hat unsere Reise eine unerwartete Wendung bekommen. Ich bekam in Cusco medizinische Probleme, eine heftige Entzündung im Bein, die mich ins Krankenhaus brachte und uns letztlich dazu bewog, die letzten vier Wochen unserer Reise statt in Bolivien in Europa zu verbringen. Wir sind aktuell in Spanien und beradeln Andalusien. Aber nun der Reihe nach .. :

Die Bilder der Wochen in Peru findet ihr hier.

Nach den Wochen im durchaus hoch entwickelten Ecuador holten uns – im positiven Sinne – in Peru die bekannten Bilder aus Mittelamerika wieder ein. Das Erscheinungsbild der Menschen in ihren bunten, indigenen Trachten wurde wieder vielfältiger. Die Menschen wurde wieder offener, oft waren wir auf den Marktplätzen schnell von Kindern umringt, die uns ausfragten. Die Hütten wurden wieder armseliger, es gab wieder mehr Müll am Straßenrand. Am Grenzübergang in der Nähe der Grenzstadt Macara, wo wir unsere letzte Nacht in Ecuador verbracht haben, hatten wir eigentlich reichlich Betrieb erwartet – stattdessen erwartete uns ein ziemlich müder Grenz“beamter“ in Zivil in einer armseligen Bretterbude an der „Puente Internacional“. 60 Tage Visum – kein Problem. Geld tauschen war dann schon eher eine Frage. Hier gab es – im Gegensatz zu allen anderen Grenzen in Lateinamerika – nicht die übliche „privaten“ Geldwechsler, die mit dicken Scheinbündeln in der Hand winkten. An diesem Grenzübergang war einfach zu wenig los. Geldautomat ?? Natürlich auch Fehlanzeige. Woher also Soles – die peruanische Währung – bekommen? Der müde Beamte in Zivil verwies auf die Tienda (Stubenladen) einige Meter weiter, wo man je nach Geschäftslage Dollar in Soles wechseln können sollte. Leider liefen die Geschäfte gar nicht gut und so konnte uns die Ladenbetreiberin nach einigem Bitten gerade einmal 20 Dollar eintauschen. Gut – besser als nichts, und wie sich herausstellte ließ sich damit in Peru schon eine Weile leben.

Der Norden von Peru – insbesondere die Gegend um die Stadt Piura – gilt als für Radfahrer unsicher und ist fast schon berüchtigt für Überfälle auf Radler. Mythos, oder nicht – wir suchten wir uns eine Route um diese Stadt herum und fanden mit z.B. Tambo Grande nette kleine Orte. Das Profil der Strecke wurde auch endlich wieder flacher und nach all den Kletterpartien in Ecuador war es toll, einfach mal wieder mit 20 km/h + x auf ebener Strecke und fast ohne Verkehr dahinzurollen. Berge sind das Salz in der Suppe des Radfahrens, aber wenn man Tag für Tag weit über 1000 hm klettert, reicht es irgendwann. Der Norden Perus ist dünn besiedelt und unsere Strecke in Richtung Küste führte uns durch eine Wüstenregion. In den Gesprächen mit den Menschen, die hier in kleinen Siedlungen versuchen, Landwirtschaft zu betreiben, kristallisierte sich ein Thema immer wieder heraus: Wasser. Die Regenzeit 2015 neigte sich gerade dem Ende entgegen und auch in diesem Jahr hatte es wieder nicht geregnet – wie in den letzten beiden Jahren auch schon. Drei Jahre ohne Regen führt dazu, dass die kleinen Ortschaften entlang der Strecke peu a peu aussterben. Im krassen Gegensatz dazu stehen einige Orte wie Olmos, die mittels großer Infrastrukturprojekte mit Wasser versorgt werden. So wird z.B. ein Fluß, jenseits des Andenkamms, der eigentlich in Richtung Brasilien fliesst, gestaut und mittels einen gigantischen Rohrsystems in Richtung Pazifikküste geleitet. Einige Orte profitieren davon und bauen im großen Stil Obst und Gemüse an.

"enge" Straßenführung bei Nasca

„enge“ Straßenführung

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Chili Schoten zum Trocknen

Chili Schoten zum Trocknen

Nach vier Tagen zügiger Fahrt durch die Wüstenregion erreichten wir schließlich das wenige Kilometer von der Küste entfernte Chiclayo. Gemeinsam mit der in der Nähe gelegenen Stadt Trujilo stellt  sie das Zentrum im Norden Perus dar. Für uns war diese Gegend insbesondere wegen der Überbleibsel der Prä-Inka Kulturen – der Moche und der Chimu – von Interesse. Die Moche bauten die größten Pyramiden der Welt – die Sonnenpyramide – hat einen Grundriss von 340 * 200 Metern. Im Gegensatz zu z.B. den ägyptischen Pyramiden verwendete man allerdings wesentlich weicheres Gestein, nämlich selbst gebrannte Lehmziegel so dass die Pyramiden nach der Aufgabe durch ihre Erbauer unter dem Einfluss von Regen und Wind zerflossen wie Sandburgen am Strand. Überreste lassen sich heute noch an vielen Stellen finden. Entlang unseres Weges lagen die Pyramiden von Tucume, denen wir samt des neuen und sehr gut gestalteten Museums einen Besuch abstatteten. Das Highlight der Region liegt jedoch in Lambayeque, unweit von Chiclayo. Dort wurde vor wenigen Jahren das vollständig erhaltene Grab eines Moche Fürsten gefunden. Als „Herr von Sipan“ bekannt wurde das Grab und seine Geschichte im Museum „Tumba Reales“ dargestellt. Das Museum zeigt sehr gut aufbereitet die Geschichte der Hochkultur der Moche.

Die "Pyramiden" von Tucume

Die „Pyramiden“ von Tucume

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Chiclayo gefiel uns trotz der leicht chaotischen und auch nicht wirklich sicher erscheinenden Außenbezirke gut. Die kleine, aber interessante Innenstadt bietet insbsondere etwas,was uns seit Kolumbien gefehlt hat. Es gab Cafes mit den tollsten Tortenkreationen. Nicht, dass wir Entzugserscheinungen wegen fehlender Sahnetorten hatten, aber einfach mal wieder einen Kaffee mit etwas Süßem zu bekommen war nach der Erfahrung in Ecuador, wo sich vor allem eher „herzhafte“ Dinge (Reis und Bohnen ..) fanden, schon klasse.

Von Chiclayo aus folgten wir unserem ursprünglichen Reiseplan und legten einen Bustransfer in Richtung Lima ein. Wir überbrückten damit die Wüste entlang der Küste Perus, die für Radfahrer außer viel Wind und einem unablässigen Auf- und Ab nicht viel zu bieten hat. Unser Bus fuhr über Nacht und bot uns und den Rädern akzeptablen Komfort. Als wir jedoch einige Tage später von einem schrecklichen Busunfall mit 39 Toten auf genau unserer Strecke hörten, wurde uns schon anders. Busunfälle sind in Peru an der Tagesordnung und angesichts der Strassenverhältnisse, der Häufigkeit dieses Verkehrsmittels und der Arbeitsbedingungen für die Fahrer kann einen das nicht wundern. Bus fahren ist wie in ganz Lateinamerika günstig und auch in Peru DAS Verkehrsmittel des Landes.

Lima ist eine sehr entspannte Hauptstadt, der man ihre Größe – immerhin leben hier mehr als drei Millionen Menschen – nicht anmerkt. Rund um den Plaza de Armas liegt das koloniale Zentrum und entlang des Flusses liegen eine Reihe schöner Promenaden, auf denen am Wochenende eine Reihe von geplanten und sehr spontanen Veranstaltungen stattfinden.

LIma - eine entspannte, koloniale Großstadt

LIma – eine entspannte, koloniale Großstadt

Lima - Plaza de Armas

Lima – Plaza de Armas

Am Sonntag sind die Strassen in Lima zum Tanzen freigegeben - für alle Altersklassen.

Am Sonntag sind die Strassen in Lima zum Tanzen freigegeben – für alle Altersklassen.

Von Lima aus ging es für uns weiter in Richtung Süden. Über Ica erreichten wir schließlich die Gegend der geheimnisvollen „Nazca Lines“. Riesige Darstellungen von Tieren und Menschen – sowie geometrischen Figuren erstrecken sich durch die Wüstenebene zwischen den Städten Nasca und Palpa. Erst in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts wurden sie zufällig bei Flügen über das Gebiet entdeckt. Schnell stellt sich die Frage, wie die Menschen vor Hunderten von Jahren ganz ohne ie Möglichkeit einer Kontrolle aus der Luft kilometerlange schnurgerade Linien in die Steinwüste ziehen konnten oder komplexe Darstellungen von Tieren, wie dem „Kolibri“, zustande brachten. Und wozu taten sie das ? Viele Spekulationen gibt es darüber – auch die, dass die Linien zur Kommunikation mit Außerirdischen dienten oder gar von Selbigen errichtet wurden. Die heute am weitesten gehandelte Theorie geht davon aus, dass die Linien für religiöse Zeremonien angelegt wurden. Weltweit bekannt wurden die Linien durch die Arbeit der Deutschen Maria Reiche aus Dresden. Bis zu ihrem Lebensende setzte sie sich 50 Jahre lang unermüdlich für Schutz und Erhalt dieser Wüstenfiguren ein. Viele der Figuren sind durch Fuß- und Autospuren zerstört worden. Erst durch die Initiative Reiches ergriff die peruanische Regierung Maßnahmen, um eine weitere Zerstörung zu verhindern. Auf Maria Reiches Betreiben hin wurden die Geoglyphen 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. In einem kleinen Museum wird Ihrem Wirken gedacht und daran erinnert, unter welch einfachen Bedingungen – ohne Elektrizität oder fliessendes Wasser –Maria Reiche Ihr Leben den Linien gewidmet hat.

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Ohne sie gäbe es die Naca Lines heute nicht mehr: Maria Reiche aus Dresden hat ihr Leben der Erforschung der Nasca Lines gewidmet

Ohne sie gäbe es die Naca Lines heute nicht mehr: Maria Reiche aus Dresden hat ihr Leben der Erforschung der Nasca Lines gewidmet

Arbeitszimmer Maria Reiche

Arbeitszimmer Maria Reiche

Im Städtchen Nasca hat sich ein lebhaftes Treiben um die Linien entwickelt. Zentraler Ort ist der Flughafen, wo jeden Tag eine Menge Flüge mit kleinen 4-12 sitzigen Maschinen abgehen, um die Linien aus der Luft zu betrachten. Auch wir haben uns unsere Cessna gesichert und die faszinierenden Linien aus der Luft betrachtet.

Flug über die Nazca Lines

Flug über die Nazca Lines

Nasca Lines - Die Hände

Nasca Lines – Die Hände

Nasca Lines - der Condor

Nasca Lines – der Condor

Nasca Lines - der Kolibri

Nasca Lines – der Kolibri

Nasca Lines - der Hund

Nasca Lines – der Hund

Unsere Reiseplanung besagte, dass hinter Nasca der Anstieg in die Anden beginnen sollte. Von etwa 500 Metern Höhe auf 4.500 Meter Höhe innerhalb von 100 Kilometern. Die Strecke in Richtung Cusco ist extrem dünn besiedelt und so machten wir uns mit reichlich Vorräten ausgestattet auf . Der Anstieg über die ersten 40 Kilometer und 1.800 Höhenmeter war anstrengend, aber ohne besondere Vorkommnisse.

Die ersten 1500 Höhenmeter sind geschafft !

Die ersten 1500 Höhenmeter sind geschafft !

Dann allerdings öffneten die Wolken, die mit zunehmender Höhe dichter und dichter wurden, Ihre Schleusen. Es regnete heftig und der „Ort“, den wir an diesem Tag zu erreichen hofften, war noch einige Kilometer entfernt. Als wir schließlich trotz Regenkleidung tropfnass bei der Ansammlung verlassener Häuser ankamen, wiesen uns einige Bauarbeiter, die sich in einer der eingefallenen Ruinen vor dem Regen schützten, darauf hin, dass es noch so etwas wie ein Restaurant geben sollte. Dort angekommen, zeigte sich, dass das „Restaurant“ aus einem Tresen bestand, an dem Cola (immerhin ..), Inca Cola (kanariengelbes Bonbonwasser) und Klopapier angeboten wurden. Warum der bemitleidenswerte junge Mann in Flip-Flops und dünnen Pullover fröstelnd hier die Stellung hielt, war uns schleierhaft. Kunden gab es keine – die Cola, die wir kauften, trug noch die Weihnachtswerbung. Für uns bot sich in seiner Behausung immerhin die Gelegenheit, dem Regen zu entfliehen. Schließlich beschlossen wir, unser Zelt hier aufzustellen und waren froh, dass uns die armselige Hütte ein Dach über dem Kopf bot.

Camping am Anstieg nach Cusco

Camping am Anstieg nach Cusco

Es hörte nämlich nicht auf zu regnen. Die ganze Nacht nicht und auch nicht am nächsten Morgen.  Unsere Stimmung war angesichts der ungemütlichen Nacht und der Umstände um uns herum auf einem Tiefpunkt. Ein Ende des Regens war nicht in Sicht, es war knapp über 10° „warm“ und vor uns lagen noch über 2.000 Höhenmeter bis zum ersten Gipfel auf über 4.000 Metern. Cusco – unser eigentliches Ziel – war über 150 km und über 8.000 Höhenmeter entfernt, eine Achterbanfahrt mit Hoch und runter in den Anden. Kurz und gut – der innere Schweinehund siegte in diesem Moment und beschlossen, wieder nach Nasca abzufahren und den Bus zu nehmen. Gesagt – getan – 24h später saßen wir im Nachtbus nach Cusco. Wir waren ziemlich „alle“ und beschlossen noch am gleichen Tag, dass wir in Cusco eine Pause einlegen wollten, um die Akkus wieder zu laden. Wie lang diese Pause geraten sollte, ahnten wir hier noch nicht.

Indigenas lassen sich gern für einen kleinen Obolus abbilden. Jetzt ist erst einmal Pause

Indigenas lassen sich gern für einen kleinen Obolus abbilden. Jetzt ist erst einmal Pause

Cusco – die alte Hauptstadt der Inka liegt auf 3.400 Metern Höhe in einem eindrucksvollen Hochtal. Die Stadt ist mit ihren über 300.000 Einwohnern vom Tourismus geprägt und gilt vor allem als Ausgangspunkt nach Machu Picchu. In Cusco bezogen wir Quartier in San Blas – einem hübesche Viertel mit engen Gassen etwas oberhalb der Altstadt von Cusco. Die Atmosphäre mit vielen kleinen Bars und Cafes und einem zentralen Markt ist dort oben wirklich schön und sehr viel entspannter als in der Stadt selbst. Auch wenn Maccu Picchu natürlich die Königin der Sehenswürdigkeiten in der Region um Cusco ist – sie ist beileibe nicht die einzige. Cusco liegt im Valle Sagrado, einer Region, die durch eine ganze Reihe von Inka Ansiedlungen geprägt ist. Einige liegen so dicht an Cusaco, dass man sie durch einen Spaziergang erreichen kann, andere – wie Ollantaytambo oder eben Machu Picchu – liegen weiter entfernt.

Cuzco - Statue des bedeutenden Inka Pachacuteq

Cuzco – Statue des bedeutenden Inka Pachacuteq

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Cusco – Plaza de Armas

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Saksywaman – direkt bei Cusco

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Über den Dächern von Cusco.

 

Am dritten Tag nach unserer Ankunft machten wir uns schließlich in Richtung Maccu Picchu auf. Anstatt des bei vielen Touristen beleibten „touch & go“ in Machu Picchu – sprich einer Zugfahrt am Morgen von Cusco nach Aguas Calientes, dem Ort am Fuße von Machu Picchu, einem Besuch in der Ruinenstadt und einer Rückfahrt per Zug nach Cusco am gleichen Tag – beschlossen wir, die Sache etwas entspannter anzugehen. Per Sammeltaxi ging es erst einmal nach Ollantaytambo, einem sehr interessanten, ebenfalls durch die Inka geprägten Ort. Hier – wie auch schon in Cusco – ist die farbenfrohe Szenerie der Quechua – der Ureinwohner – gut zu erleben.

Drei Grazien mit Hund - Straßenbild in Ollantaytambo

Drei Grazien mit Hund – Straßenbild in Ollantaytambo

Marktszene

Marktszene

Straßenbild Ollantaytambo

Straßenbild Ollantaytambo

Ollantaytambo

Ollantaytambo

 

Von dort weiter per Zug nach Aguas Calientes , wo wir für zwei Nächte Quartier bezogen.  Früh am kommenden Morgen ging es per Bus hinauf nach Machu Picchu. Zunächst lag die Stadt noch in Wolken, doch schnell lichtete die Sonne das Tal und die aufsteigenden Nebelfetzen verliehen der ohnehin imposanten Kulisse eine zusätzliche Magie. Natürlich ist dies ein absolut touristischer Ort, aber trotzdem ist die Magie, die er ausstrahlt unbeschreiblich. Der Besuch hier gehört für uns ganz sicher zu den Highlights der Reise.

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Machu PIcchu - ein magischer Ort

Machu PIcchu – ein magischer Ort

Machu PIcchu - ein magischer Ort

Machu PIcchu – ein magischer Ort

Kurz nach unserem Besuch in Machu Picchu begann dann das, was unserer Reise eine andere Kurve verschaffte, als zuvor geplant. Gerade zurück, schwoll mein linkes Bein stark an. Auftreten war quasi unmöglich und der ganze Unterschenkel war berührungsempfindlich und heiß. Nach einem Tag des „Herumdoktorens“ mit Schmerzmitteln, Wickeln, etc. pp war klar dass dies ein Fall für den Arzt sein sollte.

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Damit begann also das, was wir im Vorfeld immer ein bisschen scherzhaft als „schlimmsten Fall“ bedacht hatten – nämlich gesundheitliche Probleme in Peru. Peru hat ein eigenes Gesundheitssystem, das allerding nur für Einheimische offen ist. Für Touristen gibt es Privatkliniken, so viel wissen wir jetzt. Diese entsprechen in Cusco durchaus westlichen Standards – zumindest was den Komfortfaktor angeht. Im Grunde sind die Kliniken (gute) Hotels mit medizinischer Betreuung. Cusco ist an dieser Stelle angesichts der großen Zahl der Touristen sehr gut ausgestattet. Insofern gibt es sicherlich schlechtere Orte als Cusco, um in gesundheitliche Schwierigkeiten zu geraten. Man gibt auch an dieser Stelle in Cusco alles, um den (kranken) Touristen zu „akquirieren“ und die Dollar zu kassieren, die am Ende auf der Rechnung stehen.

Ich folgte der Empfehlung unseres Hotels und stellte mich in einem Krankenhaus in der Nähe vor. Der erste Verdacht lautete auf Thrombose und ich wurde einquartiert, um mittels Sonographie Klarheit darüber zu bekommen. Thrombose .. ??? Wo doch Radfahren als beste Prävention eben dafür gilt ? Nach einer Nacht im Krankenhaus und der am nächsten Morgen folgenden Untersuchung per Ultraschall war dann glücklicherweise klar, dass dieser Kelch an mir vorübergeht . Gott sei Dank ! Keine Stützstrümpfe ;-) ..

Aber was war es dann, was mein Bein zu einem Ballon und mich bewegungsunfähig machte? Die Diagnose, die ich von der Ärztin hörte, ließ mich erst einmal lächeln: „Cellulite“ … Ich hielt das zunächst für einen Scherz – erst dann verstand ich, dass damit nicht die in Europa vor allem bei Frauen unbeliebte Gewebeschwäche um die Oberschenkel herum gemeint war, sondern eine „bakterielle Entzündung der (inneren) Haut“. Eben das meine „Cellulite“ im Spanischen, nämlich Zellulitis. Irgendwie waren Bakterien eingedrungen und hatten das Immunsystem ausgehebelt. In der Regel sind es Insektenstiche, die das verursachen – ich kann mich jedoch an keinen erinnern.  Die Therapie lautete „Antibiotika“ – und da die Entzündung großflächig war, wurde ich an den Tropf gehängt. Vier Tage verbrachte ich über Ostern im Krankenhaus. Ich habe keine Leiden ausgestanden, mal abgesehen von Langeweile und Bewegunsgunfähigkeit, aber dennoch wurde der Körper ganz schön mitgenommen – das hätte ich vorher nicht erwartet. Ich wurde dann mit einem ganzen Beutel voller Medikamente – insbesondere weitere Antibiotika zur Einnahme über die nächste Woche – wieder entlassen. An dieser Stelle ein Dank an meine Auslandskrankenversicherung – der LVM – die trotz der Osterfeiertage und der Entfernung alle administrativen und finanziellen Dinge mit dem Krankenhaus in Peru regelten. Ich musste mich um (fast) nichts kümmern.  Die Rechnung, die die Krankenhäuser in Peru präsentieren, macht einen schwindelig. (>500 $ pro Tag)

Für uns stellte sich jetzt die grundsätzliche Frage, wie wir die Reise fortsetzen wollen. Angesichts der Tatsache dass vor uns Bolivien, der Altiplano und die Atacama Wüste liegen – Gegenden, von denen wir aus Schilderungen anderer Radfahrer wussten, dass sie einem körperlich alles abverlangen – wurde klar, dass das nicht unsere Route sein konnte. Das Risiko in Bolivien in einer abgelegenen Gegend in gesundheitliche Schwierigkeiten zu geraten, war einfach zu groß. Alternativen wurden überlegt – ohne Rad (im Bus) weiter. Natürlich waren wir enttäuscht, dass gerade dieses Stück – eigentlich DAS Highlight der Reise – nun ausfallen würde. Aber die Vernunft hat hier die Oberhand bekommen und der Salar de Uyuni wird nicht weglaufen. Wir haben so viele tolle Momente erlebt, so viele interessante und ergreifende Begegnungen gehabt, so viele Dinge erlebt und gesehen. Das alles wird uns noch lange beschäftigen und es vergeht nicht, nur weil in Cusco etwas dazwischen kam.

Schließlich reifte der Plan, samt Rädern nach Europa zurück zu reisen und statt Bolivien Spanien, genauer gesagt Andalusien, zu bereisen. Wir wollten in jedem Fall einen schönen Abschluss finden, der uns die zuletzt doch frustrierenden Tage in Cusco wieder ausgleichen konnte. Nach jetzt 14 Tagen in Spanien können wir sagen, dass genau das gelingt. Europa … Spanien .. ist eben doch Genussradeln. Etwas weniger Abenteuer, etwas mehr Genuß. Cafes an jeder Ecke, Sonne satt, super Essen, sehr schöne Landschaft .. damit können wir gerade gut leben :-)

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Abflug in Cusco ..

Anfang Mai werden wir wieder in Deutschland sein, der Rückflug ist gebucht. Wir freuen uns vor allem auf Menschen, die wir lange nicht gesehen haben. Bis bald !

Die Bilder der Wochen in Peru findet ihr hier.

 

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5 Gedanken zu “Peru – Magie und Missgeschicke ..

  1. Danke fuer Eure tollen Berichte. Habe alles mit viel Interesse und Neugier verfolgt und verfolge natuerlich auch alles weiterhin. Viel Spass nun in Spanien. Man kann garantiert auch da einige Abenteuer erleben. Bin mal gespannt, wie Ihr dann nach dieser Weltreise den normale Alltag wieder aufnehmen werdet. Aber bis dahin ist ja noch ein bischen Radfahren angesagt…

    Viele Gruesse
    Nina

    Getroffen: July 2014 Blake’s Resort WA USA

  2. Hallo Ihr Beiden.
    Ich habe Eure letzte Etappeninfo gerade erst aufgemacht. Wie immer absolut beeindruckend. Das Ihr die Reise nicht ganz zu ende führen konntet tut uns leid, aber die Gesundheit geht vor und mit manchen Dingen sollte man nicht spaßen. Genießt die noch verbleibende Zeit bis zum Rückflug in Spanien und freut Euch langsam wieder auf Bortfeld. Hier ist es auch nicht sooo schlecht, hahaha. LG Andreas und Christiane
    Wann seit Ihr wieder hier?

  3. Hallo Ihr beiden,
    ich habe eure Kommentare immer mit schönstem Fernweh gelesen und mit euch mitgefiebert.
    Das eure geplante Reiseroute ein solches Ende nehmen musste, ist nicht fair.
    Aber gut zu hören, dass es Holger wieder besser geht!
    Wir wünschen Euch auch noch ein paar tolle Tage zum Abschluss
    Sonja und Timo
    PS: ist das Jahr wirklich schon um?!!?! kaum zu glauben!

  4. Hallo, gut das es nichts Schlimmeres war!!! Vielen Dank für die spannenden und interessanten Berichte. Viel Spaß noch beim Genussradeln. Kommt gut nach Hause, Martina

  5. Hallo und ein verfruehtes „Welcome“ im verwilderten Garten.Ihr habt soviel Schoenes gesehen und erlebt. Es war vernuenftig, diese Entscheidung zu treffen. Wir wuenschen euch noch ein paar schoene Tage in Espana und freuen uns euch wieder gesund zu sehen. Ich wuerde ja gern ein Bierchen kalt zu stellen und euch so zu begruessen, aber wir sind mal wieder on tour. Camping in Lichtenfeld, Tanz in den Mai mit Maibowle. Also bis zum 12.Mai.Take care. Reklov & Nirak

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